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Taucha und Schkeuditz gehen gegen unangemeldete Tuner-Treffen vor

„Carfreitag“ Taucha und Schkeuditz gehen gegen unangemeldete Tuner-Treffen vor

Am Osterwochenende wollen sich Fans von getunten Autos aus ganz Mitteldeutschland offenbar zu einem weiteren Treffen im Tauchaer Gewerbegebiet „An der Autobahn“ einfinden. In sozialen Netzwerken firmiert das Ganze unter „Carfreitag“.

Für den 1. April waren in Tauchas Otto-Schmidt-Straße im Gewerbegebiet zusätzliche Halteverbotsschilder aufgestellt worden.

Quelle: Olaf Barth

Taucha/Schkeuditz. Am Osterwochenende wollen sich Fans von getunten Autos aus ganz Mitteldeutschland offenbar zu einem weiteren Treffen im Tauchaer Gewerbegebiet „An der Autobahn“ einfinden. In sozialen Netzwerken firmiert das Ganze unter „Carfreitag“ (Car ist englisch für Auto), wobei die Szene nicht unbedingt auf einen Tag festgelegt sein muss. Wie flexibel sie Ort und Zeit verlegen kann, hatte sich zuletzt am Sonnabend, dem 1. April bei dem von Taucha verbotenen Treffen gezeigt.

„Wir haben Erkenntnisse, dass es über Ostern wieder zu so einem Treffen in Taucha kommen kann. Wir werden Autorennen verhindern“, sagte Tauchas Bürgermeister Tobias Meier (FDP) auf LVZ-Anfrage. Weiteres dazu werde erst am Mittwoch offiziell bekanntgegeben. Am Montag hatten sich Vertreter der Städte Taucha und Schkeuditz sowie des Polizeireviers Leipzig-Nord gemeinsam über das Vorgehen am kommenden Wochenende abgestimmt. Dieses Mal ist eine Allgemeinverfügung gegen so ein Treffen nicht nur für Taucha, sondern wohl auch für den Schkeuditzer Ortsteil Dölzig geplant. Ohne auf konkrete Inhalte einzugehen, bestätigte Helge Fischer aus dem Schkeuditzer Rathaus, dass es eine mit den Beteiligten abgestimmte Allgemeinverfügung geben wird. „Wir werden das Treffen nicht zulassen, die Polizei wird eingreifen“, sagte Fischer .

Bei dem Vorgehen von Polizei und Behörden könnten die Erfahrungen vom 1. April eine Rolle spielen. Für jenen Tag hatten 3500 Auto-Fans ihr Kommen in Taucha angekündigt, weitere 7500 ihr Interesse bekundet. Aufgrund der Ereignisse und Anwohner-Beschwerden vom Vorjahr wollte die Stadtverwaltung vor dem unangemeldeten Treffen nicht die Augen verschließen und erließ eine Allgemeinverfügung, in der das Treffen untersagt wurde. Außerdem wurde im Gewerbegebiet großflächig Halteverbot eingeführt (die LVZ berichtete). Die Polizei sprach an dem Tag Platzverweise aus. Wie berichtet, setzte sich der Autotross dann Richtung Dölziger Gewerbepark und von dort später zum Nova Eventis nach Günthersdorf in Bewegung.

Allerdings war damit die Geschichte für Taucha noch nicht vorbei. Nach einer internen Auswertung des Geschehens im Rathaus lagen Fakten auf dem Tisch, wonach am Sonnabend gegen 21 Uhr doch noch eine Fahrzeug-Flotte versucht hatte, in Taucha zusammenzukommen. Die Polizei hatte aber das Gelände abgeriegelt und nur noch Einheimische passieren lassen. Einige aus der Szene trafen sich mit circa 250 Autos auch am Sonntag im Tauchaer Gewerbegebiet. Dabei sei es zu sehr schnellen Fahrten in der Otto-Schmidt-Straße und über die Kreuzung B 87 gekommen. Ein Tuner habe einen Unfall verursacht, ein 65-Jähriger musste verletzt ins Krankenhaus.

Die Stadt Taucha hatte für das Verbot von der Tuner-Gemeinde viel Kritik einstecken müssen – auch unter der Gürtellinie, wie Meier sagte. Über anderes habe er geschmunzelt: „Einer forderte einen neuen Bürgermeister für Taucha. Der Autofreund stammte aus Gotha in Thüringen. Was uns aber aufbaute und bestätigte, waren viele Wortmeldungen und persönliche Begegnungen mit Tauchaern, in denen uns für die Entscheidung gedankt und der Verwaltung Durchhaltevermögen auch gegen die Beschimpfungen gewünscht wurde“, sagte Meier. Er kritisierte erneut, dass sich niemand von den Tunern als Organisator zu erkennen gibt und die Verantwortung für ein reguläres, angemeldetes Treffen übernehmen will. „Woanders geht es doch auch. Wir wollen niemandem das Hobby vermiesen und sind bereit nach Wegen zu suchen. Aber die Sicherheit für Beteiligte und Unbeteiligte muss gewährleistet und die Verantwortlichkeit geklärt sein“, sagte Meier.

Wie nötig das offenbar ist, zeigt auch ein Schreiben von Anwohnerin Christiane Scherwart an die LVZ. Auch sie dankte der Verwaltung ausdrücklich für das Verbot und schrieb weiter: „Das Treffen 2016 war ein einziges Chaos mit zerfahrenen und stark verunreinigten Grünanlagen, zugeparkten Straßen, aufheulendem Motorenlärm und illegalen Fahrzeugrennen. Für die ausufernde Menge an Fahrzeugen ist dieses Stadtgebiet nicht geeignet. Dazu kommt die Verschmutzung durch Abfälle und Fäkalien (keine Toilettenanlagen von den Organisatoren bereitgestellt). Die wenigsten Beteiligten nehmen ihren Müll wieder mit. Wenn sich die Teilnehmer angeblich nur friedlich mit Freunden treffen wollen (LVZ vom 3. April), können sie das gern in ihren eigenen Straßen oder im freien Gelände tun. Der Karfreitag, für den das nächste Treffen geplant ist, sollte eigentlich ein besinnlicher Feiertag sein. Wir hoffen dass dies auch so wird und die ,Szene’ sich einen passenderen, von Wohngebieten abgelegeneren Ort sucht.“

Inzwischen haben die Städte Taucha und Schkeuditz jeweils eine Allgemeinverfügung getroffen, die das Verbot von Tuning-Treffen zum Inhalt haben. Weder im Tauchaer Gewerbegebiet „An der Autobahn“ noch im Gewerbegebiet „Dölzig West“ dürfen im Zeitraum vom 14. April 0 Uhr bis zum 17. April 24 Uhr Treffen der Auto-Tuner-Szene stattfinden. In der ausführlichen Begründung heißt es dazu unter anderem, dass es Anfang April bei solchen Treffen in Taucha und Dölzig zu erheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gekommen war. Das könne nicht hingenommen werden. Es sei mit rechtsstaatlichen Grundsätzen unvereinbar, dass einzelne Personen durch Begehung von Ordnungswidrigkeiten die Rechte der Allgemeinheit zum eigenen Vorteil verletzen.

Der komplette Wortlaut wurde als „Notbekanntmachung“ in den Schaukästen sowie auf den Internetseiten der Städte veröffentlicht.

Von Olaf Barth

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