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Tauchaer Bäckerei Berthold setzt auf regionale Produkte

40-jähriges Betriebsjubiläum Tauchaer Bäckerei Berthold setzt auf regionale Produkte

Während sich mitten in der Nacht die meisten Mitmenschen noch einmal im Bett auf die andere Seite drehen oder vielleicht noch gar nicht in die Federn gefunden haben, steht Bäckermeister Rainer Berthold schon längst in seiner Tauchaer Backstube in der Manteuffelstraße. 23 Uhr 30 ist für ihn die Nacht zu Ende – und das seit 40 Jahren.

Das Team der Bäckerei Berthold: Die Verkäuferinnen Isolde Schwarzer und Marianne Weiße, Kraftfahrer Wolfgang Kunze, sowie Ilona und Rainer Berthold (vorn von links) und Bäcker Thomas Jentsch, die Verkäuferinnen Claudia Biermann und Vivien Mittelstraß sowie Bäcker David Berthold (hinten von links). Die Konditorin Gabriele Reichert fehlt auf dem Bild.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Während sich mitten in der Nacht die meisten Mitmenschen noch einmal im Bett auf die andere Seite drehen oder vielleicht noch gar nicht in die Federn gefunden haben, steht Bäckermeister Rainer Berthold schon längst in seiner Tauchaer Backstube in der Manteuffelstraße. 23 Uhr 30 ist für ihn die Nacht zu Ende – und das seit 40 Jahren.

Eigentlich kennt der Bäckerei-Chef es gar nicht anders, denn sein Vater und auch sein Großvater hatten in Seifertshain bei Naunhof eine Bäckerei. Die so frühen Arbeitszeiten waren so gut wie normal für ihn. Fast logisch, dass er mit vierzehn Jahren am heimischen Backtrog stand und von 1966 an drei Jahre lang den Bäckerberuf von der Pike auf erlernte. Nach dem Wehrdienst und einer größeren Pause kehrte Berthold in seinen Beruf zurück und arbeitete in der Konditorei Liebethal in Liebertwolkwitz und in der Bäckerei Steuernagel in Holzhausen.

Rainer Berthold sagt, er habe das Bäcker-Gen

Rainer Berthold sagt, er habe das Bäcker-Gen.

Quelle: Reinhard Rädler

Auf der Suche nach etwas anderem war Berthold Holzfäller im Wald und Lagerverwalter im VEB Sprio Holzhausen. In dieser Zeit holte er auch in der Abendschule die 10. Klasse nach. Doch irgendwann regte sich das Bäcker-Gen in ihm, und so folgte der damals 24-Jährige einem Tipp seines ehemaligen Arbeitgebers Liebethal und übernahm das leerstehende Geschäft der ehemaligen Bäcker Kahnt beziehungsweise Beil in Taucha. „Ich hatte keine Zeit, lange zu überlegen, denn wenn ein Backofen länger als zwei Jahre kalt ist, kann er nicht mehr benutzt werden“, erinnerte er sich heute.

Am 1. März 1976 war er dann einer von zehn Bäckern in Taucha. Die Vielzahl der Bäckereien war nicht das Problem, um genügend Umsatz zu machen, vielmehr war es die in der damaligen Planwirtschaft übliche Zuteilung der Grundstoffe, von „Exoten“ wie Mandeln, Rosinen oder Nüssen ganz zu schweigen. „Wir haben uns auch schon mal unerlaubterweise Zucker und andere Sachen im Konsum besorgt, damit wir weiter backen konnten, wenn uns der Großhandel wieder mal zu knapp zugeteilt hatte.

Schon zu DDR-Zeiten lief das Geschäft gut

„Der Trabi ging ganz schön in die Knie bei unseren Beschaffungstouren“, erinnert sich Berthold und lacht. „Erdbeeren und anderes Obst haben wir damals selbst geputzt und auf Vorrat eingefroren. Komisch: Irgendwas fehlte immer, aber es ging trotzdem irgendwie immer weiter“, staunt der 64-Jährige noch heute. Das Geschäft lief gut, denn die Belegschaft des gegenüberliegenden Bodenbearbeitungsgerätewerkes (BBG) zählte mit zu den besten Kunden. Und lange Schlangen waren am Sonnabendmorgen beim Bäcker sowieso überall üblich. Auch andere Betriebs-Kantinen wurden mit Bertholds Backwaren beliefert.

„In der Wendezeit hatten wir eine gewaltige Durststrecke. Die Leute probierten erst einmal das Überangebot der westlichen Großbäckereien in den Supermärkten“, blickte er zurück. Der Versuch, die neuen Backwaren mit Fertigmischungen und -rohlingen nachzumachen, funktionierte nicht, „denn das schmeckte ja am Ende genauso wie im Supermarkt und billiger war es auch nicht“. Also zurück zu den alten Rezepturen und regionalen Produkten. Sauerteig wurde angesetzt und für die Kuchen wurde der Pudding selbst angerührt und gekocht. Auch die Kunden hatten von den „Luftbrötchen“ genug und kehrten zurück zur traditionellen Backkunst.

Mehl aus Niederwiesa, Margarine aus Gera

Wir achten sehr auf regionale Produkte, sie bestimmen den Geschmack“, so Berthold. „Mehl kommt aus Niederwiesa, die Margarine aus Gera und vieles vom Großhandel aus Krostitz“. Zehn verschiedene Brot- und Brötchensorten gehen über die Ladentheke in der Manteuffelstraße, und von Dienstag bis Freitag ist Claudia Biermann mit dem Verkaufswagen auf den Wochenmärkten in Taucha, Eilenburg und Liebertwolkwitz unterwegs. „Dienstags gibt’s bei uns herzhaftes Treberbrot, dessen Grundstoff beim Bierbrauen anfällt“, gibt der Meister einen Geheimtipp. Große Unterstützung findet Berthold in seinem zehnköpfigen Team, zum dem auch Ehefrau Ilona und Sohn David gehören. „Den Umgang untereinander, die Bereitschaft, jederzeit anzupacken, kann sich jeder Chef nur wünschen: Geht nicht, gibt’s bei ihnen nicht“, ist er des Lobes voll.

Gibt es trotz der ungewöhnlichen Arbeitszeiten noch Raum für Hobbys? „Wenn wir am Samstag den Laden schließen, geht es in unseren Garten nach Grimma, wo 100 Tomatenpflanzen, Kohlrabi und Kartoffeln und noch viel mehr auf uns warten. Das ist ein schöner Ausgleich“, schwärmt Berthold. „Vielleicht wird das mal unser Altersruhesitz, aber ob das dann als Alltagsbeschäftigung ausreicht“, ist er sich nicht so sicher, denn ans Aufhören in der Backstube mag er noch lange nicht denken: „So gut, wie jetzt, hat mir mein Beruf lange nicht gefallen.“

Von Reinhard Rädler

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