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Schöpfer der Sgraffiti jetzt bekannt - Erbe eines Wandbild-Künstlers in Zwickscher Siedlung klärt auf

Schöpfer der Sgraffiti jetzt bekannt - Erbe eines Wandbild-Künstlers in Zwickscher Siedlung klärt auf

Vor 75 Jahren waren im April 1938 die ersten Häuser der Zwickschen Siedlung bezugsfertig. Als nicht nur "neuartig sondern direkt vorbildlich" wurde die Aufteilung des Wohnblocks mit Aussparung für Grünflächen im "Anzeiger für Taucha und Umgebung" bereits im März gleichen Jahres angepriesen.

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"Verfasser unbekannt" ist am Wandbild mit dem Fuchs, der eine Gans stiehlt, zu lesen. Jetzt meldete sich der Sohn des Künstlers.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Die Wandbilder existierten da noch nur als Entwürfe. Jetzt ist bekannt, wer die Künstler der Sgraffito-Werke sind.

"Verfasser unbekannt" ist am unteren linken Rand jenes sanierten Wandbildes zu lesen, auf dem das Motiv des Fuchses, der die Gans stiehlt zu sehen ist. "Das hat der Restaurator von sich aus dahin geschrieben. Allerdings haben wir auch nicht gewusst, wer ursprünglich die Wandmalereien gefertigt hat", gestand Sören Hartleb, der für die Sanierung einiger Häuser in der Zwickschen Siedlung Objektüberwacher vom Leipziger Büro Hansen ist. In der Friedrich-Engels-Straße werde momentan saniert, in der Klebendorfer Straße soll noch dieses Jahr begonnen werden - stets in Abstimmung mit dem Denkmalamt. "Wir wissen nicht, wer die Werke ursprünglich geschaffen hat. Wir führen aber auch kein Archiv. Und wenn vor der Sanierung nicht zu lesen war, wer der Künstler ist, muss es auch nicht danach verzeichnet werden", sagte gestern Jürgen Liebau vom Denkmalamt im Landratsamt Nordsachsen. Sgraffito ist eine historische Putztechnik, bei der mehrere Putz-Lagen aufgetragen und die Motive dann eingeritzt werden, erklärte Liebau.

Zum 75. Geburtstag der Zwickschen Siedlung in Taucha hat sich jetzt, quasi als Geschenk, Christian Schnabel aus Lüneburg bei der LVZ gemeldet. "Ich weiß, wer die Sgraffiti an den Häusern gefertigt hat. Es waren mein Vater Rudolf Schnabel und der Tauchaer Künstler Rudolf Ölzner." Nach einem Leipzig-Besuch hat Christian Schnabel vor kurzem auch einen Abstecher in die Tauchaer Siedlung unternommen. "An einem der Wandbilder las ich, dass der Verfasser unbekannt sei und danach den Namen der Restauratoren von 2012", sagte er. Inzwischen hat er darüber auch das Büro Hansen informiert.

"Mein Vater ist 1909 in Leipzig geboren und an den Folgen des Krieges schon am 1. Januar 1949 gestorben", berichtete Schnabel. "Mein Vater war Maler, Grafiker und zuletzt Dozent an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Wir wohnten in der Könneritzstraße. So weit ich das aus Gesprächen erinnere, hat Rudolf Ölzner die Berufe dargestellt und mein Vater die Märchen und Tiere", weiß der heutige Lüneburger zu berichten.

Insgesamt 22 Motive waren 1938 als Entwürfe im "Goldenen Löwen" in Leipzig ausgestellt. Die Motive, so ist es alten Zeitungsberichten zu entnehmen, sollten auch das "Gefühl heimatlicher Verankerung" der "Umgesiedelten" am neuen Wohnsitz verstärken. Bekanntlich wurde die Siedlung gebaut, um neuen Arbeitern der Mitteldeutschen Motorenwerke Wohnraum zu schaffen. Die kamen in der Mehrzahl aus dem Raum Zwickau. Deshalb werden die Häuser Zwicksche Siedlung genannt. Der Bergmann ist somit wohl eins der wichtigsten Motive gewesen. Hinzu kamen "Waldlandschaft und Rehe, Bauer und Tier-Idyll, Klöpplerin, Wasserträgerin, Hahnschrei". Die Märchenmotive sollten Ausdruck dafür sein, dass die Siedlung auch als "Kinderparadies gelten muss", hieß es damals.

"Wir versuchen, eine Lösung zu finden, um die Künstler noch zu würdigen", betonte Sanierer Hartleb. "Das haben wir dem Erben versprochen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.04.2013

Roland Heinrich

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