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Taucha Tauchaer Schneiderin näht für Rolandsbrüder
Region Taucha Tauchaer Schneiderin näht für Rolandsbrüder
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15:50 19.05.2015
Ingrid Tischler passt dem Wandergesellen Simon Laudan die neue Kluft an. Es ist die erste, die sie für einen Rolandsbruder schneidert. Mehr Erfahrung hat sie bereits mit historischen Vorbildern nachempfundenen Kleidern, die sie zum Beispiel für den Schlossverein näht. Quelle: Olaf Barth

Auch für die Anzugsordnung gibt es Vorgaben, die nur von wenigen Schneidern fachgerecht umgesetzt werden können. In Taucha hat sich jetzt Ingrid Tischler dieser Aufgabe angenommen.

Simon Laudan schaut immer wieder kritisch nach unten. Sitzen die Knöpfe richtig? Sind die Taschen fest angenäht? Befinden sich die blauen Biesen, die Samtstreifen, an den richtigen Stellen? Fällt der Hosenschlag exakt? - Der 21-Jährige ist dabei nicht allein von Eitelkeit getrieben. Vielmehr will der junge Rolandsbruder bei der Anzugsordnung keinen Fehler machen. Aber natürlich will der Zimmermann auch gut aussehen und stolz sein können, wenn er weißes Hemd, blaue Ehrbarkeit (Krawatte) sowie die aus dem schwarzen Cordstoff bestehenden Weste, Hose und Jacke überstreift. "Die Hose sitzt tipp topp", lobt er. Nur die blauen Streifen an den Hosenbeinen scheinen unterschiedliche Farbschattierungen zu haben. Woran das liegt? "Da habe ich wohl nicht aufgepasst. Das ist Samt, wenn man ihn in unterschiedliche Richtungen streicht und annäht, reflektiert er das Licht unterschiedlich. Das muss ich abtrennen und neu annähen", erklärt Tischler. Blau (Treue) ist die Farbe des 1891 in Nürnberg gegründeten Rolandschachtes. Dessen Leipziger Gesellschaft wurde im Frühjahr 1911 gegründet. Andere Gesellenvereinigungen und Bruderschaften haben andere Farben.

Es wird wieder eine lange Nacht für Tischler. Denn der junge Mann aus Garbsen bei Hannover will am nächsten Tag weiter ziehen, mit seiner neuen Kluft. Irland ist sein nächstes Ziel. Tischler ist dennoch die Ruhe in Person. "Das war mir klar, dass das anstrengend wird. Es ist mein erster Versuch und ich bin froh, dass mir ein Geselle das Vertrauen schenkt. Ich mag Herausforderungen und habe in den letzten anderthalb Monaten so viel gelernt bei dieser Kluft, obwohl ich schon 30 Jahre nähe. Beim nächsten mal wird es etwas leichter von der Hand gehen", glaubt die 46-Jährige. Wobei "leicht" relativ ist. Das Material der Zunftkleidung ist Trenkercord, mit 550 Gramm je Quadratmeter ein sehr stabiler, schwerer Stoff. Entsprechend schwer ist er zu verarbeiten.

"Es gibt nur fünf Schneider in Deutschland, die das können. Der einzige in Sachsen, der aber allmählich in die Jahre kommt, befindet sich in Nossen. Weitere Kluftschneider finden sich in Hamburg", erklärt Matthias Kluge. Der 35-Jährige ist für die Rolandsbrüder Herbergsvater und empfängt sie im ehemaligen Gasthaus Zur Linde in Taucha-Cradefeld. Seit Jahrzehnten ist dort ein Anlaufpunkt für die Wandergesellen vom Rolandschacht. Hier wird einander geholfen, Geselligkeit gepflegt und auch "aufgeklopft". Das ist ein nur Mitgliedern zugängliches, rustikales Ritual, bei dem Wandergesellen das linke Ohrläppchen für den Ring durchstochen wird.

"In einem Heimatort des Rolandschachtes sollten die Gesellen auch jemanden finden, der ihnen eine maßgeschneiderte Kluft anfertigen kann. Ich habe gesucht und bin dann Ingrid empfohlen worden", erzählt Kluge. Der Zimmermann war natürlich selbst auf Wanderschaft und berät nun den jungen Gesellen. Der tritt hin und wieder auf den 95 Zentimeter breiten Hosenschlag, da muss noch etwas gekürzt werden. Doch alles in allem fällt Simon Laudans Urteil überaus positiv aus: "Ich bin zufrieden. Es ist ihre erste Kluft, und für mich ist es ebenfalls die erste maßgeschneiderte Kluft. Frau Tischler hat viel gelernt, ich würde sie auf jeden Fall weiterempfehlen." Er spricht mit Respekt vor dem Handwerk der Schneiderin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.09.2013

Olaf Barth

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