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Taucha Stadt und Naturschützer besprechen Zukunft der Tauchaer Straßenbäume
Region Taucha Stadt und Naturschützer besprechen Zukunft der Tauchaer Straßenbäume
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10:23 19.04.2018
In Taucha werden Bäume nicht nur gefällt, sondern wie hier im letzten Herbst in der Otto-Schmidt-Straße auch in großer Zahl gepflanzt. Quelle: Olaf Barth
Taucha

„Das Gespräch war sehr informativ. Wir konnten unsere Sichtweise der Nabu-Regionalgruppe ausführlich darstellen, auch der Bauhof äußerte sich sehr ausführlich. Dass Mitglieder des Umweltausschusses bei dem Treffen dabei waren, fanden wir sehr gut“, sagte Heiko Thonig, der Leiter der Nabu-Regionalgruppe Partheland. Er war einer von drei anwesenden Kritikern und spricht rückblickend von einer „gemeinsamen Diskussion“ über den zukünftigen Umgang mit Tauchas Bäumen in den nächsten 20 bis 30 Jahren. Der Forderung nach einen mit Bürgern besetzten Baumbeirat wolle die Stadt aber nicht nachkommen, vielmehr verweise sie auf die Möglichkeit, zwei sachkundige Bürger in die Arbeit des Umweltausschusses einzubeziehen.

Bürgermeister Tobias Meier (FDP) als Gastgeber der Gesprächsrunde bestätigt diese Vorgehensweise. „Wir sehen einen zusätzlichen Baumbeirat nicht als zielführend an. Mit der 2016 geänderten Hauptsatzung gibt es jetzt aber die Möglichkeit, sachkundige Einwohner in den Ausschuss zu berufen“, erklärte Meier. Das sei allerdings Sache der Stadträte und nicht der Verwaltung.

Meier: „Wir stehen nicht auf verschiedenen Seiten“

Gleichzeitig stellte das Stadtoberhaupt mit Blick auf das Treffen klar: „Das Thema Bäume bleibt wichtig und wird weiter heiß diskutiert werden. Aber wir stehen nicht auf verschiedenen Seiten. Wir lieben alle eine grüne Stadt und wollen sie für unsere Nachfahren grün erhalten. Wichtig ist nur, dass wir über das Wie miteinander reden.“ Man sei zwar stolz auf den teils bis zu 150 Jahre alten Baumbestand an den Straßen, doch hätte er vielfach seine Lebenserwartung erreicht, sodass auch künftig der Umbau und die Verjüngung des Straßenbaumbestandes weiter gehen müsse.

Bauhof-Chef Marco Haferburg wies den Vorwurf einiger Kritiker zurück, dass die Stadt im Umgang mit dem öffentlichen Grün konzeptlos arbeiten würde. „Seit Jahren wird in den einzelnen Straßen konzeptionell vorgegangen. Jeder Baum hat quasi seine Akte. Lediglich ein zusammengefasstes Gesamtkonzept liegt noch nicht vor.“

Baumprüfer in den Reihen des Bauhofes

Einigen Vorstellungen der Naturschützer erteilte Haferburg aus ganz praktischen Gründen eine Absage. „Vorsorgliche Pflanzungen neben Bäumen, die künftig gefällt werden soll, sind einfach nicht machbar. Auch sprengt es allein schon den finanziellen Rahmen, zu einem Baumgutachten noch zwei weitere Meinungen einzuholen.“ Der Bauhof habe jetzt in seinen eigenen Reihen einen Baumprüfer, der nach der Richtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau ausgebildet wurde. Der Kollege könne also fachlich kompetente Einschätzungen zum Zustand von Bäumen und über nötige Maßnahmen treffen.

Offen ist die Stadt für Forderungen, wonach Ersatzpflanzungen vor allem in der Stadt und nicht andernorts stattfinden sollen. Vorschlägen werde man sich nicht verschließen. „Wir müssen generell mehr kommunizieren, dass wir nicht nur fällen, sondern auch viel neu pflanzen. Wir wollen künftig die Naturschützer mehr mit einbeziehen, auch zu Ausschusssitzungen einladen. Gemeinsam müssen wir aber auch die Tauchaer dafür sensibilisieren, wie sie selbst auf ihren Grundstücken mit dem Baumbestand umgehen“, sagte Meier.

Bürgerschaftliches Engagement erwünscht

Laut Thonig schlugen die Naturschützer vor, entlang der B 87 zur Feinstaubbindung und für Schallschutz Hecken zu pflanzen. Die Stadt sieht das hinsichtlich des Pflegeaufwandes und der Sicherheit neben den Straßenbahngleisen skeptisch. Dennoch soll das Thema bei einem Treffen mit den Leipziger Verkehrsbetrieben angesprochen werden, kündigte Meier an.

Zur Sprache gekommen sei auch das Thema Baumpaten. „Bei Straßenbäumen ist das eher schwierig, aber es gibt exponierte Standorte, wo das möglich ist und hilfreich wäre“, sagte Haferburg. Künftig etwa müssten gegenüber dem Parthebad große Eschen gefällt werden. Dort könnten dann für die Neuanpflanzungen Patenschaften übernommen werden. Generell aber sei bürgerschaftliches Engagement immer möglich, wenn statt zum Telefonhörer im Sommer einfach mal zur Gießkanne gegriffen wird, und man jungen Bäumen vor der Haustür einfach mal Wasser gibt, erklärte Meier. Hilfreich wären auch Hinweise aus der Bevölkerung, wenn wieder Rowdys durch die Stadt ziehen und junge Bäume mutwillig abbrechen. „Hier werden Arbeit und städtisches Grün zerstört, es entstehen hohe Kosten. Da darf uns jeder Bürger helfen, die Täter zu ermitteln“, so Meier.

Nach Thonig zieht auch Haferburg ein positives Fazit zu diesem Treffen: „Das war ein sehr konstruktiver Termin, der richtig war und bei dem fachlich kontroverse Ansichten ausgetauscht wurden.“

Von Olaf Barth

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