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Taucha Tauchaer Bürgermeister: „Anderswo haben Kommunen mehr Geld“
Region Taucha Tauchaer Bürgermeister: „Anderswo haben Kommunen mehr Geld“
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00:17 31.07.2018
Der große Schöppenteich ist auch für Tauchas Bürgermeister Tobias Meier ein idyllischer Ort, um mal die Seele baumeln zu lassen. Quelle: Olaf Barth
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Taucha

Sachsens Gebietsreform vor zehn Jahren gebar den oft auch als Bananenkreis bezeichneten Landkreis Nordsachsen. Ein Grund zum Feiern?

Feiern ist nicht das richtige Wort. Wir gehören wie jede nicht-kreisfreie Kommune in Deutschland einem Landkreis an, der uns Aufgaben abnimmt, die wir nicht leisten können oder dürfen. Bei uns heißt dieser Landkreis Nordsachsen. Das Zusammenwachsen zwischen den ehemaligen Kreisen Torgau-Oschatz und Delitzsch-Eilenburg ist auf vielen Gebieten schon ganz gut gelungen.

Fanden Sie das Ergebnis mit dem Flächenzuschnitt damals eine glückliche Konstellation?

Mir persönlich hätte für Taucha ein erweiterter Kragenkreis um Leipzig besser gefallen, ähnlich dem Kreis Leipziger Land der 90er-Jahre. Ich denke, dass so eine bessere regionale Interessenvertretung möglich gewesen wäre, weil die Kommunen im Speckgürtel die Nähe zu Leipzig eint – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Außerdem hätten wir so sicherlich auch eine bessere Mobilität der Bürger in Bezug auf die Inanspruchnahme der Dienstleistungen seitens der Landkreisverwaltung sichergestellt. Aber das ist Schnee von gestern. Wir machen das Beste daraus.

Landkreis fördert Nahverkehr

Die sich selbst eher Leipzig zugeneigt zeigenden Tauchaer werden seitdem von Torgau regiert. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Tauchaer als „Nordsachen“ fühlen und mit dem Landkreis identifizieren?

Ich persönlich kenne keine Bürger, die sich explizit als Nordsachsen bezeichnen. In erster Linie sind wir Tauchaer und dann Sachsen. Auch wird hier nicht von Torgau aus regiert. Zuerst gilt die kommunale Selbstverwaltung, ausführend die Stadtverwaltung und bestimmend unser Stadtrat. Für übergeordnete Aufgaben ist der Landrat mit seinem Team zuständig.

Wo hat dieser Landkreis seine Stärken?

Da möchte ich zuallererst die enge Zusammenarbeit mit dem Landrat hervorheben. Kai Emanuel verfolgt den Weg, die Kommunen Nordsachsens enger zu verknüpfen. Der öffentliche Nahverkehr wird stark durch den Landkreis gefördert. Hier ist insbesondere auch unsere Straßenbahnlinie, die seit mittlerweile 91 Jahren Taucha mit Leipzig verbindet, hervorzuheben. Durch europaweite Ausschreibungen konnten die Müllgebühren im Altkreis Delitzsch-Eilenburg gesenkt werden. Das kommt allen Bürgern zugute. Es befinden sich Außenstellen der Kreismusikschule und der Volkshochschule in Taucha – das sind wichtige Bausteine für die musikalische Ausbildung sowie die Erwachsenenbildung. Weiterhin betätigt sich der Kreis als Träger des Gymnasiums und realisiert aktuell gemeinsam mit der Stadt Taucha den Ausbau der Außenstelle am Kirchplatz.

Wir sind eine spannende Kommune

Und wo sehen Sie die Schwächen des Konstrukts?

Negativ sind die großen Entfernungen innerhalb des Kreises. Für die An- oder Ummeldung eines Autos müssen die Bürger nach Delitzsch oder Torgau, für eine Vaterschaftsanerkennung nach Oschatz. Das sind ohne Auto Tagesreisen. Weitere Schwächen sehe ich in der niedrigen Finanzausstattung und der geringen Wirtschaftskraft im gesamten Landkreis. Hier fehlt Geld, das wir dringend für Investitionen benötigen.

