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Taucha Stadt holt sich Baum mitten aus der Reihe
Region Taucha Stadt holt sich Baum mitten aus der Reihe
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15:05 19.05.2015
Irmgard Scholz erinnert mit einem Schild an die gefällte Fichte. Quelle: Olaf Barth

Die Bäume hier haben doch ein Funktion, da hätte man doch mal mitdenken oder vorher mit uns reden können", empörte sich die Seniorin. Denn genau in der Mitte einer Reihe von zehn am Straßenrand stehenden Nadelbäumen klafft nun eine Lücke. Das schmerze, gerade so kurz vor dem ersten Advent.

Die Baumreihe steht auf städtischem Boden. Das Grundstück der Familie Scholz befindet sich gegenüber auf der anderen Straßenseite. "Wir hatten aber die Genehmigung des Rates der Stadt, als wir vor 25 Jahren neben dem Feld die zehn Bäume pflanzten. Sie halten den oft starken Wind etwas ab, verhindern, dass von dem Containerplatz noch mehr Müll zu uns geweht wird und halten auch die Chemikalien fern, wenn auf dem Feld gespritzt wird", erklärte die Anliegerin. Sie und ihr Mann Harry (80) hätten die Bäume immer gepflegt, auch den Rasen auf diesem Randstreifen in Ordnung gehalten. "Und jetzt wird einfach so mittendrin ein Baum weggeholt, das ist doch ein Hohn", schimpfte die 79-Jährige.

Bauhofchef Marco Haferburg bestätigte gestern die Fällaktion, sieht dabei aber keinerlei Eigentumsrechte oder andere Belange verletzt. "Die Bäume stehen auf städtischem Grund, dafür sind wir zuständig. Ursprünglich wollten wir vorn den ersten Baum in der Reihe wegholen, weil er die Verkehrsschilder verdeckt hatte. Wir hatten damit extra gewartet, um ihn gleich als Weihnachtsbaum für unseren Kreisverkehr in der Portitzer Straße nutzen zu können. Aber als wir kamen, war er weg." Deshalb habe man einen anderen Baum gefällt. Das war einer von zweien, bei denen die Spitze noch intakt war.

Irmgard Scholz bestätigte, dass sie einen Tag vor der Bauhof-Aktion den kleineren, noch nicht so alten Baum sich selbst holte und nun als Weihnachtsbaum nutzt. "Der hatte ja das Schild verdeckt, wir wollten keinen Ärger mit dem Ordnungsamt. Und die Spitzen der anderen Fichten haben wir schon voriges Jahr kappen lassen, weil sie sich bei starkem Wind immer gefährlich Richtung Straße neigten", erklärte die resolute Rentnerin. Die Stadt habe ja Recht bezüglich der öffentlichen Fläche, auf der die Bäume stehen. Doch die Vorgehensweise rege sie mächtig auf. "Können die sich für ihre Zwecke keinen Weihnachtsbaum leisten, müssen die wirklich hier unsere Fichte wegholen? Auch Kleingärtner sponsern ja Bäume, weil sie aus den Gärten raus müssen", verstand Irmgard Scholz die Welt nicht mehr.

Anstelle der Fichte hat die Seniorin nun ein handbeschriebenes Schild aufgestellt. Unter anderem ist darauf "Spitzenleistung" und "Danke!" neben einer gemalten Fichte zu lesen. Und auch in einem Brief hat die Plösitzerin ihrem Herzen noch einmal Luft gemacht. Adressiert ist er an Bürgermeister Holger Schirmbeck. Dann wird er von dem Baum lesen. Und von dem Müll am nahen Containerplatz. "Aber das ist ja wieder ein ganz anderes Thema", sagte Irmgard Scholz. Olaf Barth

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.12.2013
Olaf Barth

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