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Taucha Mit der West-Antenne 1958 Fußball-WM geschaut
Region Taucha Mit der West-Antenne 1958 Fußball-WM geschaut
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13:56 19.05.2015
Karl-Heinz Zeckei zeigt, wo 1958 die Antenne aufgestellt wurde. Quelle: Olaf Barth

Anders als vor 56 Jahren, bei seiner ersten Fußball-WM vor einem TV-Gerät. Da kostete es ihn noch einige Mühe, die Live-Bilder einzufangen.

"Das DDR-Fernsehen zeigt die Spiele nicht. Diese Mitteilung am 7. Juni, einen Tag vor dem Eröffnungsspiel, traf uns im Betrieb völlig überraschend. Viele Kollegen wollten die Spiele aber sehen, und so beschlossen wir, eine Antenne für den West-Empfang zu bauen und aufzustellen", erzählt der Senior. Denn das Interesse war groß, schließlich war die Bundesrepublik 1958 in Schweden angetreten, um nach dem Wunder von Bern den Titel zu verteidigen. Die DDR war in der Qualifikation an der Tschechoslowakei und Wales gescheitert.

Die meisten von Zeckeis Kollegen besaßen keinen Fernseher, aber im Kultur- und Speiseraum des Volkseigenen Betriebes (VEB) Werk für Grafische Maschinen (Wegra) stand eine Fernseh-Truhe mit Schwarz-Weiß-Empfänger, Tonbandgerät und Radio. Der Betrieb befand sich in der Leipziger Straße 37, gegenüber der Straßenbahn-Endstelle. Die eher flachen Gebäude stehen noch und werden heute anders genutzt.

"Ich war ja Maschinenschlosser und hatte seit 1956 schon für Freunde und Verwandte Antennen für das Erste Deutsche Fernsehen gebaut und diese in Taucha und Leipzig auf die Dächer gesetzt. Nun wollten das meine Kollegen auch für den Betrieb und ich sammelte noch am selben Tag Unterschriften dafür", blickt Zeckei zurück. Nur zwei lehnten ab, alle anderen der rund 30 Mann starken Sonnabend-Belegschaft unterstützten das Projekt. Betriebsleiter Artur Schie gab dazu die Erlaubnis, aber erst nach der Zusage, dass mit der West-Antenne nur Fußball geschaut wird. Zeckei durfte sich im Materiallager bedienen, Kollegen halfen beim Sägen, Bohren, Drehen und Montieren. Es war Sonnabend, bis 12 oder 13 Uhr ging die Arbeitszeit, doch an Feierabend dachten die Fußball-Fans nicht. Sie bauten eine sogenannte 16-er Antenne, die aus 16 einzelnen Alu-Stäben zusammengesetzt wurde. Komplizierter als deren Bau gestaltete sich die Suche nach einem Standort mit West-Empfang auf dem Gelände. "Mehrere Versuche waren nötig, die Kabel zum Kulturraum wurden immer länger und mussten auch erst mal besorgt werden. Der Betriebsleiter half mittels einer Holzleiter, den zehn Meter langen Antennenmast aus der Waagerechten hoch zu drücken. Dabei zog er sich einen langen Holzsplitter in der Hand ein, ließ die Leiter aber so lange nicht los, bis der Mast stand. Aber es gab wieder keinen Empfang, die Stimmung war auf dem Tiefpunkt", beschreibt Zeckei die Aktion. Häuser und Bäume waren im Weg. In einem letzten, verzweifelten Versuch trugen die Kollegen den schwankenden Antennenmast über das Dach zu einem anderen Schornstein. Zeckei: "Inzwischen hingen 50 Meter Kabel frei über dem Gelände. Plötzlich unten dann der Aufschrei: Das Bild ist da!"

Tags darauf jubelten die Kollegen über den 3:1-Sieg Deutschlands gegen Argentinien. Am Ende wurde Brasilien Weltmeister, Deutschland Vierter. "Wir haben den jungen Pele spielen sehen, er war auch für uns schon ein Idol", erinnert sich Zeckei, der früher für Traktor Taucha als Fußballer und Ringer aktiv war. Beruflich qualifizierte er sich später über Abendschule und Fernstudium zum Meister und Diplom-Ingenieur. Am 31.12. 1999 war er als ehemaliger Betriebsteil-Leiter der Letzte, der nach der Abwicklung der Firma dort das Licht ausmachte. Die Geschichte um die Fußball-WM 1958 aber bleibt für ihn unvergessen.

"In diesem Jahr wird auch Brasilien gewinnen. Auf jeden Fall eine südamerikanische oder südeuropäische Mannschaft, wegen des Klimas", tippt Zeckei. Viele Spiele werde er nicht sehen, da er mit seiner Frau eine Schiffsreise von St. Petersburg nach Moskau antritt. "Ich hoffe, wir haben auf dem Kahn Fernsehempfang. Aber eine Antenne baue ich diesmal nicht", sagt er und lacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2014
Olaf Barth

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