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Taucha Tauchaer Bürger können jetzt die neue B 87 selbst mit planen
Region Taucha Tauchaer Bürger können jetzt die neue B 87 selbst mit planen
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10:11 09.10.2018
Moderatorin Julia Fielitz lässt am Mikrofon viele Besucher zu Wort kommen, die zum Thema B 87 Fragen haben oder erste Anregungen und Hinweise geben. Quelle: Foto: Olaf Barth
Taucha

Der Freistaat Sachsen betritt in Taucha Neuland. Das in einer Sackgasse steckende und deshalb gestoppte Verfahren für den Bau einer neuen B 87 im Bereich Taucha wird jetzt unter breiter Bürgerbeteiligung wieder aufgenommen. In einer solch frühen Planungsphase gab es das bisher noch nicht. Nun sitzen Anwohner und Bürgerinitiativen von Anfang an mit am Tisch der Planer. In knapp einem Jahr soll ein Kompromiss für den möglichen Trassenverlauf vorliegen.

Rund 150 Besucher waren am Freitagabend in die Grundschule „Am Park“ gekommen, um sich über den aktuellen Planungsstand zur B 87 neu  und das angekündigte Beteiligungsverfahren zu informieren. Eingeladen hatte die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau gmbH (Deges). Die baut zwar nicht selbst, verantwortet aber als Management das Infrastrukturprojekt im Auftrag des Bundes und des Freistaats Sachsen und vergibt die entsprechenden Aufträge, wie der zuständige Deges-Projektleiter Werner Breinig erklärte. „Es gibt keine Geheimnisse, wir legen alles auf den Tisch und sorgen für absolute Transparenz in diesem Verfahren“, sagte der 49-Jährige und lud nachdrücklich alle Interessenten ein, sich am Verfahren zu beteiligen und laufend darüber zu informieren. Alle an dem Abend vorgestellten Präsentationen würden ab sofort auch online zum Nachlesen zur Verfügung stehen.

Verkehr ist „alltäglicher Irrsinn“

Als professionelles Moderatorengespann sorgten Oliver Märker und Julia Fielitz von der Agentur „Zebralog“ dafür, dass Besucher der Veranstaltung ausgewogen zu Wort kamen und keine Frage unbeantwortet blieb. Und sie sorgten von vornherein ebenso für eine offene und gesprächsfreundliche Atmosphäre. Dazu trug auch Breinig selbst seinen Teil bei. Freimütig gab er zu: „Es wurde so viele Jahre geplant, es gab reichlich ,emotionalen Sprengstoff’, sodass wir davon ausgehen, dass auch ein neuerlicher Versuch am Schreibtisch zu nichts führt. Deshalb gehen wir jetzt diesen Weg des Dialogs.“

Diese Vorgehensweise kam im Publikum an und sorgte für Beifall. Kritische Anmerkungen zum bevorstehenden Bau und zum Geschehen der letzten Jahre gab es ebenso. So sprach der direkt an der B 87 im ehemaligen E-Werk wohnende Thomas Kabelitz vom alltäglichen „Irrsinn“ auf der Bundesstraße und bezog die Staus an der provisorischen Fußgängerampel mit ein. „Naturschutz ist ja gut, aber was ist mit dem Gesundheitsschutz für die Anwohner?“, fragte der 60-Jährige und erhielt Beifall. Ein Jesewitzer forderte, nicht nur die B 87-Probleme in Taucha, sondern auch die des Nachbarortes im Blick zu haben, wenn eine neue Trasse gebaut wird.

Nord- und Südvariante entlastet kaum

Breinig stellte klar, dass es noch keine bevorzugte Variante für eine neue Trasse gibt, sondern diese nun erst unter Beteiligung der Öffentlichkeit in sogenannten Planungswerkstätten gefunden werden soll. Allerdings teilte er auch mit, dass zumindest der „Mittel-Korridor“ für eine künftige neue Linienführung durch oder knapp neben Taucha favorisiert ist. Denn die Alternativen, eine weiträumige nördliche oder südliche Umgehung Tauchas, würde auf der jetzigen B 87 nachweislich für nur wenig Entlastung sorgen.

Dass aber Taucha vom Durchgangsverkehr entlastet werden muss und die täglichen Staus aufhören müssen, darin schienen sich alle Teilnehmer trotz unterschiedlicher Interessenlagen weitestgehend einig. „Ich habe das erste Mal bei so einem Projekt das Gefühl, dass ich als Bürger ernst genommen werde. Ich finde die Veranstaltung ausgezeichnet, das hätte es schon viel eher geben müssen, es ist der einzig sinnvolle Weg zu einer Lösung“, sagte der Tauchaer Mathias Bretschneider (73).

Vier Planungswerkstätten

Neben Vertretern aus Naturschutzverbänden, Bürgerinitiativen, Behörden und der Wirtschaft sollen neben den Planungsexperten auch zehn Einwohner mit am Tisch sitzen, die zu keiner der erwähnten Gruppen gehören. Das Interesse dafür war groß, sodass die vorbereitete „Auslosungsbox“ tatsächlich zum Einsatz kam. Sortiert nach Alter und Geschlecht konnten die Interessenten ihre Namenszettel in den entsprechenden Schlitz werfen. Denn jede Bevölkerungsgruppe und alle Sichtweisen sollten vertreten sein.

Zu den Ausgelosten, die nun an den vier nichtöffentlichen Planungswerkstätten teilnehmen können, gehört auch der Tauchaer Dirk Lange. „Ich will helfen, dass es mit der B 87 endlich vorwärts geht. Jeder redet drüber, aber keiner kennt die Hintergründe, warum das Ganze so lange dauert. Jetzt kann sich jeder selbst informieren“, lobt auch der 46-jährige IT-Techniker das Verfahren. Alle Interessenten können sich auch im Internet jederzeit über den Stand des Verfahrens informieren.

Bis zum Sommer 2019 soll nun ein Vorschlag für die Linienführung einer künftigen neuen B 87 erarbeitet werden. „Ein Wunschkonzert wird es dennoch nicht, denn der Bund finanziert das nur, wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis stimmt. Wir haben aber eine echte Chance, wenn wir eine Lösung finden, die von einer breiten Mehrheit mitgetragen wird“, sagte Breinig. Gelinge das nicht, könnte es auch zur „Nullvariante“ kommen. Das hieße, es bleibt alles wie es ist, und das Verkehrschaos in Taucha bleibt bestehen.

www.b87-im-dialog.de

Von Olaf Barth

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