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Taucha Pferdeweihnacht in Sehlis wendet sich gegen Pläne für neue B 87
Region Taucha Pferdeweihnacht in Sehlis wendet sich gegen Pläne für neue B 87
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08:00 22.12.2009

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Hübsch verpackt haben die Pferdesportler um die Sehliserin Marie-Luise Stein am Sonntag eine eigene Ausdrucksform gewählt, ihrem Unbehagen und ihrer Unsicherheit angesichts der Zukunft Luft zu machen. Weihnachten im Auenland heißt das Märchen, das 35 Mitwirkende zu Ross in der bitterkalten Sehliser Reithalle auf dem weichen Geläuf darbieten. Trotz winterlicher Pracht auf den Wegen und eisiger Temperaturen haben sich gut 250 Gäste auf dem Hof eingefunden und warten, sich die Hände an Tassen mit Glühwein wärmend, dem Moment entgegen, in dem sich der Vorhang hebt.

Mit einer Winterlandschaft wie aus dem Bilderbuch, genau wie vor der Reithalle an diesem kalten Abend, beginnt das Märchen. Verträumt und von Schnee bedeckt liegen Wiesen und Wälder. Das Auenland zwischen Parthe und Mulde, ein wunderschöner naturbelassener Landstrich, ist ein harmonischer Flecken Erde. Gerade in der Vorweihnachtszeit wird diese gestört. Der hell leuchtende Weihnachtsstern am Himmel bleibt den Bewohnern des Landstriches in jenem Jahr verborgen. Selbst die Hexentänze der Kleinsten und die aufgesagten Zaubersprüche bringen den Himmelskörper nicht zum Leuchten. Unbehagen macht sich unter den Einwohnern breit, zusätzlich geschürt wird sie von zwei königlichen Reitern, die sich rücksichtslos den Weg durch das Dorf bahnen und auf dem Marktplatz verkünden, dass in naher Zukunft eine Handelsstraße von West nach Ost gebaut werden soll. Genau durch die Aue soll diese führen.

Zwei Gründe nennt Marie-Luise Stein dafür, warum sie sich die Geschichte einfallen ließ. „Ich wohne in Sehlis, durch die Straße wird meine Lebensqualität stark eingeschränkt“, sagt die 24-jährige Pferdehofbesitzerin. Zudem stehe ihre berufliche Existenz „mit einem Handschlag auf wackeligen Füßen“, sagt sie weiter. „Viele Freizeitreiter, die ihre Pferde hier haben, suchen gerade in der Natur die Erholung. Ich kann sie sogar verstehen, wenn sie überlegen, ob sie dann ihre Tiere noch hier unterstellen.“ Fünf Jahre hat die junge Hofbesitzerin gebraucht, um sich ihre Existenz aufzubauen, die sie jetzt bedroht sieht.

Im Märchen können sich die Auenländer wehren: Zwar sitzt der Schock bei den Bürgern tief, dennoch beschließen sie, die besten Männer des Dorfes gen Königshof zu entsenden, um dort dem König Pergamentrollen mit den aufgelisteten Einwänden gegen die Handelsstraße zu übergeben. Widerstandslos wollen sie ihr Schicksal nicht erdulden. Mit Widerwillen reiten die Könige des Westens und des Ostens aus, sich ein eigenes Bild zu machen. Verzaubert von der Landschaft, von der Idylle, von der Herzlichkeit des märchenhaften Landes widerrufen sie ihre Entscheidung. Der Stern der Weihnacht beginnt wieder zu leuchten, das Auenland ist gerettet.

Doch in der Realität ist ein Happy End bisher nicht abzusehen. Dennoch beweisen die Partheaueanrainer ihren Willen und ihren Zusammenhalt gerade bei diesem Problem. Direkt am Eingang des Pferdehofes können die Bürger vorgedruckte Einwendungen ausfüllen und ihrem Unmut Luft machen. 70 Unterschriften sind allein am Sonntagnachmittag zusammengekommen. „Wir wollen die Verwaltung im positiven Sinn überfordern und hoffen, dass sich alles zum Guten wendet“, so Stein. Ob die Geschichte der Parthenaue ein wirklich märchenhaftes Ende findet, bleibt allerdings noch offen.

Alexander Bley

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