Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Tauchas Bahnhof ist plötzlich ein Denkmal

Tauchas Bahnhof ist plötzlich ein Denkmal

Taucha. "Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätten wir den Bahnhof nicht ersteigert", sagte jetzt Quang Vinh Dao. Gemeint ist mit "das" der überraschend vom Dresdner Landesamt für Denkmalpflege über das Gebäude verhängte Denkmalstatus.

Voriger Artikel
Angler räumen am Umwelttag Schöppenteich auf
Nächster Artikel
Verkehr fließt über Einfahrt zum Supermarkt

Kein Schmuckstück, aber jetzt ein Denkmal: Der von der Bahn verkaufte Tauchaer Bahnhof. Der Investor hatte innen und auf der Rückseite mit der Sanierung bereits begonnen. Auch der ursprünglich für den Abriss vorgesehene Güterschuppen steht nun unter Denkmalschutz.

Quelle: Olaf Barth

e Denkmalstatus. Diese Nachricht erreichte den seit vielen Jahren mit seiner Familie in Taucha lebenden vietnamesischen Geschäftsmann während der bereits laufenden Sanierung des Gebäudes. Wie es nun mit Daos ehrgeizigen Plänen im Bahnhof und dessen Umfeld weitergeht, ist noch unklar.

Mit seiner Frau hatte Dao im Februar 2013 bei der Versteigerung des Tauchaer Bahnhofes den Zuschlag erhalten. Nach dem Gebot von 51 000 Euro ließ der Auktionator den Hammer endgültig fallen (die LVZ berichtete). Das Anfangsgebot hatte bei 12 000 Euro gelegen. Die Deutsche Bahn hatte dieses Gebäude seit Jahren sich selbst überlassen. Entsprechend sah es aus und harrte einer ungewissen Zukunft. Als Aushängeschild oder Eingangstor für die aufstrebende Parthestadt oder als freundlicher Willkommensgruß an Bahnreisende taugt der Klinkerbau bis heute nicht. Aber mit den Umbau-Plänen und Visionen des 50-jährigen Dao sollte sich das ändern. Ein Restaurant für Veganer, Gästezimmer unter dem Dach, ein kleiner Tempel neben dem Bahnhofsgebäude - so stellte sich der gläubige Buddhist und Feng-Shui-Meister die Erfüllung seines Traumes von einem vietnamesischen Religions- und Kulturzentrum in seiner Wahlheimat Taucha vor.

Doch nun steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Und nicht nur das. Auch der unansehnliche einstige Güterschuppen zur Abfertigung von Expressgut soll jetzt geschützt sein. Pech für Dao, er hatte sich für den geplanten Abriss etwas zu lange Zeit gelassen. Noch im Frühjahr hätte er das ohne Beanstandung erledigen und so Platz für den kleinen Tempel schaffen können. "Ich habe nun wirklich nicht damit gerechnet, plötzlich den Denkmalschutz verordnet zu bekommen", sagte Dao. Doch sich öffentlich verärgert zu zeigen oder laut Kritik zu üben, widerspricht der Natur des stets auf Ausgleich bedachten Vietnamesen. "Es laufen Gespräche, wir versuchen eine Lösung zu finden, auch die Stadt versucht zu helfen", sagte er.

"So eine Entscheidung zu einem Zeitpunkt zu treffen, zu dem die Umbau- und Sanierungsarbeiten begonnen und auch schon Kosten verursacht hatten, halte ich für problematisch und nicht nachvollziehbar. Ersteigert hat er den Bahnhof schließlich ohne Denkmalstatus", erklärte Tauchas Bürgermeister Holger Schirmbeck (SPD). Wenigstens habe Dao die bereits gekauften Fenster einbauen dürfen. Aber seine Idee, das Dachgeschoss für Pensionswohnungen in Verbindung mit dem Kulturzentrum umzubauen, würde wohl so jetzt nicht mehr umsetzbar sein. "Denkmalschutz bedeutet erhebliche Auflagen für das gesamte Bahnhofsensemble, das hat auch direkte Auswirkungen auf die Tempelpläne", gibt Schirmbeck zu bedenken. Das Objekt sei mehrfach im Verkauf und in der Diskussion gewesen, genügend Zeit für die Denkmalschutzbehörde, darauf aufmerksam zu werden und eher zu reagieren. "Ich bin nicht gegen Denkmalschutz, aber wie das hier jetzt gelaufen ist, ist äußerst ungünstig. Ich setze darauf, dass man sich vernünftig einigen wird", hofft das Tauchaer Stadtoberhaupt. Der Technische Ausschuss jedenfalls habe sich zu Daos Bauantrag inklusive des geplanten Tempels bekannt. Die Stadt hatte nach der Versteigerung extra eine Veränderungssperre über das Gelände gelegt, um sich aus stadtplanerischer Sicht ein Mitspracherecht bei künftigen Investitionen in dem Bereich zu sichern. Daos Vorhaben werde positiv gesehen.

