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Taucha Streit nach Stadtfest vor Gericht
Region Taucha Streit nach Stadtfest vor Gericht
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11:57 10.10.2011
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Leipzig/Taucha

Jetzt stehen sie vor Gericht.

Eine Gruppe schlagwütiger junger Männer bildete in der Nacht vom 23. zum 24. August 2009 einen Wall um einen von ihnen zu Fall gebrachten und am Boden sitzenden gebürtigen Libanesen und prügelte auf den Wehrlosen ein, trat immer wieder zu und grölte hasserfüllt ausländerfeindliche Parolen. Als sich das Opfer durch das Eintreffen eines Polizeiautos in der Nähe aus der Umklammerung befreien konnte und zu seinen Rettern rannte, stürmten die gut ein Dutzend Randalierer hinterher. Um den Verfolgten zu schützen, schoben die beiden Polizeibeamten den damals 23-Jährigen in den Streifenwagen und versuchten die Angreifer vom Auto fernzuhalten. Dafür gab es schlimmste Beleidigungen. Die Chaoten ließen nicht nach, auf den Tauchscher-Besucher einzuschlagen, prügelten und spuckten außerdem auf die Polizisten los, belegten die Beamten mit übelsten Schimpfworten und ramponierten das Polizeiauto. Das konnte dann doch noch ins Revier starten und seine Fuhre retten. Verstärkung durch die Bundespolizei rückte an, Personalien von den Beteiligten wurden noch am Tatort festgestellt, Untersuchungen begannen, mehr als ein Dutzend Verdächtiger nahm die Polizei vorläufig fest.

So stellte sich aus Zeugen- und Opferaussagen das Geschehen dar, das gestern vor dem Amtsgericht Leipzig zur Verhandlung kam. Fünf Angeklagte mussten sich verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Sowohl das Opfer als auch Polizisten hatten zum Teil nicht unerhebliche Verletzungen davongetragen. Leicht hätte die Schlägerorgie auch innerhalb der vielen Tauchscher-Besucher Kreise ziehen können, zu weiteren Opfern und zu Sachschäden führen können, so der Vorwurf an die heute zwischen 21 und 22 Jahre alten Angeklagten.

Hooligans, Rechtsradikale oder einfach Schlägertypen? Das wurde gestern nicht besprochen. Die Beschuldigten stritten zwar am ersten Prozesstag nicht ab, zu diesem Zeitpunkt in Taucha gewesen zu sein. Aber durch enorm genossene Mengen Alkohol, so die vier Leipziger und ein Tauchaer einmütig, seien sie damals benebelt gewesen und könnten sich heute kaum ans Geschehen erinnern.

Jeder sagte vor Gericht – zum Teil entgegen der Aussagen im damaligen Polizeiprotokoll – nach dem Motto aus: Nichts gesehen, nicht beteiligt, nichts getan. Außerdem hätte ein Überfall unbekannter vermummter Bewaffneter das Klima angeheizt (wie die Staatsanwaltschaft richtig stellte, gab es solch einen durchaus möglichen Angriff aber erst viel später). Wenig hilfreich bei der Klärung des Geschehens erwies sich wahrscheinlich auch so manche Verunsicherungsattacke der Verteidigung, die auch von der Staatsanwaltschaft kritisiert wurde: Zweifel gab es beispielsweise an den Aussagen des Hauptopfers, seine Peiniger während der Prügelattacke erkannt haben zu wollen – nur bei einem tierischen „Ameisenblick“ sei das möglich, weil die bei den Schlägen schützend vor den Körper gehaltenen Arme die Sicht angeblich verhindert hätten. Fast schien es bei allen Aussagen, die seitens der Angeklagten kamen, so, als fühlten sich die Täter irgendwie sogar als unbeteiligte Opfer. Die Verhandlung wird nächste Woche fortgesetzt.

Hellmut Mauersberger

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