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Plösitzer lehnen neue Flächen-Ausweisung ab

Anpassung in Tauchas Flächennutzungsplan Plösitzer lehnen neue Flächen-Ausweisung ab

Im Tauchaer Ortsteil Plösitz wehren sich Anwohner gegen eine Änderung im Flächennutzungsplan der Parthestadt. Denn dort sollen Teile ihrer Grundstücke, die bisher als Mischgebiet eingezeichnet waren, nun auch farblich als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden.

Die Ruhe in der Plösitzer Bergstraße trügt, einige Anwohner wehren sich vehement gegen die ihre Grundstücke betreffende Änderung im Tauchaer Flächennutzungsplan.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Die Parthestadt arbeitet schon eine geraume Zeit an der dritten Änderung ihres Flächennutzungsplanes (FNP). Das Dokument gibt für bis zu zehn Jahre unter anderem darüber Auskunft, welche städtebaulichen oder naturschutzrelevanten Entwicklungen die Stadt beabsichtigt. Und so werden in der Fortschreibung aktuelle Entwicklungen eingearbeitet oder die Kennzeichnungen von Flächen an reale Gegebenheiten angepasst. Eine Anpassung stößt dabei allerdings im Ortsteil Plösitz auf heftigen Widerstand.

In insgesamt 36 Punkten soll Tauchas FNP geändert werden. Doch nur der Punkt Nr. 7 bewegt die Gemüter so sehr, dass Betroffene sogar in die öffentliche Juli-Stadtratssitzung kamen, in der die Billigung und erneute Auslegung dieses geänderten Planes beschlossen wurde. Es geht um das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Parthenaue-Machern. In der bisherigen farblichen Darstellung des FNP endet dieses in der DDR 1984 ausgewiesene Gebiet aktuell an der Schmiedestraße in Plösitz. Von dort an ist der Tauchaer Ortsteil im FNP bisher in Gänze mit der entsprechenden farblichen Darstellung als Mischgebiet ausgewiesen. Nun wird es kompliziert. Denn bereits bei der letzten FNP-Änderung 2008 wurde das nicht grundstückscharf ausgewiesene LSG mit einer Strichellinie über die südlichen Grundstücke hinweggezogen, offenbar unbemerkt von den Anliegern. So endet real das LSG bereits seit 2008 mitten in den Grundstücken von Anwohnern der Bergstraße. Die sind bisher aber stets davon ausgegangen, dass ihr Grund und Boden, wie im FNP farblich ausgewiesen, Mischgebiet und kein Grünland ist. In den Möglichkeiten für „sanfte Bebauung“ und vor allem bei den Grundstückspreisen sehen sie da schon einen großen Unterschied.

„Das war auch die Auskunft in der Stadtverwaltung, als ich 2012 das Grundstück in der Bergstraße kaufte. Es handele sich um dörfliches Mischgebiet, das absehbar nicht unbedingt bebaubar ist. Kein Wort vom Landschaftsschutzgebiet“, ist Jacqueline Jahn sauer über die aktuellen Entwicklungen. Die 49-Jährige hatte auch im Stadtrat ihren Unmut kund getan. Auf dem südlichen Teil ihres Grundstückes, der künftig auch farblich im FNP als Landschaftsschutzgebiet, statt als Mischgebiet, ausgewiesen werden soll, wollte sie einen Bungalow bauen. Das wurde ihr mit Verweis auf das LSG verwehrt. „Was heißt denn auch gärtnerische Nutzung, wer definiert das? Ist da nicht ein Bungalow möglich?“, fragt Jahn. Und noch etwas ärgert die Geografie-Lehrerin: Handstreichartig würde ein Teil ihres Grundstückes entwertet, statt 32 sei der Quadratmeter dort dann nur noch 1,40 Euro wert. Zusammengerechnet mit den betroffenen Nachbargrundstücken summiert sich die reduzierte Mischgebietsfläche auf rund einen Hektar. „Mir geht es nicht vornehmlich um Bauland, vielleicht den Nachbarn. Mich ärgert, dass über unsere Köpfe hinweg vom Stadtrat die Wertminderung unserer Grundstücke beschlossen wird.“ Dagegen will sie sich gegebenenfalls auch mit Rechtsbeistand wehren.

Dass die Stadt an dieser Stelle im FNP überhaupt aktiv wurde, statt einfach alles so zu belassen, wie es ist, begründet die zuständige Mitarbeiterin im Sachgebiet Bauwesen, Maritta Mandry, vage mit Hinweisen aus dem Landratsamt Nordsachsen. Genau wisse sie es nicht zu sagen, es werde ja schon einige Jahre an der Änderung des FNP gearbeitet: „Im Zuge der Überarbeitung gibt es ja auch immer Stellungnahmen unter anderem vom Landratsamt, da ist sicher auf diese Stelle hingewiesen worden. Wir machen die Pläne nicht, um die Leute zu ärgern, und versuchen auch immer, Kompromisse zu finden. Aber wir sind auch dem Baugesetz und der Stadtentwicklung verpflichtet.“ Mit der jetzigen Anpassung in Plösitz werde lediglich die rechtskräftige LSG-Grenze nun auch farblich korrekt nachvollzogen. Am Baurecht ändere sich nichts, da war vorher schon laut Baugesetz keine Bebauung in diesem Außenbereich möglich.

Ob die FNP-Änderung in diesem Punkt nun auf Veranlassung des Landratsamtes Nordsachsen geschieht, wurde vom dortigen Bauordnungs- und Planungsamtsleiter Holger Trauzettel auf LVZ-Anfrage nicht direkt beantwortet. Diese Frage stelle sich so nicht: „Das Landratsamt ist einer von vielen Beteiligten im Verfahren. Die Stadt ist Träger der Planungshoheit. Eine Aufsichtsbehörde war nicht tätig. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nur bestätigen, dass der Entwurf im Änderungsbereich Nr. 7 mit den gesetzlichen Bestimmungen übereinstimmt.“

Im Übrigen verweisen sowohl das Landratsamt als auch die Stadt darauf, dass jeder Bürger noch einmal Einwände geltend machen kann, ehe es dazu vom Stadtrat einen endgültigen Beschluss gibt. Der Entwurf des überarbeiteten FNP liegt im Rathaus vom 10. August bis zum 12. September öffentlich aus.

Von Olaf Barth

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