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Silberlinden sind doch keine "Killer"

Silberlinden sind doch keine "Killer"

In der Parthestadt werden in diesem und in den darauffolgenden Jahren zahlreiche Eingriffe in das städtische Grün vorgenommen (die LVZ berichtete). Während einer Veranstaltung zur Vorstellung dieser Maßnahmen wurde außerdem bekannt, dass im Zusammenhang mit Tauchaer Bäumen auch auf das verstärkt auftretende Bienen- und Hummelsterben hingewiesen worden war.

Taucha. "Ja es stimmt, zum Beispiel an den noch jungen Bäumen am Tauchaer Markt werden verstärkt tote Bienen und Hummeln aufgefunden", bestätigte der offiziell schon im Ruhestand befindliche Baumgutachter Klaus Kämpfe. Der für die Stadt aber noch als Gutachter tätige Professor erklärte jedoch ebenso deutlich, dass dieses Insektensterben nichts mit den Bäumen an sich zu tun hat. Er wisse zwar, dass andernorts die am Markt stehende Baumart Silberlinde bereits als "Bienenkiller" gebrandmarkt wurde, weil an diesen Standorten besonders viele tote Bienen aufgefunden wurden. Und in manchen Städten seien Silberlinden schon gar nicht mehr gepflanzt worden, obwohl mit 30 Millilitern pro Blüte am Tag der Nektarertrag bei diesen Bäumen am höchsten sei. Inzwischen aber sei bekannt, dass diese Bäume am Bienensterben keine Schuld trifft. Dafür gebe es ganz andere Ursachen.

"Auf unseren landwirtschaftlichen Flächen gibt es außer Raps ja kaum noch Blühpflanzen. Statt Klee oder Luzerne wachsen vor allem auf riesigen Flächen Getreide, Mais oder Gräser. Auch in Gärten und auf Grundstücken gibt es zu wenig Blüher. Sind Raps und Akazie verblüht, machen die Bienen eine Hungersnot durch", erklärte der Baumexperte. Deshalb seien die Bienen zur Zeit der Lindenblüte schon so geschwächt, dass sie zwar noch hinfliegen können, aber nicht mehr die Kraft haben, mit dem Rüssel den Nektar aus den Blüten zu saugen. "Sie sterben dort aus Schwäche", sagte Kämpfe. Der Fachmann appellierte, dass Grundstückseigentümer und Kleingärtner wieder mehr Blüher zulassen, die mit Nektar und Pollen für Bienen einen hohen Trachtwert haben, anders als reine Rasenflächen, Koniferen-Hecken oder Nadelbäume. "Auch Hundeblumen oder Weißklee helfen da schon. Auf Flachdächern könnte zum Beispiel statt der Bodendecker Weißklee wachsen, der von den Bienen gern angeflogen wird. Auch bei Hecken sollte an die Vogel- und Insektenwelt gedacht werden", meinte der Senior.

Gleichzeitig richtete er aber auch den Blick auf landwirtschaftliche Großbetriebe: "Es könnten ja wenigstens in der Breite einer Drill-Maschine Streifen an den großen Schlägen mit Blühern zugelassen werden, damit die Bienen auch nach dem Frühjahr noch genügend Nahrung finden." Die Zuhörer im Tauchaer Ratssaal fanden die Ausführungen nach eigenem Bekunden äußerst interessant. Und manch einer will nun schauen, was er auf seinem Grundstück künftig für die Bienen anders gestalten kann.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2015
Olaf Barth

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