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Taucha Rest von Tauchaer Rüstungsschmiede steht jetzt unter Denkmalschutz
Region Taucha Rest von Tauchaer Rüstungsschmiede steht jetzt unter Denkmalschutz
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14:06 19.05.2015
Das etwas versteckt im Wald gelegene ehemalige Verwaltungsgebäude der einstigen Mitteldeutschen Motorenwerke in Taucha steht jetzt unter Denkmalschutz. Offen ist aber die Frage, wie dieses Gebäude vor dem weiteren Verfall bewahrt werden kann. Quelle: Olaf Barth

Denn unter der Adresse Am Veitsberg befindet sich dort das letzte Gebäude der ehemaligen Mitteldeutschen Motorenwerke (Mimo). Von 1935 bis 1945 wurden hier teils mit Zwangsarbeitern Junkers-Flugmotoren hergestellt. Nach dem Krieg wurden fast alle Gebäude gesprengt. Die Betonreste sind von Buschwerk und Bäumen überwachsen, schauen vereinzelt aus dem Boden, bilden Hohlräume.

Der noch stehende Verwaltungstrakt der einstigen Rüstungsschmiede im Nazi-Deutschland ist ein "zeittypischer Klinkerbau der 1930er Jahre, der baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung ist", informierte auf LVZ-Anfrage Hartmut Ritschel. Der 53-Jährige ist in Dresden der verantwortliche Mitarbeiter im Landesamt für Denkmalpflege. Auf das Gebäude sei man durch eigene Recherchen im Internet aufmerksam geworden. Kollegen von ihm seien vor Ort gewesen und hätten sich das Haus von der Umzäunung aus angesehen. Eine Innen-Besichtigung kündigte Ritschel für wahrscheinlich diesen Monat an. Einen Termin mit dem Eigentümer gebe es aber noch nicht. Wie bei jedem Denkmal käme auf ihn als Besitzer eine Erhaltungspflicht im Rahmen des Zumutbaren zu. Es wird erwartet, dass er pfleglich mit dem Gebäude umgeht, so Ritschel. Die Behörde setze auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Konkreteres könne erst mit genaueren Kenntnissen über den Zustand des Objektes gesagt werden. Das Gebäude müsse als Denkmal nicht besonders gekennzeichnet werden, da dazu keine Pflicht bestehe.

Eigentümer des Waldes und der darin befindlichen Reste der Mitteldeutschen Motorenwerke ist seit 2005 der Münchner Stefan Hanöffner. Bisher habe er nur Gerüchte gehört, dass er nun Herr über ein Denkmal ist, Konkretes wisse er aber noch nicht. Der 36-Jährige arbeitet in Bayern selbst im Fachbereich Bodendenkmalpflege und ist einigermaßen mit der Gesetzeslage vertraut: "Ich weiß, dass die Betroffenen in der Regel wenig Mitspracherecht haben. Wenn ich jetzt aufgrund des Denkmalstatus etwas investieren müsste, könnte ich mir das aber einfach nicht leisten." Dabei hat er als historisch Interessierter durchaus Verständnis für die Kollegen aus Sachsen. "Leider ist das nur der letzte Rest des einstigen Werkes. Aber das Gebäude ist stabil gebaut und ich fände es selbst schade, würde sich sein Zustand verschlechtern", sagte der Archäologe. Dass das Gebäude erst jetzt auf die Liste gesetzt wurde, wunderte ihn nicht: "Das ist normal. Ich vermute, die finanziellen Mittel für so eine Revision der Denkmalliste sind überall nicht üppig." Jetzt sehe er erst einmal gelassen einem möglichen gemeinsamen Vor-Ort-Termin mit der Dresdner Denkmalbehörde entgegen.

Dennoch, warum erst jetzt der Denkmalstatus? Für Tauchas Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD) unverständlich: "Ich bin für Denkmalschutz, aber diese Entscheidung kommt zehn Jahre zu spät. Das Gebäude hatte sich vorher so lange in der öffentlichen Wahrnehmung befunden, ohne dass es zum Denkmal wurde." Bis 2006 hatte das Gebäude als Unterkunft für bis zu 55 Asylbewerber gedient. Nach deren Auszug wüteten Vandalen und Metalldiebe auf dem Areal. Vor vier Jahren wollte sich dort ein Lasergame-Verein niederlassen und seinen Sport betreiben, scheiterte aber am behördlichen Veto.

Dass das Mimo-Gebäude erst dieses Jahr, konkret am 23. Oktober, als Denkmal erkannt wurde, begründete Ritschel mit der versteckten Lage des Objektes sowie mit der gerade aktuell durchgeführten Überprüfung der Denkmalliste im Rahmen einer Digitalisierung der sächsischen Denkmalkarten. Die gegenwärtige Listenrevision auf Landesebene laufe in unterschiedlicher Intensität seit 2005, speziell für den Landkreis Nordsachsen seit Januar 2014 bis zum Abschluss der Digitalisierung der Karten. "Abgesehen von technischen und von Gartendenkmalen soll die Revision insgesamt 2015 beendet werden. Soweit jetzt abzusehen ist, wird es künftig nur noch punktuelle und anlassbezogene Überprüfungen geben", informierte Sachsens oberster Denkmalschützer. Insgesamt gebe es jetzt in Taucha und den Ortsteilen 149 Kulturdenkmale.

Froh über die jüngste Entscheidung der Dresdner Behörde ist Wolfgang Rumpelt. Der 67-jährige, einstige Geophysiker ist Vorsitzender des Leipziger Vereins für Luftfahrt und beschäftigt sich seit Jahren auch mit der Mimo-Geschichte. Als Hobby-Pilot habe er dort selbst auch viele Luftaufnahmen gemacht. "Ich finde gut, dass das Gebäude nun unter Denkmalschutz steht und erhalten werden soll. Leider ist viel Zeit verstrichen. Wenn man jetzt dessen Zustand sieht und weiß, wie viel Geld da für die Nutzung als Asylbewerberheim einst hineingesteckt wurde, ist das einfach nur schade. Jetzt kann man das Haus wahrscheinlich nur noch entkernen", erklärte Rumpelt. Er könne sich vorstellen, dass man dort zur Geschichte der Mimo eine Ausstellung etabliert. Schließlich handele es sich hier auch um ein Stück Technik-Geschichte und Industriekultur.

Woher aber für entsprechende Projekte das Geld kommen soll, wisse auch er nicht. "Ich empfehle dem Eigentümer, sich mal mit dem Verein für Industriekultur Leipzig in Verbindung zu setzen", sagte Rumpelt und hat für Interessierte gleich noch einen Buchtipp parat: "Peter Kohl und Peter Bessel haben 2003 im Franz Steiner Verlag ein Werk zur Unternehmensgeschichte heraus gebracht. Es heißt Auto Union und Junkers, die Geschichte der Mitteldeutschen Motorenwerke GmbH Taucha 1935 bis 1948."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.12.2014
Olaf Barth

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