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Taucha Start-up-Firma will von Taucha aus mit Popcorn den Snack-Markt erobern
Region Taucha Start-up-Firma will von Taucha aus mit Popcorn den Snack-Markt erobern
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16:16 12.01.2017
Die neuen Popcorn-Maschinen sollen größer sein als jene, aus der Mitarbeiterin Diana Simonaviciene gerade die aufgepoppten Maiskörner zur weiteren Verarbeitung entnimmt. Quelle: Fotos: Olaf Barth
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Taucha

In Taucha hat sich ein neues Unternehmen angesiedelt, das in Deutschland und darüber hinaus mit seinem Popcorn den Snack-Markt aufrollen will. Die Firma G-Corn Produktions- und Vertriebs GmbH zog von einer kleinen Produktionsstätte in Leipzig im Februar vorigen Jahres nach Taucha. Eine Dreiviertelmillion Euro wurden inzwischen in die neue Manufaktur investiert, eine weitere viertel Million Euro soll im ersten Quartal 2017 hinzukommen.

Geschäftsführerin Anastasia Borghardt will in weitere Popcorn-Maschinen investieren. Quelle: Olaf Barth

Geschäftsführerin des noch jungen Unternehmens mit acht Mitarbeitern ist Anastasia Borghardt. Die 32-Jährige hat in einem Gebäude des Gewerbegebietes Vario-Park in der Portitzer Straße die Popcorn-Manufaktur einrichten lassen. Dort werden in der „Küche“ die aus Frankreich importierten Jumbo-Maiskörner in der bisher einzigen dafür vorhandenen Maschine erhitzt und zum Aufpoppen gebracht. Nur perfekte Puff-Mais-Körner werden weiter verarbeitet, mit Farben und Geschmacksrichtungen versehen und karamellisiert.

„Unser Gourmet-Produkt, dafür steht auch das G im Firmennamen, ist nicht mit dem Popcorn in den Kinos zu vergleichen. Wir haben es zu einem Snack in verschiedenen Farben und mit verschiedenen Geschmacksrichtungen weiterentwickelt“, schildert die gelernte Fachfrau für Projektmanagement. Durch einen Leipziger Bekannten, ihrem Vorgänger in der kleinen Manufaktur, sei sie auf dieses Thema gestoßen und von den Entwicklungsmöglichkeiten begeistert gewesen. Am Ende hat sie 70 Prozent der Firmenanteile erworben und ihr Mann den Rest. „Wir haben die Rezepturen mit einem Molekularkoch so modifiziert, dass wir ohne Konservierungsstoffe auskommen. Auch sonst verwenden wir nur natürliche, genetisch unveränderte und hochwertige Ausgangsstoffe“, erklärt die gebürtige Kirgisin. Als Spätaussiedlerin und Nachfahrin der Wolga-Deutschen 1998 nach Deutschland gekommen, lebt sie eigentlich in Aschaffenburg. Aber über die Stationen Jena und Bitterfeld-Wolfen, wo sie nach einer Weiterbildung als Geschäftsführerin in einer Firma für organische Chemie arbeitete, verschlug es sie nach Leipzig. „Die Region hier lässt mich einfach nicht los“, sagt die Geschäftsfrau lachend.

Die Nähe zur schönen Stadt Leipzig sei ihr für den neuen Produktionsstandort wichtig gewesen. Vor allem aber auch aus infrastruktureller Sicht bezüglich der überregionalen Verkehrsanbindung. „Es war nicht einfach, etwas Passendes für die Lebensmittelbranche zu finden, bis wir hier auf den Standort in Taucha stießen. Inzwischen kenne ich die Tauchaer Altstadt und finde auch sie ganz schön“, versichert Borghardt. Von hier aus lässt sie ihre Erdbeer- , Karamell-Nuss-, Energy- und anderen Popcorn-Sorten an einige Edeka- und Rewe-Märkte ausliefern. „Wir sind noch nicht flächendeckend vertreten, unser Ziel ist es aber, in allen Regalen Deutschlands und darüber hinaus zu liegen. Wir wollen die Welt erobern, auch wenn das ein weiter Weg ist“, erklärt die Geschäftsfrau. Die nötige Kapazitätserhöhung habe sie im Blick. Momentan schafft die weitestgehend in Handarbeit produzierende Manufaktur eine halbe Million Popcorn-Tüten im Jahr, nach der geplanten Erweiterung sollen es zwei Millionen sein. Als nächstes ist die Anschaffung zweier neuer Popcorn-Maschinen geplant. „Eine räumliche Erweiterung an diesem Standort in einem Neubau könnte ich mir vorstellen. Aber es wird keine große Industrieanlage, sondern bleibt eine Manufaktur, in der individuell in der hohen Qualität die verschiedenen Geschmacksrichtungen produziert werden“, blickt Borghardt voraus.

Zu den „Welteroberungsplänen“ gehört auch die international, bis in die USA anerkannte strenge Zertifizierung für höchste Qualitätsstandards im Lebensmittelsektor. Nicht ohne Stolz verweist Borghardt auf die der Firma verliehene International Food Standard (IFS)-Zertifizierung. In dem blitzblank, geradezu steril wirkenden Produktionsraum mit seinen Edelstahl-Maschinen tragen die Mitarbeiter Schuhüberzieher, Kopfhauben und spezielle Produktionsanzüge. Vor Betreten des Raumes müssen die Hände gewaschen und desinfiziert werden. Selbst der Fußboden hat eine spezielle Beschichtung. Borghardt hat sich, sagt sie, bewusst für die Schaffung hoher Produktionsstandards entschieden, um als erste Popcorn-Manufaktur Deutschlands die besonders strengen IFS-Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehört auch der ständig abrufbare Nachweis über die Herkunft der verarbeiteten Zutaten, was in welcher Menge zu welchem Zeitpunkt in welche Tüten kam und wohin sie ausgeliefert wurden.

Als Edeka mal eine Unpässlichkeit nach Popcorn-Genuss meldete, konnte binnen Kurzem die Produktionsstrecke samt der Zulieferer für diese Charge lückenlos aufgeklärt werden. Das in unabhängigen Labors überprüfte Popcorn blieb ohne Beanstandungen. „Man entschuldigte sich bei uns für die Umstände. Wir gehen davon aus, dass das ein anonymer Test war und niemandem wirklich schlecht geworden ist“, sagt die charmante Geschäftsfrau schmunzelnd.

Von Olaf Barth

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