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Spuren der Erdgeschichte in Tauchaer Tongrube

Geologische Wanderung mit Bernd Hoffmann Spuren der Erdgeschichte in Tauchaer Tongrube

Spuren einer äußerst bewegten Erdgeschichte sind auch heute noch rund um Taucha zu finden. Mehr noch als die aus der Eiszeit stammenden Endmoränen lassen sich die Millionen Jahre zurückliegenden geologischen Bewegungen in der Tongrube bei Taucha-Cradefeld nachvollziehen.

Expeditionsleiter Bernd Hoffmann (2. v.r.) zeigt Teilnehmern der Geo-Wanderung ein Kästchen mit Braunkohle-Material, das er aus der Tongrube bei Taucha-Cradefeld eingesammelt hat.

Quelle: Olaf Barth

Taucha. Angesichts der knapp zehn Teilnehmer ging es recht familiär zu bei der geführten Wanderung zu Steinbruch und Tongrube Taucha-Cradefeld. Interessant war es dennoch, da Naturschützer Bernd Hoffmann am Programm und seinen Ausführungen keine Abstriche machte. Der 73-Jährige holte am Sonnabend die ausgefallene Wanderung anlässlich des deutschlandweiten Tag des Geotops nach und hatte viel zu erzählen.

Hinter dem Solarpark Cradefeld führt eine mondäne Lindenallee zum Abbaugebiet, das einst zum Rittergut Graßdorf und damit zur Stadt Leipzig gehörte. „Der Ratssteinbruch war wegen des dringend gebrauchten Materials in der Stadt eine wahre Goldgrube. Entsprechend wurde die Allee angelegt, die der Pächter dann mit seiner Kutsche hinauffuhr“, erklärte Hoffmann. Obwohl schon seit Jahren nicht mehr gepflegt, sieht die Lindenallee immer noch prächtig aus.

Erster Halt an einer Informationstafel. Hoffmann erklärt den Aufbau der Schichten, beginnt mit dem „Rotliegenden“, dem erodierten Porphyr von vor 280 Millionen Jahren. Darauf lagerte sich im Kreide-Tertiär vor 135 Millionen Jahren das Kaolin ab, worauf dann vor 15 Millionen Jahren im Tertiär der Kaolinton, der Meereston und das Braunkohleflöz folgten. Die Gletscher aus Skandinavien schoben darüber zur Eiszeit vor 150 000 Jahren riesige Mengen an Findlingen, Schutt, Kiese und Sande in die Region, woraus die Tauchaer Endmoränen entstanden. Dass dieses „Geschiebe“ tatsächlich aus dem Norden stammt, bewies auch ein bei Plaußig gefundener versteinerter Seeigel, den Hoffmann dabei hatte. Ein Schälchen mit Braunkohle sowie Steine der verschiedenen geologischen Epochen holte er ebenso aus der Tasche. Das Geschiebe allerdings wird zur Seite geräumt, damit die in der Grube tätige Firma zum Kaolinton vordringen kann. Das Material wird an einen Betrieb zur Fliesenherstellung geliefert, wusste Hoffmann.

Kurz darauf, wanderte die Gruppe am Rand der Tongrube entlang und konnte den Braunkohleflöz mit eigenen Augen betrachten und einige Feuersteine einsammeln. Nicht mehr sichtbar sind die Gletscherschliffe im Steinbruch, denn der ist inzwischen nach entsprechenden Umweltauflagen verfüllt.

„Sehr interessant, man kommt ja sonst nicht hierher. Die Lindenallee habe ich noch gar nicht gekannt, obwohl wir hier als Kinder viel herumgestromert sind“, sagte Gerhard Müller. Der 77-jährige Pönitzer hatte mit seiner Frau Helga (73) an der Wanderung teilgenommen und war begeistert.

Von Olaf Barth

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