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Taucha Schönheitskur für Denkmale
Region Taucha Schönheitskur für Denkmale
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16:05 19.05.2015
Kanonenkugel, Flamme und viele Verzierungen - für Restauratorin Birgit Mühler gibt es am Manteuffel-Denkmal noch viel zu tun. Quelle: Olaf Barth

Mit einem kleinen Spachtel bearbeitet Birgit Mühler die Verzierungen an den Säulen des Manteuffel-Denkmals. Die Diplom-Restauratorin ist auf Stein-Objekte spezialisiert und betrachtet die beiden Denkmale als besondere Herausforderung: "Zum einen wegen der kurzen Zeit, die nur noch zur Verfügung steht. Zum anderen ist aber auch gerade das Mahnteuffel-Denkmal ein sehr schönes Objekt." Allerdings hatte der Zahn der Zeit mächtig daran genagt. Regen und Wind ließen den Stein zurückwittern, nicht abgeleitetes Wasser tat sein Übriges. Auch war es offenbar zu DDR-Zeiten schon einmal umgesetzt und mit Latex-Farbe aufgehübscht worden. "So eine Farbe ist für Gestein immer ungünstig, sie blättert ab und musste deshalb vollständig entfernt werden", schildert die Expertin. Dass die beiden, um das Jahr 1840 errichteten Objekte auch im Originalzustand Farbe hatten, sei jedoch unstrittig. "Diesen klassizistischen Anstrich wollen wir wieder herstellen. Das wird eine Silikonharz-Lasur in Creme-Weiß werden. Der Himmel unter dem flachen Pyramidendach wird wieder blau, aber nicht in dem Schwimmbad-Blau, und die symbolisierte Kanonenkugel bleibt im dunklen Grau, von dem sich dann die darauf lodernde Flamme mit dem neu aufgebrachten Blattgold abhebt", beschreibt die 39-Jährige schon mal das künftige Äußere dieser ganz besonderen Ruhestätte auf dem Tauchaer Friedhof. Die Farben werden noch mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Doch ehe sie aufgetragen werden kann, müssen die vielen kleinen Löcher mit einem Mörtel aus Sandsteinmehl und Kieselsol gekittet werden. Damit wird die Steinsubstanz stabilisiert, jetzt muss das Ganze aushärten, was noch einmal bis zu vier Wochen andauern kann, ehe zum Schluss die Farbe aufgetragen wird. Außerdem erhält das Dach des Manteuffel-Denkmals eine komplette Abdeckung aus Blech, sodass sich in der Rinne oben kein Wasser mehr sammeln und zerstörerisch wirken kann.

Während des Härtungsprozesses bearbeitet die Leipzigerin in ihrer Werkstatt in Trebsen die abgebauten Schrifttafeln. Die ebenfalls stark zurückgewitterten Oberflächen der vier Marmorplatten werden gereinigt und wieder hergestellt, die kyrillischen und lateinischen Buchstaben frisch ausgemalt. "Allerdings wird das nicht komplett neu gemacht, denn man muss schon noch erkennen, dass so ein Objekt ein gewisses Alter hat und davon eine eigene Stimmung ausgeht", erklärt Mühler.

Einiges zu tun gibt es auch am benachbarten und etwas schlichteren Bogue-Denkmal. Der Stein wird gereinigt, die Farbe von einst schon ersetzten Teilen mittels einer Lasur den älteren Steinen etwas angepasst. Auch müssen die Tafeln gereinigt werden, wobei nur zwei der vier Platten beschriftet sind. "Eine Schriftplatte tauschen wir mit einer leeren aus. Sie wird nach außen versetzt, damit sie besser für Besucher zu lesen ist", erzählt die Restauratorin. Außerdem gelte es, im Sockel einige Fugen zu schließen sowie das Geländer neu zu streichen. Eisenarbeiten allerdings seien im Rahmen der jetzigen Restaurierung nicht vorgesehen, obwohl an manchen Stellen der Rost schon deutlich seine Spuren hinterlassen hat. Auch dieses Denkmal wird und soll somit sein wahres Alter nicht verbergen können.

Die Kosten für die Restaurierung belaufen sich nach ersten Erkenntnissen auf rund 50 000 Euro. Die Spendenaktion engagierter Tauchaer läuft noch. Der Stadtrat hat eine Beteiligung in Höhe von 10 500 Euro beschlossen. Fördermittel schlagen mit 10 000 Euro zu Buche und die Kirchgemeinde ist auch mit im Boot. Alle Beteiligten eint das Ziel, bis Anfang Oktober diese lange Zeit im Dornröschenschlaf vor sich hin verfallenden Denkmale der Öffentlichkeit in neuem Glanz präsentieren zu können. Das wird sicher auch die Russen und Engländer freuen, wenn sie wie zuletzt am 13. Oktober kommen und der beiden bei der Völkerschlacht Gefallenen gedenken

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Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.08.2013

Olaf Barth

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