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Taucha Tauchaer erscheint in chinesischem Lehrbuch
Region Taucha Tauchaer erscheint in chinesischem Lehrbuch
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06:00 23.07.2010
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Taucha

Bauverfugung heißt ihr Metier.

Klar ist dabei auch, das nicht unbedingt Silikon aus der Tube benutzt wird. Vielmehr gleicht die Dichtmasse einem ovalen, elastischen Kabel. Das wird – ganz simpel gesagt – in die Fuge gepresst und dichtet damit den Beton ab. Dass der Tauchaer mittlerweile große, wichtige Bauvorhaben undurchlässig macht, war auch ein bisschen Glück, gesteht der 43-Jährige. Denn er wurde von einer Firma einst angesprochen, ein spezielles, ja einzigartiges Dichtmittel zu vertreiben. Fermadur heißt es. Dass dieses Mittel gut zu sein scheint, hat sich auch in China rumgesprochen. Im Land des Lächelns hat Werner vor sechs Jahren eine Dependance eröffnet, ist über Messen getingelt und hat sich einen Namen gemacht. Mittlerweile arbeitet er mit drei Partnerfirmen zusammen, wovon zwei in Shanghai beheimatet sind und eine in Hong Kong. Peking ist als nächstes dran, erzählt der Geschäftsmann, der sich auch im Tauchaer Heimatverein engagiert. „Wenn die Mentalität respektiert wird, kommt man ins Gespräch“, erzählt Werner aus seinem Erfahrungsschatz. Hilfreich sei ihm beim Aufbau der Kontakte gewesen, dass er Wurzeln in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik hatte, glaubt er. Die galt schließlich als sozialistisches Partnerland.

Auf einer chinesischen Messe lernte Werner vor vier Jahren einen Professor namens Wang kennen. Der zeigte sich von dem Produkt so begeistert, dass er sogleich eine Ministerin zum Stand brachte. Einige Zeit später schellte beim China-Deutschland-Pendler das Telefon. Professor Wang war am Apparat, nicht aber um Dichtmasse zu ordern, sondern um dem Deutschen ein ungewöhnliches Angebot zu machen. Und zwar sollte er als Beispiel in ein chinesischen Lehrbuch aufgenommen werden. „Bis zur vergangenen Woche wusste ich nicht, ob sie mich genommen haben“, strahlt der Tauchaer mit dem Lehrbuch in der Hand.

Benutzt wird es an chinesischen Universitäten. Germanistik-Studenten pauken mit diesem Buch fortan Deutsch. Allerdings ein wenig spezieller als andere. Denn das 169 Seiten starke Pamphlet dreht sich thematisch um die Messe. Spezielles Deutsch: Dabei geht es um die Geschichte der Messen in Deutschland, um den Messebau, den Messestand aber auch Anstandsformen und vor allem die Ansprache am Messestand.

Genau da kommt René Werner ins Spiel und zwar auf Seite 90. Ganze elf Seiten ist „Herr Werner“ der Dreh- und Angelpunkt. Er dient dabei als Beispiel, wie Interessierte den Verkäufer am Messestand ansprechen. „Das ist eine tolle Sache, wie die das gelernt bekommen“, freut sich der Tauchaer über seinen Auftritt in schwarzen Lettern auf dünnem Papier. Fast zwei Jahre wurde Werner bei seinen immerwährenden zweiwöchigen Auftritten in China begleitet. Vor allem die Beratungsgespräche taten es dem Verfasser an. Wahrscheinlich evaluierte dieser die Gespräche so, dass am Ende der ideale Wortlaut übrig blieb.

Werner indes freut sich, Studenten dagegen werden schwitzen, wenn sie an „Herrn Werner“ denken. Dabei denkt der Tauchaer schon an seinen vielleicht nächsten Coup: Das Verfugen der Chinesischen Mauer. Dann hätte er wahrscheinlich alle Schäfchen im Trockenen.Karl Christianson

Karl Christianson

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