Im Landratsamt Nordsachsen ist man sich der prekären Lage, in der Dao jetzt steckt, bewusst. "Es gab Gespräche mit dem Investor. Baugenehmigungen wurden erteilt, bevor der Bahnhof Denkmal wurde. Aber auch wir haben darauf keinen Einfluss und bekommen nur mitgeteilt, was in die Liste der Denkmale aufgenommen wird", erklärte auf LVZ-Anfrage Jürgen Liebau. Er ist im Landratsamt Nordsachsen Sachgebietsleiter für Bauaufsicht und Denkmalschutz. Auf jeden Fall habe die Verhängung des Denkmalstatus nichts mit den Bauanträgen zu tun. Das zeitliche Zusammentreffen sei Zufall. "Es finden in Sachsen regelmäßig Revisionen statt, bei denen festgelegt wird, was auf die Denkmalliste kommt oder von ihr gestrichen wird. Diesmal ist Nordsachsen dran", erklärte Liebau. Der Amtsleiter deutete an, dass es mit dem Investor weitere Gespräche geben wird und man bereit ist, verträgliche Lösungen zu suchen. Dass Tauchas Bahnhof nun auf der Denkmalliste steht, liegt an dessen baugeschichtlicher Bedeutung, heißt es in der Begründung. Außerdem sei der 1874 errichtete Klinkerbau im Schweizerstil ein wichtiges Zeugnis der Ortsentwicklungsgeschichte.

In Sachsens Landesamt für Denkmalpflege ist in Dresden Hartmut Ritschel der verantwortliche Mitarbeiter. "Ich habe gehört, dass es ja schon Gespräche mit dem Investor gegeben hat. Man muss doch dankbar sein für jeden, der so ein Gebäude erwirbt und erhält. Wir haben schon so viele Bahnhöfe als bedeutende Bauten verloren", sagte Ritschel. Er bestätigt, dass am 7. Juli der Bahnhof in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Doch mit den Vorhaben des Investors habe dies nichts zu tun, das sei eine zufällige zeitliche Überschneidung gewesen. Auch Ritschel schlägt moderate Töne an. Es müsse nicht zwangsläufig so sein, dass die Pläne des Investors ausgerechnet am Abrissverbot für einen alten Schuppen scheitern.

Eine Aussage, die für Jürgen Meurer neu ist. Der Bauingenieur plant für Dao die Sanierungs- und Umbauarbeiten. Sein Kenntnisstand nach Gesprächen mit der Denkmalschutzbehörde in Eilenburg und einem Vertreter aus Dresden sei so, dass der Schuppen unter Denkmalschutz steht und demnach nicht abgerissen werden darf. "Wir haben aber auch noch keinen Abrissantrag gestellt, was sich noch ändern kann. Wie es mit dem Tempelplänen weitergeht, darüber möchte ich jetzt auch nicht spekulieren. Die Planungen laufen noch, da ist noch nichts spruchreif", sagte der 58-Jährige.

Er bestätigte, dass es durchaus auch positive Gespräch mit den Behörden gegeben habe. "Immerhin haben wir vom Denkmalschutz schriftlich, dass der Tempel den Bahnhof nicht beeinträchtigt", so Meurer. Dennoch halte er das ganze Prozedere, vorsichtig ausgedrückt, für fragwürdig: "Es ist wirklich schon außergewöhnlich, dass in einem laufenden Verfahren so ein Objekt plötzlich unter Denkmalschutz gestellt wird."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.10.2014
Olaf Barth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Taucha
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

20.10.2017 - 07:15 Uhr

Oberliga: Der Aufsteiger empfängt den Vorjahresdritten, und seine Fans haben das Stadion auf Vordermann gebracht.

mehr