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Stattliche Schwarzerlen statt vierspuriger Straße

Stattliche Schwarzerlen statt vierspuriger Straße

An der Stelle zwischen Sehlis und Panitzsch, wo die Vorzugsvariante der geplanten B87n einmal die Parthe kreuzen soll, steht seit Sonnabend ein ansehnlicher Schwarzerlenbruch.

Taucha. Mitglieder der Bürgerinitiative Alternative B87n, Anlieger, Naturschützer und die Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach pflanzten dort 35 gespendete Schwarzerlen, einen Apfelbaum, eine Schwarzpappel und eine Kopfweide.

„Es trotzen die wilden Parthegeister dem B87n Willkür-Straßenmeister“ hatte sich Heike Schröger auf ihr T-Shirt gedruckt. Dazu ein paar hübsche Bilder der Parthenaue, die sie gerne schützen will. Wem das nicht deutlich genug war, was sie und andere von dem mehr als 360 Millionen Euro teuren Verkehrsbauvorhaben halten, dem hatte sie eigens einen B87n-Kuchen zur Aktion gebacken. „Die Straße sozusagen zum Aufessen“, feixte Heiko Thonig von der Nabu-Regionalgruppe Partheland.

Die Parthenfrösche, Schülergruppe des Naturschutzbundes, kamen im halben Dutzend mit Mentor Bernd Hoffmann und einer Kopfweide, hatten eine Osterüberraschung vorbereitet. Der Obstbetrieb Dottermusch spendete Äpfel für hungrige Pflanzer, Getränke standen auch bereit – bei bestem Wetter geriet die Aktion der Bürgerinitiative (BI) zum Nachbarschaftsfest.

Allerdings eins mit Tiefgang. „Wir sind uns schon darüber im Klaren, dass wir mit den Bäumen den Verwaltungsakt nicht aufhalten können“, erklärte BI-Vorsitzender Dirk Werner. „Aber hier geht es um die Symbolik.“ Immerhin seien die Schwarzerlen der typische Baum, mit dem ursprünglich die Parthenaue noch besser renaturiert werden sollte.

Mario Beer aus Dewitz war mit Sohnemann Adrian, den Schwiegereltern Klara und Günter Jentsch sowie Nachbarin Sabine Heider beim Pflanzen dabei. „Ich nutze die Landschaft hier zum Laufen und Radeln, kann mir nur schwer vorstellen, dass hier einmal eine vierspurige Straße durchführen soll“, erzählte Mario Beer. Er zweifele stark, ob sie auch wirklich benötigt wird. „Ich bin als Außendienstler oft mit dem Auto auf der B87 bis hinter Torgau unterwegs und kann die von Politikern beklagten langen Fahrzeiten nicht bestätigen“, sagte Beer, derweil er seinen ersten gepflanzten Baum zurechtrückte.

Die B87n gehöre zu den Straßenbauvorhaben, die nach ihrer Meinung dringend auf den Prüfstand gehörten, erklärte die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach. Dem Vorhaben lägen Verkehrszahlen zugrunde, die längst überholt sind. Überall müsse zudem gespart werden, nur an den Straßenbau gehe niemand heran. Sie finde den Bau unverantwortlich gegenüber den nächsten Generationen. „Wir haben jetzt schon nicht genug Geld, um unsere Straße zu unterhalten. Aber trotzdem wagen wir uns an neue heran“, schimpfte sie.

Dirk Werner erinnerte daran, dass sich inzwischen vier Bürgerinitiativen im Raum Taucha/Borsdorf gegen die geplante Straße stemmen. Mehrere tausend Unterschriften seien seit Bekanntwerden der Pläne im Jahr 2009 gesammelt worden. Er rechne damit, dass nach dem Abschluss des Verfahrens zur Fortschreibung des Regionalplanes (die LVZ berichtete) nun die Landesdirektion Leipzig das ausgesetzte Raumordnungsverfahren wieder in Gang setze und Mitte nächsten Jahres neue Pläne auf dem Tisch liegen.

Jörg ter Vehn

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