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Stippvisite bei Tauchas einstigem Schlossherrn Wilhelm von Haugwitz

Tag des offenen Denkmals Stippvisite bei Tauchas einstigem Schlossherrn Wilhelm von Haugwitz

„Keine Säure, sehr samtig, gut verträglich“. Elke Kabelitz kommt glatt ins Schwärmen, wenn es um den Tauchaer Dornfelder geht. „Wir verspenden den Wein gegen einen Unkostenbeitrag von 10 Euro“, erklärt die Vereinswinzerin und muss selbst über ihre gewagte Wortschöpfung lachen.

Tibor Nebel und Katrin Graul lassen sich von Vereinswinzerin Elke Kabelitz Tauchaer Dornfelder einschenken.

Quelle: Ingrid Leps

Taucha. „Keine Säure, sehr samtig, gut verträglich“. Elke Kabelitz kommt glatt ins Schwärmen, wenn es um den Tauchaer Dornfelder geht. „Wir verspenden den Wein gegen einen Unkostenbeitrag von 10 Euro“, erklärt die Vereinswinzerin und muss selbst über ihre gewagte Wortschöpfung lachen. Mehr als 20 Flaschen gingen am Sonntag über den Tisch. Auch die Keramikbecher zum Kosten des edlen Tröpfchens wurden immer wieder gefüllt.

„Es ist schon erstaunlich, wie viele Auswärtige zu uns finden. Auch Grimmaer, Schkeuditzer und Eilenburger waren heute da“, freut sich Vereinsvorsitzender Jürgen Ullrich. Etwa 130 Besucher ließen sich von der hochsommerlichen Hitze nicht abhalten, zum Tag des offenen Denkmals das Rittergutsschloss Taucha zu erkunden. In der Kulturscheune ließ der Verein einen Versuchsballon steigen: Zum ersten Mal bot er einen Workshop für Kinder an. Unter Anleitung des Malers Andreas Tüpke konnten Jungen und Mädchen mit Fotos, Pinsel und Farbe in kurzer Zeit ganz stolz vorzeigbare Collagen produzieren. Ihre Premiere erlebte auch die neue Beleuchtung in der Kulturscheune, für die der Verein 8000 Euro investiert hat. Damit ist ein Provisorium zu Ende, das Ullrich zehn Jahre Bauchschmerzen bereitete: „Nun sind wir einen großen Schritt in Sachen Sicherheit vorangekommen, können jetzt mit drei Stromkreisen individuell arbeiten und die Scheune kulturell besser nutzen.“

Allerdings war es nicht möglich, wie angekündigt im Schlosshof mit Steinbildhauern ins Gespräch zu kommen. Die vier Teilnehmer eines vierwöchigen Symposiums haben hier in Rochlitzer Porphyr markante Zeichen gesetzt. „2008, beim ersten Symposium, war das eine gute Erfahrung und wir hatten auch diesmal darauf gesetzt“, bedauert Ullrich Organisationsfehler, die nicht in den Händen des Vereins lagen.

Wunderbar kühl war es am Sonntag im historischen Weinkeller, den der Verein 2007 auf Vordermann gebracht und zugänglich gemacht hatte. In den Gewölben, so verriet ein alter Flaschenzug, wurden in der Renaissance allerdings Bierfässer, Gepökeltes und Geräuchertes gelagert. Heute hingegen nimmt sich das alte Gemäuer eher edel aus.

Seit fünf Jahren betreut der Verein sein Rittergutsmuseum, das erste dieser Art in Deutschland. Immer wieder fragten Besucher nach, sodass Ullrich die zwei Führungen sausen ließ und spontan über die Historie des Rittergutsschlosses Rede und Antwort stand. Feudalherr war hier Wilhelm von Haugwitz. Wie man sich den vorzustellen hat, ist inzwischen klar: mürrisch, zänkisch, mit eingefallenem Gesicht, vorstrebendem Kinn und bösen, hinterlistigen Augen. Doch bis das fiktive Porträt an der Museumswand hing, floss allerhand Wasser die Parthe hinunter. Gern erzählt Ullrich, dass die erste Spur bei der Fahndung nach einem Bildnis des Adeligen nach Odessa führte – ausgerechnet in ein Kloster mit Schweigegelübde. Die Mönche gaben nur über Schrifttafeln sowie mit Schütteln oder Neigen des Kopfes Auskunft, doch der Tipp half nicht weiter. Nach der Oktoberrevolution war der Wurzener Bischof von Haugwitz ins Kloster geraten – die Mitra war eindeutig.

Also rückte Ullrich dem Tauchaer Maler Dieter Billhardt auf die Bude. Der dachte lange nach und ließ sich schließlich auf die tollkühne Aktion ein, ausschließlich nach wörtlichen Überlieferungen ein Bildnis zu kreieren.

Von Ingrid Leps

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