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Schläger müssen lange hinter Gitter

Schläger müssen lange hinter Gitter

Harte Strafen verhängte gestern das Amtsgericht Leipzig gegen eine Leipzig-Tauchaer- Prügeltruppe, die nach dem Stadtfest in Taucha in der Nacht vom 23. zum 24. August 2009 für eine Prügelorgie gesorgt haben soll.

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Der Gewaltexzess nach dem Stadtfest, hier ein Symbolbild, hat Folgen. Das Amtsgericht verhängte Haft- und Bewährungsstrafen gegen die Schläger.

Quelle: dpa

Taucha/Leipzig. Zwei Beteiligte erhielten Haftstrafen von einem Jahr und vier Monaten sowie zwei Jahren und einem Monat, drei Angeklagte kamen mit Bewährungsstrafen davon, müssen beim kleinsten strafrechtlichen Anlass Haftstrafen von zehn Monaten, acht Monaten und einem Jahr antreten.

Diese fünf von insgesamt elf Angeklagten (die anderen wurden in einem Parallelprozess ebenfalls bereits ähnlich verurteilt), die sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten mussten, hatten für Entsetzen, Abscheu und Verurteilung von Gewalt unter Tauchaern und auswärtigen „Tauchsche“-Besuchern gesorgt.

Wie berichtet, hatten die jungen Männer an der Kreuzung Leipziger Straße in der Nähe der Straßenbahnwendeschleife nach Mitternacht völlig enthemmt auf einen zu Fall gebrachten wehrlosen gebürtigen Libanesen (23) eingeprügelt, traten immer wieder zu und sollen dazu – Freunde und Bekannte im Rücken – hasserfüllt ausländerfeindliche Parolen gegrölt haben. Das hatten auch Zeugen bestätigt. Das Opfer wurde von der Besatzung eines vor Ort eintreffenden Polizeiautos noch rechtzeitig aus der Umklammerung befreit und im Auto verstaut. „Doch der Angriff auf den Ausländer reichte offenbar nicht, nun sollte auch noch die Polizei dran glauben“, stellte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer fest. Das brutale Vorgehen der Schläger offenbare auch eine in Gemeinschaft und Mittäterschaft begangene völlige Respektlosigkeit vor staatlicher Autorität. Die hemmungslos vorgehenden, fast noch jugendlichen Randalierer stürmten den Streifenwagen, schlugen auf das Blech ein, wollten ihr Opfer herauszerren. Die Polizisten gingen dazwischen, dafür gab es schlimmste Beleidigungen mit Ausdrücken miesesten Straßenjargons. Die zum Teil verletzten Beamten retteten sich, ihren Schützling und das ramponierte Polizeiauto ins Revier. Mit Verstärkung durch die Bundespolizei half das Prügelopfer dann aus einem Auto mit dunklen Scheiben – bei hellster Straßenbeleuchtung – Personalien der noch am Tatort befindlichen Beteiligten festzustellen, die Polizei führte Festnahmen durch. Leicht hätte die Schlägerorgie, aufgeheizt durch die alkoholisierten 20- bis 22-Jährigen, noch Kreise ziehen können, zu weiteren Opfern kam es aber nicht.

Hooligans, Rechtsradikale oder Schlägertypen? Zwar soll der eine Hauptangeklagte gesagt haben, so seine Bewährungshelferin, dass er gern mal die Hand zum so genannten „Hitler-Gruß“ hebe und eine rechte Gesinnung habe. Doch das ist noch unbewiesen – die Gerichtsverhandlung dazu folgt – und so ist ein rechtsradikaler Hintergrund weiterhin nicht ausreichend bewiesen. Die Beschuldigten schoben alles auf enorme Mengen genossenen Alkohols, so die vier Leipziger und ein Tauchaer, und wollen sich nicht mehr erinnern können. Motto: Nichts gesehen, nichts gehört, nicht beteiligt, nichts getan, andere Beteiligte nicht bekannt. Auch der angebliche Überfall unbekannter vermummter Bewaffneter zuvor, womöglich militanter Linker und Ausländer, blieb unbewiesen im Raum stehen. Wenig hilfreich bei der Klärung des Geschehens und für die Angeklagten erwies sich so manche Verunsicherungsattacke der Verteidiger, Argumente wie „jugendlicher Übermut“ und Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Zeugen. Fast schien es bei allen Aussagen, die seitens der Angeklagtenseite im Prozess kamen, als fühlten sich die jeweils vielfach, auch einschlägig vorbestraften Täter als unbeteiligte Opfer.

Hellmut Mauersberger

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Von Redakteur Hellmut Mauersberger

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