Welchen Stellenwert hat das großstadtnahe Taucha in diesem bis nach Torgau und Oschatz reichenden Flächenkreis?

Ich denke, dass wir eine spannende Kommune für den Landkreis sind. Wir sind zwar flächenmäßig die kleinste, aber auch die mit Abstand am dichtesten bevölkerte Kommune. Wir sind ein wichtiger Partner durch unsere Wirtschaftskraft und durch unsere Einwohnerzahl, sowie als Tor zu Leipzig.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie als langjähriger Kommunalpolitiker mit dem Kreisgebilde beziehungsweise mit der Kreisverwaltung gemacht?

Wir pflegen eine enge, konstruktive Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden und mit dem Landratsamt, insbesondere dem Landrat, welcher immer ein offenes Ohr hat und jederzeit für uns ansprechbar ist. Ich bin stolz auf die gute, gegenseitige Kommunikation. Positiv finde ich bisher die jährliche Verteilung der finanziellen Mittel bezüglich der Feuerwehr. Bei der Bewältigung der Unterbringung der dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge 2015/2016 war das Landratsamt ein verlässlicher Partner, der gemeinsam mit den Kommunen diese Ausnahmesituation, auch gegenüber anderen Landkreisen und kreisfreien Städten, sehr gut gemeistert hat. Wo gearbeitet wird, da fallen natürlich aber auch Späne. Der Landrat ist in einer schwierigen Situation. Er hat einige Mitarbeiter in führenden Positionen in den Ruhestand verabschiedet. Hier müssen sich neue Mitarbeiter erst einarbeiten. Das ist kein Problem. Wo gesprochen wird, da finden sich Lösungen.

Zweithöchste Kreisumlage in Sachsen

Welche Vorteile sehen Sie, Bestandteil dieses Landkreises zu sein, welche Nachteile?

Einige Vorteile habe ich schon aufgeführt. Aus der Unterschiedlichkeit der Region müssen wir aktiver unsere Stärken hervorstellen. Von dem prosperierenden Leipziger Nordraum, über die landschaftlich reizvolle Dübener Heide bis hin zum Wermsdorfer Forst und der historisch wertvollen Renaissancestadt Torgau gibt es viel zu entdecken. Als Nachteil sehe ich, dass wir die zweithöchste Kreisumlage von ganz Sachsen haben. Das heißt, dass der jährliche Zuschuss, den die Gemeinden an den Landkreis leisten, sehr hoch ist. Diese Mittel stehen uns dann für notwendige Vorhaben nicht zur Verfügung. In anderen Kreisen haben die Gemeinden mehr Geld. Hier liegt es aber am Freistaat, den Landkreis stärker mit Finanzmitteln auszustatten.

Die Interessen- und Problemlagen von Taucha und Schkeuditz dürften aufgrund der Nachbarschaft zu Leipzig und den sich daraus ergebenden engen strukturellen Verflechtungen mit der Messestadt oft etwas anders gelagert sein als die der meisten anderen Kommunen im Kreis. Wie verschafft sich da Taucha in der Verwaltung und im Kreistag Gehör?

Beim Kreistag ist das über die gewählten Kreistagsabgeordneten möglich. Bei der Verwaltung erreichen wir das über den direkten Draht zu den Dezernaten, zum Landrat und über den Kreisverband des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Auch wird versucht, durch die engen Abstimmungen der Gemeinden mit dem Landratsamt, den Kreis Nordsachsen als Ganzes zu entwickeln. Dabei ist selbstverständlich, dass jeder Bürgermeister einen gewissen Lokalpatriotismus an den Tag legt.

Wünsche mir bei B 87 Entlastung für Taucha

Gibt es Absprachen oder abgestimmtes Vorgehen mit Schkeuditzer Rathaus-Kollegen und/oder Kommunalpolitikern?

