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Taucha Streifen zeigt die Geschichte des Mitteldeutschen Motorenwerke in Taucha
Region Taucha Streifen zeigt die Geschichte des Mitteldeutschen Motorenwerke in Taucha
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18:53 17.01.2019
Produzent Roger Liesaus, Regieassistentin Heike Liesaus, Vorleserin Julia Altmann und Gestalter Frank Zalich (von links) zeigen nicht nur eine DVD und das Plakat zur Film-Premiere, sondern auch eine Kurbelwelle aus der Mimo-Produktion. Es fehlen Produktionsleiter Tilo Esche und Web-Gestalter Enno Seifried. Quelle: Foto: Reinhard Rädler
Taucha

Am 12. Januar hatte in Tauchas Grundschule „Am Park“ der Dokumentarfilm „MIMO – Geschichte eines Werkes“ Premiere. Seit 2017 haben der Tauchaer Roger Liesaus und sein achtköpfiges Team nach umfangreichen Aktenstudium, Museumsbesuchen und Sichtungen von Fotos, alten Filmen und Lageplänen sowie mit Erinnerungen von Zeitzeugen viele Fakten und Details zusammengetragen und in 14 Jahres-Kapiteln für die 135-minütige DVD filmisch aufbereitet. Liesaus beschäftigte sich schon seit längerem mit der Industriekultur in und um Leipzig. Als Maschinenbauingenieur interessierte er sich dabei auch für die Produktion der Motoren und der Flugzeuge, später hat er sich aber intensiver mit dem Standort des Werkes und nicht zuletzt mit Geschichten der Menschen und deren Arbeits- und Lebensbedingungen in der Mimo befasst. Er hat unzählige Male das Gelände durchstreift, das heute weitestgehend nur noch durch Trümmer, Ruinen und Bombentrichter auszumachen ist, denn als Rüstungsbetrieb wurde das Werk im und nach dem Zweiten Weltkrieg durch Bomben und Sprengungen zerstört.

Zwickauer geben Siedlung den Namen

Mit dem Bau von Flugzeugmotoren in den Jahren zwischen 1935 und 1945 waren die Werkshallen im Waldgebiet zwischen Graßdorf und Portitz zu einem bedeutenden Standort der deutschen Luftrüstungsindustrie im Raum Leipzig geworden. 1942 gab es hier über 9000 Beschäftigte, davon waren 3901 ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Tauchas Infrastruktur profitierte in dieser Zeit durch den wachsenden Industriestandort. Die „Zwicksche Siedlung“ zwischen Klebendorfer- und Friedrich-Engels-Straße entstand in den Dreißigerjahren durch den Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte hauptsächlich aus dem Raum Zwickau. Auch das Kino und die heutige Oberschule verdanken ihre Existenz diesem Bevölkerungszuwachs. Zeitzeuge Karl Meyer zeigte im Film an den inzwischen renovierten Häusern, wer wo gewohnt hat und wo die Nachbarn her waren. Er war 1938 als Kind mit seinen Eltern nach Taucha gekommen, wo sein Vater später maßgeblich am Aufbau des heutigen Kegelsportvereins „Blau-Gelb“ beteiligt war, wie von Vorstandsmitglied Jens-Uwe Apitzsch zu erfahren war.

Recherchen in der Werkszeitung

Mit 25 über 90 Jahre alten Zeitzeugen hat Liesaus gesprochen. Der älteste war der inzwischen im Alter von 106 Jahren verstorbene Hellmut Drubig, der in der Tauchaer Druckerei Porzig einige Ausgaben der Werkszeitung der Mimo „Der Motor“ gedruckt hatte. Darin hatte später auch der Tauchaer Max Laube gestöbert, als er sich für die Geschichte der Mimo zu interessieren begann. „Als Kinder war es uns strengstens verboten, auf dem ehemaligen Werksgelände zu spielen. Erst nach der Wende habe ich mich dort umschauen können und dabei etliche Dinge, wie Werkzeugmarken und verschiedene Kleinteile gefunden“, erzählte der 64-Jährige. Um mehr darüber zu erfahren, recherchierte er in der Deutschen Nationalbibliothek in der Werkszeitung und entdeckte unter anderem, dass bei der kulturellen Betreuung der Arbeiter auch Johannes Heesters, der Thomanerchor und das Gewandhausorchester aufgetreten waren. „Das war für die Präzisionsarbeiter, die sollten damit bei Laune gehalten werden“, fand Laube heraus.

Schäden durch Luftangriff

Unter den 140 Premierengästen war auch der Tauchaer Manfred Wulf, der 1963 ins Gut Graßdorf kam und dort viele Jahre als Gutsverwalter tätig war. „Der Gebäudetrakt mit der heutigen Gaststätte wurde 1944 durch Bomben stark beschädigt. Darin befanden sich damals auch Unterkünfte für polnische Zwangsarbeiter der Mimo. Umgekommen ist zum Glück niemand“, erzählte der 79-Jährige. Im Film zeigte er Standorte von Unterkunftsbaracken, die in Richtung des Waldstückes „Hölle“ gestanden haben.

„Unser Schießplatz befindet sich auf dem ehemaligen Mimo-Gelände. Hier standen das Öllager und Ausbildungsstätten für Lehrlinge. Beim Bau des Schießstandes machten uns Betonreste ganz schön zu schaffen“, erzählte der Ehrenvorsitzende der Bürger-Schützengesellschaft Taucha, Werner Dölz. „Mit diesem Film ist ein kulturhistorisch wertvolles Dokument entstanden. Gut, dass es jemanden gibt, der diesen bedeutenden Abschnitt der Tauchaer Geschichte für die Nachwelt erhalten hat“, zeigte sich der 79-Jährige tief beeindruckt.

Die DVD kann für 20 Euro in der Tauchaer Buchhandlung Leselaune in der Eilenburger Straße, über die Website www.rog-film.de, per E-Mail unter rogerliesaus@web.de sowie über die Telefonnummern 0172 9670119 und 034298 13035 bestellt werden.

Von Reinhard Rädler

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