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Taucha Tauchaer Stadträte äußern sich zum Verlustgeschäft im Rathaus
Region Taucha Tauchaer Stadträte äußern sich zum Verlustgeschäft im Rathaus
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09:15 12.08.2016
Im Tauchaer Rathaus sind jetzt die Wirtschaftsprüfer am Zug. Quelle: Olaf Barth
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Taucha

Die zu Wochenbeginn öffentlich gemachten Tauchaer Finanzgeschäfte beschäftigen bereits seit vergangenen Donnerstag die Stadtratsfraktionen. Deren Vorsitzende waren noch am selben Tag von Bürgermeister Tobias Meier (FDP) informiert worden, an dem auch er durch Kämmerer Thomas Sauer von dejetzt beurlaubten Personen sowie darüber, dass sie nicht eher informierten, obwohl sie bereits im Februar vom drohenden Schaden ausgehen mussten.

„Es ist für Taucha eine ganz schlimme Sache, dass nun so eine Riesensumme fehlt. Ich hatte für den Kämmerer eine hohe Wertschätzung, da er immer fachlich kompetent und sehr sachlich informierte. Um so mehr nehme ich ihm jetzt übel, dass er in diesem Punkt, selbst als das Kind schon in den Brunnen gefallen war, seine Informationspflicht so vernachlässigt hat und das Angebot des neuen Bürgermeisters für eine gute Zusammenarbeit auf einer vertrauensvollen Basis offensichtlich nicht angenommen hat“, sagte Linken-Fraktionschef Jürgen Ullrich (64). Wichtig war ihm noch die Feststellung, dass den Bürgermeister keine Schuld triff: „Ich hoffe, dass er die schwierige Situation durchsteht. Unseren Rückhalt hat er.“ Der 38-jährige Meier war voriges Jahr als Kandidat eines Wahlbündnisses aus SPD, Linke, FDP und Grüne zum Bürgermeister gewählt worden.

Krahnert: „Arglistig getäuscht“

Enttäuscht ist auch Jürgen Krahnert (FDP) von der Fraktion FDP/Grüne: „Das ist ein Schlag in die Magengrube, von dem man sich nicht so schnell erholt. Herr Sauer hatte mit seiner Sachkompetenz einen relativ hohen Stellenwert. Doch das Bild trübt sich nun.“ Es sei nicht unüblich, dass Kämmerer für die Kommunen liquide Mittel in Geldinstituten parken und dabei auf die Zinsen schauen, was aber angesichts der aktuellen Zinslage auch ein Dilemma sei.

Aber dass er deshalb als Fachkraft in Spekulation auf hohe Zinsen mit Steuergeld riskante Bank-Geschäfte tätigte, sei einfach nur enttäuschend. „Kredit-Geschäfte werden im Finanzausschuss vorgestellt, doch dieser konkrete Vorgang blieb unerwähnt, wir fühlen uns arglistig getäuscht“, meinte Krahnert. Und für die seit Februar nicht erfolgte Information habe er überhaupt kein Verständnis. Das treffe auch auf Sauers Stellvertreterin zu: „Wenn sie schon mit einem komischen Bauchgefühl und ohne innere Überzeugung das Geld überwiesen hat, warum hat sie sich dann nicht schon viel eher vertrauensvoll mitgeteilt?“ Nun müsse abgewartet werden, ob auch privat Gelder geflossen sind, er hoffe nicht, so Krahnert.

Der Grünen-Abgeordnete Axel Weinert (41), der derzeit die Fraktion anführt, ehe er diese Funktion nach halber Legislaturperiode an Krahnert abtritt, meinte nur kurz: „Es gibt eine Pressemitteilung, alles andere wird folgen. Wir müssen die Ermittlungen abwarten.“

Bruske: „Blauäugiges Geschäft“

Jens Bruske (CDU), einer der beiden stellvertretenden Bürgermeister, ist enttäuscht vom alleinigen Handeln der beiden Personen, sagte der 49-Jährige und fuhr fort:. „Der Verlust hat Folgen für den Haushalt 2017. Da muss man sehen, was an freiwilligen Aufgaben noch zu leisten ist.“ Momentan müsse man sich in Geduld üben und abwarten, was die Wirtschaftsprüfer alles herausfinden und welche Empfehlungen die Anwälte geben. Bruske bezeichnete Sauers Vorgehen als „blauäugiges Geschäft“. Nun müsse ein Strafantrag gestellt werden, damit die Staatsanwaltschaft ermitteln kann. Über all das werde nun auch im nichtöffentlichen Teil der heutigen Stadtratssitzung sowie im Ältestenrat gesprochen.

Für SPD-Fraktionschef Christoph Heinzerling sind die Finanzgeschäfte eine „Katastrophe“. Er befürchte einen hohen Vertrauensverlust in der Bevölkerung. „Da wollte wohl jemand was für seinen beruflichen Lebenslauf tun und mehr als 0,1 Prozent Zinsen raus holen. Doch mit Steuergeld ins Risiko zu gehen, darf nicht passieren. Die Regularien, die das verhindern
sollen, wurden ausgehebelt. Statt sich gegenseitig zu kontrollieren, haben Kämmerer und Stellvertreterin in der Sache zusammengearbeitet“, meinte der 59-Jährige. Nun seien die Rücklagen der Stadt zwar zusätzlich angegriffen, doch die durch konsequente Haushaltsführung über Jahre erarbeitete Handlungsfähigkeit bleibe erhalten.

Von Olaf Barth

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