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Taucha Mysterium um Tauchaer Mülltonne
Region Taucha Mysterium um Tauchaer Mülltonne
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00:36 21.06.2015
Uwe Tilch zeigt die Mülltonne, um die sich der Ärger dreht. Quelle: Olaf Barth
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Taucha

So soll allein im 2. Halbjahr 2014 seine 80-Liter-Tonne laut Landratsamt sieben Mal geleert worden sein, klagt der 53-Jährige. Dabei komme er real in einem Halbjahr höchstens auf zwei bis drei Entleerungen. Doch er soll nun die Kosten für alle sieben Entleerungen tragen, laut Tilch vier zu viel. "Wir haben die Tonne jedenfalls nicht zu all den in der Rechnung aufgeführten Terminen raus gestellt, und deshalb werden wir dafür auch nicht bezahlen", gibt sich der gelernte Kfz-Ingenieur kämpferisch. Eine fünfte "Geister-Leerung" habe es am 22. Januar gegeben. Er selbst habe die Tonne aber nur am 19.3. und 29.5. bereit gestellt. Seit Monaten telefoniert Tilch freundlich mit zuständigen Mitarbeitern im Landratsamt Nordsachsen. Doch auf seine Hinweise, die Tonne nachweislich nicht rausgestellt zu haben, auf seine Verweise bezüglich Plausibilität, woher der viele Müll im Zwei-Personen-Haushalt denn kommen soll, ließ man sich in der Behörde nicht ein. Vielleicht habe er ja gemalert und deshalb so viel Müll gehabt, versuchte eine Mitarbeiterin dem Gedächtnis des Tauchaers auf die Sprünge zu helfen. Seine Antwort, er lebe doch in einem gerade errichteten Neubau, verfing nicht.

"Ich bin ein Mensch, bei dem alles seine Ordnung haben muss. Für unseren Müll bezahle ich natürlich. Und Streit mit dem Landratsamt ist das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können", erklärte Tilch. An Geister glaube er nicht, unerklärlich bliebe die Zählung der Tonnenentleerungen für sein Haus in der Manteuffelstraße 22 dennoch. Manchmal zweifele er, ob es eine gute Wahl war, im Dezember 2013 nach Taucha in den Landkreis Nordsachsen zu ziehen. "Jetzt sollen wir laut Behörde den Rechtsweg einschlagen, für einen Streitwert von 36,70 Euro. Wenn der Landkreis verliert, zahlt ja der Steuerzahler. Doch mir geht es nicht um das Geld, sondern ums Prinzip. Ich muss doch nicht für etwas zahlen, was ich gar nicht veranlasst habe", sagte Tilch, der sich völlig unschuldig in diese Situation geraten sieht.

Dabei gab es ja Probleme mit der Tonne. Denn seit April hat Tilch eine neue, da die erste unter dem Aufkleber mit der Idendifikations-Nummer noch einen alten, nicht entfernten Aufkleber hatte. Außerdem waren am Anfang 120 statt 80 Liter berechnet worden, was zu einer Gutschrift führte. Nun die zu vielen Entleerungen. Vielleicht stimmt was mit seiner Adresse und der Registrierung nicht? "Manchmal bekommen wir auch Post, die unter unserer Adresse an jemanden anders gerichtet ist, das ist schon etwas mysteriös", ist Tilch ratlos.

Für das Landratsamt (LRA) allerdings ist die Sache klar. "Die Entleerung einer Tonne wird nur gezählt, wenn sie auch wirklich am Müllauto hängt und ausgekippt wird. Das wird von einem Chip registriert. Jedem Grundstück ist klar eine Tonne zugeordnet", informierte Pressesprecher Rayk Bergner. Im ersten Moment empfand auch er sieben Leerungen in einem Halbjahr als eher unwahrscheinlich. Aber dann schriftlich: "Das im Landkreis Nordsachsen genutzte Mülltonnenidentifikationssystem MAWIS ist von der Identifikation der Datenträger bis zur Abrechnung bezüglich Daten- und Rechtssicherheit vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als daten- und manipulationssicher zertifiziert. Damit gelten die aus den gespeicherten Entleerungsdaten erstellten Auszüge und Statistiken als rechtssichere Nachweise der tatsächlich durchgeführten Entsorgungsleistung."

Auf gut Deutsch: Die Technik lüge nicht und arbeite fehlerfrei. Immerhin seien alle bisher seit 2011 vereinzelt aufgetretenen Widersprüche nach Überprüfung von den Beschwerdeführern zurückgezogen worden. "Kein Gebührenbescheid musste bisher aufgrund einer etwaigen fehlerhaften Berechnung der Entleerungsanzahl zurückgenommen werden", teilte das Landratsamt mit. Dabei ging es jedoch immer um mal eine angeblich zu viel berechnete Entleerung, nicht aber um fünf, wie bei dem Tauchaer. Ihm wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu zahlen oder zu klagen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2015
Olaf Barth

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