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Nach Giftunfall mehr als halbe Stunde in kontaminiertem Raum unterrichtet

Nach Giftunfall mehr als halbe Stunde in kontaminiertem Raum unterrichtet

Einen Tag nach dem Unfall mit hochgiftigem Brom im Geschwister-Scholl-Gymnasium steht fest: Es gibt keine Verletzten. Die Schulleitung hatte jedoch verschwiegen, dass vom Unglück bis zum Eintreffen der Ärzte mehr als eine Stunde verging.

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Der Rettungswagen verlässt nach dem Giftunfall das Gymnasium. Die Schulleitung verschwieg, dass mehr als eine Stunde verging, bis sie die Ärzte informieren konnte.

Quelle: Jörg ter Vehn

Taucha. Einer Schülerin war – wie berichtet – gegen 11.45 Uhr bei einem Experiment unter Aufsicht ihrer jungen Chemielehrerin die Pipette mit dem Brom auf einen Polylux gefallen und zerbrochen. Das Bromgas, das giftiger ist als Chlor, entwich, die Lehrerin bedeckte die Unglücksstelle sofort mit einem Tuch, ließ die Fenster öffnen, wusch dem Mädchen ausgiebig die Hände – und machte im Unterrichtsstoff weiter. Eine gute Dreiviertelstunde lang. Das berichteten gestern Eltern der Kinder.

Schulleiterin Kristina Danz hatte alle Lehrer und Kinder am Unfalltag vergattert, Unbeteiligten nichts über den Unfall zu erzählen. Sie hatte nach dem Unfall von sofortigen Hilfsmaßnahmen gesprochen, aber gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen, dass sie selbst wohl erst gegen 13 Uhr von dem Unfall erfuhr – und dann mit aller Kraft die nötigen Schritt einleitete.

So kam es, dass etwa die Hälfte der 9b-Schüler schon nach Hause gefahren war, unwissend, was sie da eigentlich eingeatmet hatten. Nach Eintreffen der Ärzte ließ die Schulleitung alle Kinder abtelefonieren und vorsichtshalber zur Untersuchung abholen. Wie die LVZ erfuhr, musste auch die 15-jährige Schülerin, der das Missgeschick geschah, erst wieder zur Schule gebracht werden. Auch diesen Teil der Rettungsaktion hatte die Schulleitung verschwiegen. Lehrerin und Schülerin wurde zur näheren Untersuchung in eine Klinik gebracht. Beide seien schon am selben Tag als „unbedenklich“ wieder entlassen worden, so gestern Artur Beuchling, Leiter der Kommunalen Einrichtungen des Kreises. Er werde den Vorfall zum Anlass nehmen, das Unfallregime der Schule nochmal zu klären. Ob eventuell Vorschriften durch die Lehrerin verletzt worden seien, müsse die Auswertung des Unfallberichts ergeben. Beuchling erinnerte daran, dass Brom ein regulär zugelassenes Unterrichtsmittel ist.

Roman Schulz, Sprecher der Regionalen Bildungsagentur sagte gestern, nach dem Unfall sei „nicht viel falsch gelaufen“. Sicher hätten die Kinder eher das Chemiekabinett verlassen sollen und sicher wäre auch eine schnellere Information der Schulleitung wünschenswert gewesen. „Bei einer größeren Dosis Brom wäre zu langes Warte sicher problematisch geworden“, so Schulz. Aber die Lehrerin habe in der Situation entscheiden müssen. Der Vorfall sei nicht optimal abgelaufen, werde aber ganz normal ausgewertet. Danz war gestern nicht erreichbar, der Chemieraum blieb bis zur Abnahme durch die Hygiene vorerst gesperrt.

Jörg ter Vehn

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