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Tauchaer betreibt Niederlassung in China

Tauchaer betreibt Niederlassung in China

Für eine Unterschrift mit Stempel muss René Werner schon mal eine Strecke von etwa 8500 Kilometer Luftlinie zurücklegen. So weit ist es von Taucha nach Shanghai in China, wo der Unternehmer mit seiner Gordemitzer Firma Bauverfugung GmbH mittlerweile seit zehn Jahren eine Niederlassung betreibt.

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Die Produkte und die Arbeit von René Werner werden in China geschätzt.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Werner ist dabei bodenständig geblieben.

In Taucha ist Werner nicht unbekannt: Seit fast drei Jahren betreibt er dort das Restaurant "Bowlingdschungel". Als Vorsitzender des Heimatvereins ist er momentan mit der Organisation des Festumzuges zum Stadtfest Tauchscher in der Parthestadt beschäftigt. Doch agil und umtriebig ist Werner auch andernorts.

"Am 27. April 2004 war ich mit meiner Firma das erste Mal in China vor Ort", blicke der 47-Jährige auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. Zuvor hatte Werner sich gründlich auf sein neues Aufgabenfeld vorbereitet, bekam dabei Hilfe und Beratung von der Handwerkskammer. Ein Geschäftsfreund, der schon in China agierte, weihte ihn mit Tipps und Hinweisen, wie im Reich der Mitte Geschäfte abgewickelt werden, in die Geplogenheiten ein. Außerdem konnte er über die Außenhandelskammer in Shanghai Kontakte knüpfen. "Ganz wichtig war es, zu wissen", spricht Werner aus Erfahrung, "dass der Chinese nur mit dem Chef des Unternehmens Geschäfte macht. Ein Stellvertreter wird einfach nicht akzeptiert". Nach landestypischer Sitte erfolgen Abschlüsse immer bei einem Geschäftsessen. "Heute ist es, dank multimedialer Möglichkeiten, zwar einfach, von Deutschland aus mit meinem Büro in Shanghai zu kommunizieren", so der Bauexperte, "aber wenn es konkret wird, bestehen meine Geschäftspartner auf Original-Unterschrift und Stempel und den Handschlag zum Vertragsabschluss". Also fliegt er mit dem Kuli im Jackett und dem Stempel im Koffer jeden Monat in 13 Stunden über Paris und Amsterdam nach Shanghai.

Am Anfang führte er nicht nur das Abdichtmaterial nach China ein sondern verarbeitete es auch vor Ort selbst. "In der ersten Zeit habe ich das Material sogar mit dem Koffer im Handgepäck mitgenommen und dafür auf persönliche Sachen verzichtet", lacht Werner heute, "Jetzt ist das fünf Tage nach der Bestellung per Luftfracht in China". 3000 laufende Meter Spezialprofile gehen so pro Jahr auf die Reise.

Sein erster Auftrag war das Abdichten einer Kläranlage. Mitarbeiter Bernd Rossa war damals dabei und erinnerte sich an den kolossalen Unterschied der Arbeitsweisen seiner chinesischen Hilfskräfte: "Jede Menge Leute waren auf der Baustelle, für jeden Handgriff war ein anderer zuständig. Dabei benutzten sie primitives Werkzeug und Transportmittel" erinnert er sich. "Für uns war es das absolute Chaos, aber am nächsten Tag war alles so, wie wir es brauchten". An das Essen mag er heute noch nicht gerne denken. "Was wir gegessen haben, weiß ich bis heute nicht so genau. Zuletzt war mir alles egal, am Ende schmeckte alles gleich scharf".

Mit zwei Partnerschaftsunternehmen in Shanghai und einem in Hongkong arbeitet René Werner heute zusammen. "Es gibt jetzt festes Stammpersonal, das verlässliche Qualitätsarbeit nach unseren Vorgaben leistet, so dass auch die Aufträge immer lukrativer geworden sind", berichtete er. Mit dem Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes der chinesischen Eisenbahn würden zum Beispiel auch viele Unterführungen gebaut, die seine Firma abdichtet.

Aber auch auf andere Weise ist René Werner in China kein Unbekannter: Ein Germanistikprofessor bereitet in einem chinesischen Deutschlehrbuch seine Studenten auf Einsätze auf Messen vor. Anhand von Situationen am Messestand der Firma Bauverfugung können die Studenten "Beratungsgespräche von Herrn Werner mit seinen Geschäftspartnern" üben. Und noch ein weiteres Buch ist in Vorbereitung, in dem Professor Wang Tie-Mong, ein Spezialist für Statik, die Technologien für Riss- und Fugensanierung auf der Grundlage der Arbeitsweisen von René Werners Firma, natürlich in chinesischer Schrift, beschreibt.

Dass René Werner als Geschäftsmann in China angekommen und anerkannt ist, beweist auch, dass er mittlerweile selbst Unternehmen aus Sachsen-Anhalt bei ihrem Einstieg in das chinesische Geschäftsleben berät.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2014
Reinhard Rädler

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