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Taucha ist keine Kriminalitätshochburg

Polizeirevierleiter stellt Statistik vor Taucha ist keine Kriminalitätshochburg

Natürlich, auch in Taucha gibt es Einbrüche, Autodiebstähle und tätliche Auseinandersetzungen. Jede einzelne dieser Straftaten ist eine zu viel. Doch eine Hochburg der Kriminalität ist die Parthestadt nicht. Darüber informierte unlängst Polizeirevierleiter Axel Palitzsch im Stadtrat.

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Polizeidirektor Axel Palitzsch informierte über die Kriminalitätsentwicklung in Taucha.

Quelle: Foto: André Kempner

Taucha. Die Stadtratssitzung in Taucha begann neulich mit einem Gast-Auftritt: Wie im Vorjahr war Polizeidirektor Axel Palitzsch der Einladung des Bürgermeisters gefolgt, um öffentlich über die Kriminalitätsentwicklung in der Parthestadt zu sprechen. Und da war zu hören, dass es in Taucha im Vergleich zu anderen Gebieten relativ wenig Delikte gibt.

„Jeder Einbruch ist einer zu viel, und Betroffene wird es nicht trösten. Aber Taucha ist nicht so von Straftaten belastet wie andere Abschnitte. Hier müssen wir uns als Polizei keine großen Sorgen machen“, sagte Palitzsch bezogen auf die ihm vorliegenden statistischen Zahlen. So würde der Anteil der in Taucha 2015 verübten Straftaten lediglich 0,96 Prozent an den Gesamtstraftaten in der Polizeidirektion Leipzig ausmachen. „In Taucha gibt es keine 1000 Straftaten im Jahr, wir wollen unbedingt, dass diese Zahl nicht steigt“, erklärte der Leiter des Polizeirevieres Leipzig-Nord. Um das Ziel zu erreichen sei die Polizei auch auf „wachsame Bürger“ angewiesen.

Doch auch in Taucha machen sich Einbrecher und Diebe zu schaffen, gibt es körperliche Auseinandersetzungen und Angriffe gegen Personen – in einigen Bereichen mit steigender Tendenz, zum Beispiel bei Rohheit, Eingriffen in die persönliche Freiheit und bei Körperverletzungen. Taten, die sich laut Palitzsch nicht selten auch in familiären Milieus abspielen. Unter den 2015 erfassten 530 Diebstählen (-12,1 Prozent im Vergleich zu 2014) fallen auch 38 Einbrüche in Wohnungen (+5,6 Prozent), 91 Einbrüche in Keller oder andere Nebenräume (+44,4 Prozent), 38 in Büros (+18,8 Prozent) sowie 75 in Autos (+36,4 Prozent). Dagegen bedeuten die 21 Ladendiebstähle voriges Jahr einen Rückgang um 40 Prozent. Noch etwas mehr nahmen die Auto- und Motorraddiebstähle in Taucha ab. Allerdings kehrt sich dieser Trend in diesem Jahr offenbar wieder um: „2016 verzeichnen wir einen erheblichen Anstieg der Diebstahlskriminalität. Auch was die Betrugsfälle gerade bezüglich der Cyber-Kriminalität im Internet angeht, muss man schon von einer dramatischen Zunahme sprechen“, nahm Palitzsch auf das erste Halbjahr 2016 Bezug.

Zurückgegangen ist dagegen die Anzahl der Sachbeschädigungen von 107 im Jahr 2014 auf 79 im vorigen Jahr. Die Anzahl der Rauschgiftdelikte blieb mit zehn in den beiden Jahren unverändert. In diesem Jahr gab es bisher nur zwei Vorfälle mit jeweils geringen Mengen unter ein Gramm Crystal bzw. Haschischblüten. Bezüglich eines thematisch anderen, aber aktuellen Falls, könne er aufgrund des noch ausstehenden toxikologischen Gutachtens keine Aussagen machen. Palitzsch sprach vom „Giftköderfall“ in Pönitz, in dem weiter ermittelt werde (die LVZ berichtete). „Es gibt zum Glück bisher keine neuen Fälle. Über unsere Anregung, die städtische Futterstelle für Katzen zu verlegen, wird unter Anwohnern noch gestritten“, sagte der Revierleiter.

Eine „Spezialität“ Tauchas ist offenbar das Thema Unfallflucht nach Karambolagen auf Parkplätzen. Rund zehn dieser Straftaten werden der Polizei pro Monat angezeigt. Betroffen ist Taucha auch von einem überregional tätigen Tankbetrüger, nach dem mit Hochdruck gefahndet wird. So habe er allein die beiden Tauchaer Aral-Tankstellen in der Leipziger- und in der Portitzer Straße schon 95 Mal um das Benzingeld geprellt

Die Aufklärungsquote in der Polizeidirektion Leipzig lag 2015 bei 47,6 Prozent, in Taucha bei nur 28 Prozent, was mit der Häufigkeit bestimmter Deliktarten zusammenhängt. So lag Tauchas Quote 2013 noch bei 40,7 Prozent. Von den in Taucha voriges Jahr 982 erfassten Fällen wurden 84 aufgeklärt. Und von den 313 ermittelten Tatverdächtigen stammen 32 nicht aus Deutschland.

Aus den Reihen der Zuhörer wie auch aus der der Stadträte gab es Wortmeldungen, die mehr Personal für die Polizei sowie die Wiedereröffnung des Tauchaer Polizeirevieres forderten. Tenor: Auch die gefühlte Sicherheit ist ein Wert. Palitzsch verwies diesbezüglich auf die Politik und machte keine Hoffnung, dass es wieder ein vollwertiges Tauchaer Polizeirevier wie früher geben wird. Er selbst mache bei vielen Gelegenheiten auf die Personalsituation und die hohe Belastung der Polizeibeamten aufmerksam: „Den Wunsch nach mehr Leuten habe ich auch.“ Immerhin würden in Sachsen bis 2025 1000 neue Polizisten eingestellt. Die ins Leben gerufene Wachpolizei würde zur Entlastung beitragen.

Der Polizeistandort Taucha sei gemessen am Verhältnis von Einsätzen und Straftaten mit drei Bürgerpolizisten und zwei Kriminalisten sowie einem Streifenwagen überaus gut besetzt. „Doch es stimmt, wir sind keine Präsenzpolizei mehr, sondern eine Einsatzpolizei. Wir können nicht ständig überall Präsenz zeigen, aber wenn etwas passiert, dann sind wir da“, versprach Palitzsch. Taucha habe mit Andree Weidner, Regina Birnbaum und Jörg Baumbach drei wirklich gute Bürgerpolzisten, die als Ansprechpartner auch in den Ortsteilen unterwegs seien.

Besucher sprachen auch ein zuletzt in Ortsteilen auftretendes Problem an: organisierte, teils aggressive Bettelei von ausländischen Familien. Auch in solchen Fällen sollte die Polizei gerufen werden, empfahl Palitzsch. Dass das klappt, bestätigte Stadtrat Klaus-Dieter Münch (CDU): „Bei uns in der Steinbruchsiedlung war der Bürgerpolizist schnell da und hat so einen aggressiven Bettler gestellt. Man muss die Polizei auch mal loben.“

Von Olaf Barth

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