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Neue Parthebrücke

Maßarbeit auf engem Raum Neue Parthebrücke

Seit Montag hat der Tauchaer Ortsteil Seegeritz eine neue Parthebrücke. Denn mit einem Kranfahrzeug wurde am Vormittag das Stahl-Bauwerk auf die in den letzten Wochen vorbereiteten neuen Auflageflächen gehoben – angesichts der an diesem schmalen Weg stehenden Bäume rechts und links kein einfaches Unterfangen.

Millimeter-Arbeit: Bauingenieur Wolfgang Jahr (li.) passt mit auf, dass die Stahlträger exakt auf den vorgesehen Festpunkten und Gleitlagern zum Liegen kommen

Quelle: Olaf Barth

Seegeritz. Seit Montag hat der Tauchaer Ortsteil Seegeritz eine neue Parthebrücke. Denn mit einem Kranfahrzeug wurde am Vormittag das Stahl-Bauwerk auf die in den letzten Wochen vorbereiteten neuen Auflageflächen gehoben – angesichts der an diesem schmalen Weg stehenden Bäume rechts und links kein einfaches Unterfangen. Wohl nicht umsonst haben Einheimische vor langer Zeit diesem Wäldchen den Namen „Hölle“ gegeben.

Doch Kranführer René Lehmann vom Unternehmen MaxiKraft ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und bugsierte die am Ausleger baumelnde, 15 Meter lange und acht Tonnen schwere Brücke sicher an Bäumen und einer Freileitung vorbei zu den rechts und links der Parthe wartenden Widerlagern. Dirigiert von seinem Kollegen Uwe Prätz und unterstützt vom Team des Brückenbauers Holger Hausburg aus Caveritz ließ er die an Ketten befestigte Stahlkonstruktion über der Parthe hinab, wo auch der verantwortliche Planer, Wolfgang Jahr, bereits wartete. Alle zusammen zogen, schoben und drückten die sich immer weiter absenkende Brücke, bis sie genau auf den dafür vorgesehenen Ablageflächen zum Ruhen kam. Passt – auf den Gesichtern machte sich ein entspanntes Lächeln breit. „Hat alles geklappt, wir sind zufrieden“, sagte Hausburg, der dann mit seinen drei Kollegen der Kranbesatzung half, Holzplatten und Bretter wieder einzusammeln. Denn ohne diese Unterlagen wären die Stützfüße des Lasters im weichen Untergrund der Parthenaue eingesunken.

Bauarbeiter der Belgerner Firma Montra, die derweil das restliche Stück Weg von Seegeritz zur Brücke weiter bauten und an den Übergang zur Brücke anpassten, hatten ihre Handys gezückt und Fotos von dem Spektakel geschossen. Es ist auch „ihr“ Bauwerk, denn sie haben in den letzten Wochen an den vorhandenen Widerlagern die Kammermauern erneuert und die neuen Auflagen für die Brücke vorbereitet. Auf Seegeritzer Seite muss jetzt der alte Betonkörper noch etwas ausgebessert werden. An einer fertigen Stelle ist seitlich bereits die Jahreszahl 2015 modelliert. Auch das Schild mit dem Hochwasser-Pegelstand der Parthe von 2013 soll am Ende wieder angebracht werden. Zirka zwei Meter hoch stand damals das Flüsschen, gestern plätscherte es mit rund 30 Zentimeter Wasserstand gemächlich durch sein Bett. Und bei dieser Wasserhöhe war vor einigen Wochen eine überraschende Entdeckung möglich: Die Bauarbeiter legten links und rechts am Ufer eine bis dahin unbekannte Böschungsbefestigung frei. „Dieses Wasserbauwerk war zirka einen Meter mit Erde bedeckt. Wir haben es nur noch ergänzen müssen“, erzählte Bauingenieur Jahr. Der 63-Jährige ist ein Brücken-Spezialist, der seit etwa 1993 im Auftrag der Stadtverwaltung den Bestand der über 25 Tauchaer Parthebrücken aufgenommen, sie untersucht und die regelmäßigen Prüfungen vorgenommen hat sowie entsprechende Reparaturen veranlasste.

Reparaturen sollten an dem neuen, rund 73 000 Euro teuren Bauwerk so schnell nicht nötig sein. Die drei Träger, die Querverbindungen und das Geländer bestehen aus feuerverzinktem Stahl. Mit einer Tragkraft von 500 Kilogramm je Quadratmeter ist für ausreichend Stabilität gesorgt. Und auch der vorgesehene, aber noch nicht angelieferte Belag sollte keine Sorgen machen. „Er ist zwar rund dreimal teurer als die in Taucha wegen des Öko-Modellstadt-Status meist verwendeten Holzbeläge, dafür aber formstabil und viel länger haltbar, was die Folgekosten sinken lässt“, erklärte Jahr. Das vorgesehene Hohlkammer-Fiberglasprofil komme aus der Schweiz und sei bereits mit Erfolg bei einer Brücke in der Tauchaer Glockentiefe eingesetzt worden.

Wenn dann zwischen Seegeritz und Graßdorf Radfahrer und Fußgänger auf der neuen Brücke unterwegs sind, werden sie feststellen, dass die breiter als die alte ist. Einen halben Meter mehr haben die Nutzer nun zur Verfügung. Auch früher muss eine Brücke schon breiter gewesen sein, das sei an der Uferkonstruktion zu erkennen. Der bis vor kurzem hier genutzte schmale Übergang stamme wohl aus den 50er oder 60er Jahren, vermutete Jahr. An der Spannweite von 15 Metern hat sich nichts geändert. Allerdings liegt die jetzige Brücke nun 16 Zentimeter höher als das Vorgängermodell.

Das alte Bauwerk ruht nun lose auf den Ufern und überspannt damit immer noch die Parthe. Es soll aber bald zerlegt und verschrottet werden. Mitte November, so der ursprüngliche Planungsstand, sollen die Arbeiten an der neuen Brücke abgeschlossen und sie wieder passierbar sein. Vorausgesetzt, der Belag wird rechtzeitig angeliefert.

Von Olaf Barth

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