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Taucha macht Inventur auf seinen Straßen

Taucha macht Inventur auf seinen Straßen

Ein seltsames Fahrzeug, vollgestopft mit modernster Elektronik, bewegt sich derzeit durch Taucha. Mit dem Tranporter der Technischen Universität (TU) Dresden lässt die Stadt ihre Straßen erfassen – samt Lage, Schäden und Wert.

Taucha. Andreas Gruner ist Vielfahrer von Berufs wegen. Der Mann der TU Dresden hat vorige Woche Meißen komplett vermessen und fotografiert, bevor er am Freitag in Taucha anfangen konnte. Immer im Fahrersitz des Mercedes Vito sitzend, rechts neben sich einen Computerkontrollschirm, um sich herum alles voller surrender Computertechnik, fährt er Straße für Straße der Städte immer in beiden Richtungen ab. Die satellitengestützte Technik um ihn herum macht alle zehn Meter Bilder mit der Stereokamera vorn und jeden Meter ein Bild der Straße hinter ihm. Jedes Bild enthält Angaben vom genauen Standpunkt und der Blickrichtung – ähnlich einem Navigationssystem, nur dass in diesem Fall die Daten millimetergenau erfasst werden und echte Bilder entstehen.

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Voller Elektronik ist der Wagen. Die Scheinwerfer liefern Licht für die Heckkamera.

Quelle:

Ein lückenloses Abbild der Straßen entsteht, mit Fotos, die vom Straßenbaum über die Verkehrsschilder bis zum kaputten Kanaldeckel alles zeigen. „Da kommen leicht etwa 600 Gigabyte Daten am Tag zusammen“, sagt Gruner. Das sind 300 derzeit handelsübliche Speicherchips voller Fotos – täglich!

Für Tauchas Straßenmeister Marco Haferburg sind die Fotos jedoch nur ein Teil der Informationen, die er am Bildschirm in aller Ruhe auswerten kann. Wichtiger für ihn ist die Verknüpfung mit dem Geoinformationssystem (Gis) der Stadt. Das ist eine Art digitaler Stadtplan, der in verschiedenen Schichten übereinander die unterschiedlichsten Daten enthält – vom Flächennutzungsplan über das Straßennetz bis zur Lage jedes einzelnen Einlaufes sind künftig die Informationen am Rechner abgreifbar – und ein Foto zeigt zudem den Zustand des betreffenden Stückchens Stadtbesitz.

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Ulf Herrmann zeigt eine Zeichnung, wie die seit Jahren leer stehende Scheune nach dem Umbau zur Autowerkstatt einmal aussehen soll.

Quelle:

„Wir müssen unser gesamtes Anlagevermögen erfassen“, erklärt Haferburg einen weitgehend unbekannten Fakt. Wie berichtet, müssen alle sächsischen Kommunen ab 2013 ihre Haushalte von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung umstellen. Dann müssen die Rathäuser ähnlich wie Betriebe in Gewinn und Verlust rechnen. Städtisches Vermögen erhält dann einen Zeitwert, der abgeschrieben wird. „Das ist wie eine Art Inventur jetzt“, sagt Haferburg. „Die Erfassung liefert die wesentliche Grundlage dafür.“ Das System könne nach der Befahrung den Wert jeder einzelnen Straße errechnen, erläutert Maik Fenske von der Firma K2-Computer Softwareentwicklung, dessen System Taucha nutzt. Das Wesentliche sei jedoch, dass die Bilder georeferenziert vorlägen, also die genaue Lage jedes Teils genau bekannt sei.

Ein Klick auf ein Stück Straße genügt künftig Haferburg, um mit dem Foto auch die Angaben zu darunter liegenden Stromleitungen, Wasserrohren und anderen Medien abzugreifen. Bauamtsleiterin Barbara Stein hatte angekündigt, die Daten zudem für ein späteres Straßenbauprogramm auswerten zu wollen. Die Stadt könne nach der Bestandsaufnahme besser Schwerpunkte setzen.

Voraussichtlich noch heute wird Gruner durch Taucha kurven – vorausgesetzt, die Straßen sind trocken. „Feuchter Asphalt spiegelt. Dann sind eventuelle Schäden nicht so gut zu erkennen“, erklärt Fenske.

Jörg ter Vehn

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