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Taucha Seltene Einblicke in die Erdgeschichte
Region Taucha Seltene Einblicke in die Erdgeschichte
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21:00 20.09.2010
Dieses Panorama bietet sich Ausflüglern selten: Auf eigene Faust darf das Bergbaugelände, das durch seine unterschiedlichen geologischen Schichten (vorn: ein Braunkohleflöz) einen Blick in die Erdgeschichte zulässt, nicht erforscht werden. Quelle: Benjamin Böhme
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Taucha

Sonst ist hier der Zutritt untersagt. Bevor die Grube eventuell wieder verfüllt wird, führte aber der Naturschützer Bernd Hoffmann Interessierte durch die Mondlandschaft. Am Wochenende folgten gut drei Dutzend Leute seiner Einladung.

Ein bizarres Panorama bietet sich dem Betrachter, wenn er auf die Tauchaer Tongrube blickt: Keine Bäume, zerfurchter Boden, hier und da stehen Bagger. Und dennoch ist diese Bergbaulandschaft am Ende der Lindenallee, nahe des Solarparks an der Cradefelder Straße, ein schützenswertes Naturdenkmal. Das meint zumindest der Naturschützer Bernd Hoffmann. Gesteine und Ablagerungen der letzten 280 Millionen Jahre sind hier zu sehen. „Man kann sehr gut die verschiedenen geologischen Prozesse innerhalb eines Zeitfensters von mehr als einer viertel Milliarde Jahren nachvollziehen“, sagt Hoffmann.

Eine spezielle Art des Vulkangesteins Porphyr ist in Taucha zu sehen. Statt wie sonst rötlich, schimmert es in Cradefeld pechschwarz in der Sonne. Neben dem grau-weißen Kaolinton, der hier seit vielen Jahren abgebaut wird, ist sogar ein Braunkohleflöz zu sehen. Wer sich auskennt, kann in den Ablagerungen und Gesteinen einen Blick in die Geschichte der Erde erhaschen. Aus dem Vorkommen ist beispielsweise zu lesen, dass einst die hiesige Atmosphäre angereichert war mit giftigem Schwefeldioxid.

Auch der achtjährige Georg Drodowsky aus Plösitz wirft einen weiten Blick zurück. Aufmerksam untersucht er einen kleinen versteinerten Seeigel. Es stammt aus der Gesteinssammlung von Bernd Hoffmann, die in der Plaußiger Naturschutzstation zu sehen ist. Das seltene Exponat aus der Region ist wohl 150 000 Jahre alt. Da staunt auch Georg – unvorstellbar ist solch eine Zeitspanne für den kleinen Mann. Der Grundschüler ist zum ersten Mal in der Tongrube. Auf den ersten Blick der ideale Abenteuerspielplatz. Doch Betreten auf eigene Faust kann lebensgefährlich sein – es handelt sich um Bergbaugelände.

Viel eiszeitliches Anschauungsmaterial ist Bernd Hoffmann durch die Verfüllung des nahen Steinbruchs verloren gegangen. Besonders leid tut es ihm um die Steinbruchkante, die heute wegen der Sicherungsarbeiten nicht mehr zu sehen sei. An ihr habe man bildhaft die Prozesse der letzten Eiszeit nachvollziehen können, sagt Hoffmann. Beeindruckende Gletscherschliffe – entstanden durch die Kräfte der 500 Meter dicken Eisdecke – seien sichtbar gewesen.

Bernd Hoffmann fürchtet, dass auch die Tongrube in den nächsten Jahren verfüllt wird. Der einzigartige Blick in die Erdgeschichte ginge damit verloren. Solange sie noch offen steht, will er weiter Interessierte durch die Landschaft führen. Er will ihnen zeigen, wie die Natur das wurde, was sie heute ist.

Benjamin Böhme

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