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Taucha Neue Friedensrichterin: "Ich helfe gerne"
Region Taucha Neue Friedensrichterin: "Ich helfe gerne"
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16:55 19.05.2015
Franziska Lerchner ist seit reichlich einem Jahr Tauchas Friedensrichterin und legte nun ihren ersten Jahresbericht vor. Quelle: Olaf Barth

Dabei kam es auch zu einer Schlichtungsverhandlung.

Die Arbeit von Friedensrichtern geschieht eher im Hintergrund. Denn Streithähne wollen ihren Fall in der Regel vertraulich und außerhalb medialer Aufmerksamkeit behandelt wissen. Doch einmal im Jahr treten in Taucha die Schlichter in das Licht der Öffentlichkeit und geben dem Stadtrat einen Bericht ihrer Arbeit. Das ist auch im Fall von Franziska Lerchner so, die im Februar vorigen Jahres die Nachfolge von Hans-Joachim Gremm angetreten hatte. Nach elf Jahren hatte der 73-Jährige sein Amt niedergelegt.

Wie er hat es nun seine Nachfolgerin vor allem mit Nachbarschaftsstreitigkeiten zu tun. Mehr als 30 Anrufe innerhalb und außerhalb ihrer Sprechzeiten erreichten Lerchner zu den Themen Bepflanzungen an der Grundstücksgrenze, Beschneidung von Hecken und Bäumen, Errichtung von Zäunen und Sichtschutzanlagen sowie Störungen durch Laubfall und Wurzelüberwuchs. Erweitert wurde die Themenpalette in den monatlichen Sprechstunden mit 20 weiteren Anfragen zu Wildwuchs und Betretungsrecht, Baumfällungen sowie Tierhaltung. "Auf der Grundlage des Sächsischen Nachbarschaftsrechts konnte ich Anregungen für die Lösung von Konflikten geben und in persönlichen Gesprächen mit allen Beteiligten Meinungsverschiedenheiten ausräumen", bilanzierte die 44-Jährige. Am Ende kam es nur einmal zu einer Schlichtungsverhandlung. Auch da ging es um einen Nachbarschaftsstreit. "Beide Seiten zeigten sich sehr zugänglich, wir konnten uns einvernehmlich einigen", sagte die Friedensrichterin, ohne näher auf das konkrete Thema einzugehen. Die Privatsphäre der Menschen, die ihr vertrauen, soll gewahrt, die Anliegen sollen vertraulich bleiben.

Sechs Anfragen musste die Friedensrichterin allerdings weiterverweisen. Denn da ging es um Erb- und Nachlassregelungen sowie um Unterlassungsforderungen anderer Personen. "Dafür besteht keine sachliche Zuständigkeit der Schiedsstelle. Auch bei Familienangelegenheiten wie Streit um das Sorgerecht, bei Streit mit Behörden oder arbeitsgerichtlichen Dingen endet unsere Zuständigkeit", erläuterte die bei den Stadtwerken Leipzig arbeitende Tauchaerin. Aber es gibt noch reichlich Themen, mit denen sich Franziska Lerchner und ihr Stellvertreter Gerald Leichsenring befassen können: vermögensrechtliche Angelegenheiten, Hausausgabe-Ansprüche nach Verleih oder Anmietung, Nachbarschafts- und Mietstreitigkeiten sowie Verletzungen der persönlichen Ehre wie zum Beispiel Beleidigungen oder Verbreitung von Unwahrheiten. Und selbst für die Durchführung von Sühneverfahren etwa bei Hausfriedensbruch, Beleidigung, Verletzung des Briefgeheimnisses oder bei Sachbeschädigungen ist die Schiedsstelle zuständig. "In diesen Fällen können die Justizbehörden den Antrag auf eine Privatklage ablehnen, wenn vorher nicht ein Sühneversuch bei der Schiedsstelle durchgeführt wurde", erläuterte Lerchner.

Ihr jedenfalls mache die Bewältigung dieser Aufgabe Spaß. Warum? "Ich helfe gerne, das ist mir ein inneres Bedürfnis. Und ich bin ein ausgleichender Charakter. Man erhält als neutraler Dritter die Möglichkeit, zwei zerstrittene Parteien wieder zusammenzubringen." Wichtig sei, dass die Betroffenen bereit sind, Hilfe anzunehmen. "Dann bin ich zu fast jeder Schandtat bereit", sagte die Friedensrichterin lächelnd. Wie viel Freizeit sie für dieses Amt opfert, wisse sie nicht: "Das aufzurechnen, ist der falsche Ansatz. Es ist wie es ist, darüber muss man sich vorher im Klaren sein, wenn man ein Ehrenamt übernimmt."

Ihr ganz persönlicher Tipp: "Wenn sich Konflikte andeuten, sollte niemand die Scheu haben, das Rathaus zu betreten oder jederzeit zum Telefon zu greifen, ehe der Streit eskaliert und man gar nicht mehr weiter weiß." Denn eins sei auch klar. "Wenn die Fronten total verhärtet sind und gar kein Gespräch mehr möglich ist, wird es vor einem ordentlichen Gericht teurer. Dann geht es nicht mehr um einen Kompromiss, sondern dann wird knallhart Recht gesprochen, so oder so."

iSprechzeit ist jeden zweiten Dienstag im Monat von 16 bis 18 Uhr in der Schiedsstelle, Schloßstraße 13, 2. Etage, Zimmer 206, Telefon während dieser Zeit: 034298 70210. Außerhalb der Sprechzeiten ist Franziska Lerchner unter Telefon 034298 73125 oder 0176 81143672 erreichbar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 31.05.2013

Olaf Barth

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