Natürlich. Ob bei Zweckverbänden oder anderen fachspezifischen Beratungen, da hat man gute Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen. Mit meinem Schkeuditzer Kollegen Rayk Bergner erfolgt ein intensiver Austausch, genau wie mit den Kollegen aus Eilenburg, Rackwitz und Jesewitz.

Wie sehen Sie angesichts der demografischen Entwicklung die Zukunft des Landkreises?

Es gibt auch im Landkreis einen Trend zur Verstädterung; gerade entlang der S-Bahn-Strecken. Dadurch wird es für die Gemeinden im ländlichen Raum nicht einfacher, ihre Potenziale zu heben. Auf uns in Taucha kommen durch die Nähe zu Leipzig Aufgaben zu, die ohne Hilfen kaum stemmbar sind. Wir müssen aufpassen, dass wir auch in Zukunft eine gute Balance zwischen den alteingesessenen und den neuen Einwohnern mit unseren Standortfaktoren wie Schulen und Freizeiteinrichtungen erhalten.

Was wünscht der Tauchaer Bürgermeister dem Landkreis in den nächsten zehn Jahren?

Ich wünsche mir eine gute Entwicklung in der Infrastruktur. Aus Tauchaer Sicht vor allem bei der B 87 für die Entlastung in Taucha, aber auch als Lebensader in Nordsachsen für die anschließenden Gemeinden bis hin nach Brandenburg. Andere Wünsche sind der stetige Ausbau des guten ÖPNV-Angebots im Bereich der S-Bahn, des Busfahrplans und auch der Erhalt unserer Straßenbahnlinie 3 nach Leipzig. Mit Kreativität und dem Blick über Gesetze und Verordnungen hinaus lässt sich viel für den Landkreis erreichen.

Wie lange wird es den Landkreis in diesem Flächenzuschnitt noch geben, wie stabil ist dieses von Politikern erdachte Gebilde?

Ich sehe momentan keine Veränderung. Auch aus dem Landtag in Dresden gibt es keine Signale in diese Richtung.

Neue Parkplätze in der Innenstadt

Welche Vorhaben möchte der Bürgermeister in den nächsten Wochen und Monaten für die Entwicklung der Parthe­stadt angehen oder abschließen?

Wir stecken aktuell in der Vergabe für den Anbau der Regenbogen-Grundschule. Der Start der Baumaßnahmen soll noch in diesem Jahr erfolgen. Neben dem Neubau der Kindertageseinrichtung an der Eilenburger Straße suchen wir aktuell noch einen Standort für einen zusätzlichen Neubau oder eine Erweiterung einer bestehenden Kita. Am letzten Wochenende im August wollen wir dann gemeinsam unser Stadtfest feiern, das aber auch viel Anstrengung in der Vorbereitung sowohl bei Vereinen, Organisatoren und Stadtverwaltung kostet. Unmittelbar nach dem Tauchschen beginnt der Bau von zusätzlichen Stellplätzen in der Innenstadt auf der Leipziger Straße, zwischen Schloßstraße und Marktplatz. Diese sollen als Kurzzeitparkplätze die Attraktivität der Innenstadt für die Kunden der örtlichen Gewerbetreibenden erhöhen. Außerdem wird dieses Jahr noch der Fußweg an der Leipziger Straße zwischen Südstraße und Freiligrathstraße saniert.

Was möchte der Rathauschef den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt ans Herz legen, was wünscht er sich von ihnen?

Bitte bewahren Sie bei der Hitze einen kühlen Kopf – ob privat, im Beruf oder bei den vielen baulichen Aktivitäten im Stadtgebiet. Ich wünsche mir, dass sich weiterhin viele Tauchaer für ihre Stadt einsetzen. Sei es in Vereinen, den Kirchen, der Feuerwehr, Interessengemeinschaften oder in der nachbarschaftlichen Hilfe.

Von Olaf Barth

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