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Nachtflug über Pönitz: Lauter als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt

Nachtflug über Pönitz: Lauter als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt

Über einige kleine Veränderungen beim Flugbetrieb ließen sich schon deutliche Erleichterungen für die vom Nachtfluglärm geschädigten Bürger in Merkwitz und Pönitz erreichen.

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In den Keller gezogen: Auf dem Forum des SPD-Ortsvereins im kleinen Merkwitzer Stübchen berichten Anwohner von ihren Nachtflugerfahrungen.

Quelle: Jörg ter Vehn

Taucha. Das ist die Quintessenz eines Forums, zu dem der SPD-Ortsverein Taucha am Donnerstagabend ins Merkwitzer Stübchen eingeladen hatte.

Andreas Kante von der Interessengemeinschaft (IG) Nachtflugverbot Leipzig/Halle hatte in seinem Vortag vorher den Lärm und die Ursachen aus seiner Sicht analysiert. Die Starts der Flugzeuge störten am meisten, die Antonow 12 mit ihren lauten Turbopropmotoren habe sicher schon jeder gehört, meinte er. In Pönitz kämen so in einer normalen Nacht Spitzenwerte von 57 bis 67 Dezibel (dB) zustande, bei gekippten Fenstern blieben innen 50 bis 55 dB, im Durchschnitt nachts 32. „Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt nachts Spitzenwerte von maximal 45 dB und maximal 30 dB im Schnitt", sagte er. „Damit ist es zu laut in Pönitz." In Hohenheida, das direkt auf der Einflugschneise liegt, komme er nachts gar auf bis zu 80 dB.

Die Landesdirektion hatte im geänderten Planfeststellungsbeschluss wegen der vorwiegenden Nutzung der Südlandebahn die Nachtschutzzone erweitert und ihre Flugprognose korrigiert. Im Jahr 2020 gebe es danach 274 Starts- und Landungen täglich, davon 123 nachts. „Derzeit liegen wir nachts bei 78 im Schnitt", so Kante. „Es wird also noch mehr werden", warnte er.

Peter Wagner aus Merkwitz erklärte, schon jetzt könne er bei offenem Fenster nicht mehr schlafen. Dabei sei nur die Hälfte der Häuser in Merkwitz in die Nachtschutzzone aufgenommen worden, könne Lüfter für die Schlafräume erhalten. Stephanie Hipper aus Seegeritz erzählte, dass laut Studien nicht alle Menschen gleich sensibel wie sie auf Lärm reagierten. Sie habe aber bei ihren Kindern festgestellt, dass sie sich bei einem Überflug die Decke über den Kopf ziehen oder im Bett herumwälzen. Bei Ostwind und Richtung Taucha startenden Flugzeugen werde daher im Keller geschlafen, sagte sie.

Kante sagte, dass im Vorjahr jeder fünfte Passagier des Flughafens ein US-Soldat gewesen sei. Viele landeten nachts mit besonders lauten MD11-Fliegern, die anderswo nicht mehr erlaubt seien. Zudem sei auf dem Airport eine Flotte von bis zu sechs der größten und lautesten serienmäßigen Frachtfliegern der Welt, der AN 124, stationiert. Diese transportierten Großwaffen wie Panzer und Kampfhubschrauber in die Krisenregionen der Welt. Bei der militärischen Nutzung sah Kante viele Eingreifpunkte, den Lärm zu verringern. So müssten nur wie anderswo die MD11 in Leipzig verboten, die nächtlich hier eigentlich untersagten Passagierflüge gestrichen werden.

Petra Köpping von der SPD-Landtagsfraktion, die als Landrätin im Leipziger Land die Entwicklung verfolgen konnte, erklärte, die Fehler seien mit dem Ausbau der Flughäfen von Dresden und Leipzig Anfang der Neunzigerjahre gemacht worden. Die erhofften Entwicklungen seien nicht eingetreten, die Militärflüge doch nur dafür da, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein Nachtflugverbot sei auch mit ihrer Fraktion wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Airports nicht zu machen, aber der Lärmpegel könne und müsse gesenkt werden.

Kante: „Ich bin dagegen, dass die Bürger die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen Sachsens ausbaden müssen." Klaus Blümel ergänzte: „Es kann zum Beispiel nicht sein, dass bei uns die letzten Maschinen noch erlaubt sind." Köpping stimmte zu, sah Handlungsbedarf: „Wir sollten nicht Sammelbecken werden für das, was anderswo nicht mehr geht."

Kante berichtete abschließend von einem neuen Gutachten. Dabei seien im Auftrag des Bundesumweltamtes die Akten von mehr als einer Million Patienten ausgewertet worden. Ergebnis: Das Erkrankungsrisiko fluglärmgeplagter Männer und Frauen sei bei den Diagnosen Schlaganfall, Herzerkrankung und Herz-Kreislauf-Problemen deutlich größer. Die IG habe daher Hoffnung, beim letzten möglichen Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Mai in Straßburg noch etwas erreichen zu können. Für diese Klage fehlten derzeit jedoch noch rund 20 000 Euro.

Jörg ter Vehn

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