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Rittergutsmuseum gibt Einblicke in eine lange Geschichte

Rittergutsmuseum gibt Einblicke in eine lange Geschichte

Ein zehn Jahre alter Traum wird an diesem Wochenende Wirklichkeit: Am Sonntag können Besucher erstmals einen Blick in das neue Museum auf dem Rittergutsschloss werfen.

Taucha. Museumschef Jürgen Ullrich nahm die LVZ schon vorab mit auf einen Museumsrundgang.

Als wären die einstigen Eigner noch daheim – so fühlt sich derjenige, der durch die brandneuen Museumsräume auf dem Schlossberg wandert. In aufwendiger Kleinarbeit trugen unzählige Freiwillige über Jahre hinweg dutzende Exponate zusammen. Viele der Stücke wurden bei den Sanierungsarbeiten auf dem Schloss gefunden. Jedes von ihnen erzählt seine ganz eigene Geschichte aus der rund 800-jährigen wechselvollen Historie des Schlosses.

Da ist das knapp 300 Jahre alte, filigran gedrechselte Spinnrad aus Buchenholz, das zentral in einem der Räume steht. Ein Schmuckstück, das fast dem Holzwurm und dem Schimmel zum Opfer gefallen wäre. Dass es stattdessen im bestem Zustand in der Ausstellung steht, ist für Jürgen Ullrich ein Wunder: „Wir haben das Unikat fast unversehrt samt dazugehörigem historischen Spinnstuhl von den nassen Böden des Schlosses geborgen. Ein Glücksfund, mit dem niemand gerechnet hat, steht es doch für Tausende Stunden, welche die Mägde auf dem Gut an dunklen Winterabenden mit dem Spinnen zubrachten.“

Ein riesiger Dreschflegel, verrostete Mistgabeln und Teile eines mächtigen Pferdegeschirrs erinnern gleich nebenan an die landwirtschaftliche Funktion des Gutes. Zuletzt durch die LPG als Schweinestall genutzt, wurde auf dem Gut über Jahrhunderte hinweg Landwirtschaft betrieben. Bis zu 60 Bedienstete verdingten sich hier, arbeiteten bis zu zwölf Stunden am Tag. Von den Hierarchien, die es auf dem Schloss gab, erzählen ein paar über 200 Jahre alte Scherben, die sauber aufgereiht in einer Glasvitrine liegen. Zerbrochenes und gesplittertes Steingutgeschirr – damals aßen Knechte und Mägde davon. Kostbares Porzellan, davon künden reich verzierte Scherben, war den Herren des Hofes vorbehalten. „Durch das Alter sind diese Exponate sehr wertvoll“, sagt Ullrich.

Am Sonntag zur Eröffnung wird das Museum um noch einen Schatz reicher sein. Dann wird der Tauchaer Verleger Dieter Nadolski ein seltenes historisches Rechnungsbuch aus dem frühen 18. Jahrhundert schenken. Dick eingebunden ist es sehr gut erhalten und wohl mehrere Tausend Euro wert. Es kündet von der akribischen Buchführung des damaligen Gutsverwalters. Jeder Hufnagel und jede erworbene Bereifung sind dort verzeichnet. „Ein Ausweis deutscher Gründlichkeit“, sagt der Museumschef.

Doch der Höhepunkt der Ausstellung fehlt: Die historische Kirchenglocke des Gotteshauses, das im Mittelalter in der Mitte des Schlosses stand. 50 Zentimeter hoch, ist sie aus Bronze gefertigt – und seit 800 Jahren verschwunden. Der Kaplan brachte sie damals vor heranrückenden Protestanten in Sicherheit, indem er sie den Schlossberg hinunter rollte. Liegen geblieben ist sie in der „Glockentiefe“ – der Grünfläche zwischen Sparkasse und Parthe. „Wir halten im Museum für sie einen Platz frei“, sagt Ullrich. Doch sie zu finden, sei unwahrscheinlich. Das Areal, wo die Glocke liegen müsste, war über Jahrhunderte Morastgebiet. Darin ist der kulturhistorische Schatz versunken. In einer Tiefe von 25 Metern vermutet Ullrich die Glocke. Nur mit moderner Technik könne sie aufgespürt und geborgen werden.

Erstmals öffentlich zugänglich wird das Museum am Sonntag sein. Exakt 15 Uhr wird es mit einem Festakt eröffnet, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Dann ist es jeden vierten Sonntag des Monats von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwei Euro.

Benjamin Böhme

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Von Redakteur Benjamin Böhme

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