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Syrerin zeigt Bilder traumatisierter Kinder im Sehlis Camp bei Taucha

Ausstellung Syrerin zeigt Bilder traumatisierter Kinder im Sehlis Camp bei Taucha

Mit Workshops, Acrylmalerei und einem Kräuterrundgang endete jetzt das vielfältige Programm des mehrtägigen „Sehlis Camp“. Seit Freitag hatten sich hier zumeist junge Leute mit ihren Kindern eingefunden, um auf der Streuobstwiese hinter der Gemüsekooperative Rote Beete zu zelten und dort an verschiedenen kulturellen und politischen Veranstaltungen teilzunehmen.

Nahla AlChanaah stellt im Sehlis Camp Bilder von traumatisierten Kindern aus

Quelle: Olaf Barth

Sehlis. „Mit der Resonanz bin ich schon zufrieden, um die 150 Leute waren bestimmt da“, sagte Jan-Felix Thon vom Organisatorenteam. Das hatte zunächst ja ganz schön mit der Hitze, später mit Starkregen zu kämpfen. Dennoch nutzten viele Besucher die Angebote, zum Beispiel über nachhaltige Landwirtschaft oder Politik zu diskutieren und sich weiterzubilden. Als „Aktionscamp“ firmiert die Veranstaltung in Sehlis seit diesem Jahr nicht mehr. Die Aktionen wie etwa gegen den Bau der B 87 n seien nur ein Bestandteil von vielen gewesen, teilten dazu die Veranstalter mit. Zum Gesamtpaket gehörten ja Workshops, Diskussionen, Rundgänge, Theater und Konzerte. Auch sonst ändere sich nichts. Die Teilnehmer am Camp verwalteten es selbst, um so „einen Raum zum Entspannen und für neue Inspirationen“ zu schaffen.

Inspirierend für viele der aufgeschlossenen jungen Besucher war sicher die Performance von der Nürnberger Kultur-, Tanz- und Theaterpädagogin Heike Pourian. Unter dem Workshop-Titel „Kann tanzen politisch sein?“ gab sie sich mit ihren Mit-Tänzern Frédéric Holzwarth und Florian Busch leichtfüßig spontanen Bewegungsabläufen hin. Teils führten diese die Tänzer voneinander weg, oft auch zueinander, sodass sich Beine, Arme, Körper ineinander regelrecht verwoben. Jeder spürte den Druck und Puls des anderen, reagierte auf dessen Schritte und Berührungen, um zeitgleich auch selbst wieder zu agieren. Gebannt beobachteten die Besucher ein stetes sich Heben und Fallenlassen sowie das Vertrauen der Akteure ineinander, gehalten zu werden. Und ist tanzen politisch? „Ein klares Ja. Unser Sein trägt zum Sein der gesellschaftlichen Situation bei. Man glaubt, Lösungen für unsere Probleme in der Welt erdenken zu müssen. Unsere Contact Improvisation zeigt, dass man sie auch erspüren und erspielen kann. Das liegt aber noch außerhalb der allgemeinen Vorstellung“, erklärte Pourian ihre Sicht auf die Dinge.

Mit großem Einfühlungsvermögen widmet sich Nahla AlChanaah auch einem Problem dieser Welt: den vom Syrienkrieg betroffenen Flüchtlingskindern. Die schon vor dem Krieg nach Berlin ausgewanderte Syrerin war eingeladen worden, um in einer kleinen Ausstellung die Ergebnisse ihrer Arbeit mit Flüchtlingskindern vorzustellen. Sie brachte erschütternde, verstörende aber auch faszinierende Bilder mit, in denen Fünf -bis 14-Jährige schöne Erinnerungen an die Heimat ebenso zu Papier brachten, wie ihre Erlebnisse von Krieg, Gewalt und Flucht. „Am Anfang ist es immer schwer an die Kinder heranzukommen. Erst wenn sie allmählich Vertrauen gewinnen, wollen sie sich auch wieder an die schrecklichen Ereignisse in ihrer Heimat erinnern und an die Erlebnisse auf der Flucht“, schildert die 40-jährige studierte Künstlerin ihre Erfahrungen. So beginnt sie mit dem Thema Erinnerungen an die Heimat vor dem Krieg. Nach erst circa drei Monaten seien die Kinder bereit, dann auch die anderen Erinnerungen auf Bildern wiederzugeben: brennende Häuser, Panzer, Figuren in leerer Landschaft, ein kleines Boot randvoll mit Menschen.

Bei ihren Besuchen der Kinder in drei Berliner Flüchtlingsheimen kommen der Künstlerin auch einige studierte Semester Psychologie zugute sowie die Erfahrungen aus ihrer Heimat, wo sie bereits mit Kindern am Theater zusammenarbeitete. So baute sie allmählich drei Gruppen mit je zehn bis 17 Kindern auf. Nicht alle kann sie für die Malerei-Workshops gewinnen. Anderen aber bringt sie die Arbeit mit Acryl, Pinsel, Schwamm und den Fingern bei. „Gerade was jetzt syrischen Kindern passiert, ist eine humanitäre Katastrophe. Sie sind traumatisiert. Es ist eine verlorene Generation. Indem ich ihnen das Malen beibringe und sich so auszudrücken, will ich helfen, dass sie ihre Erlebnisse verarbeiten. Auch wenn das, was ich tue, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagte Nahla AlChanaah.

Aus den bis jetzt entstandenen 70 Bildern, von denen 36 in Sehlis zu sehen waren, wurden zum Teil Postkarten gedruckt, deren Verkaufserlös der Arbeit für diese Kinder zugutekommen soll. Nach Leipzig sei sie schon einmal eingeladen worden, habe aber aus Termingründen absagen müssen. „Doch ich komme gern, wenn Interesse am Thema besteht“, versprach die Künstlerin.

Kontakt: wattasir@hotmail.com

Von Olaf Barth

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