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Taucha Tauchas Kinobetreiber wehrt sich gegen Disney-Diktat
Region Taucha Tauchas Kinobetreiber wehrt sich gegen Disney-Diktat
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14:03 19.05.2015
Auf der Anzeigetafel der Tauchaer CT-Lichtspiele taucht der neue Avengers-Blockbuster aus dem Hause Disney nicht auf. Der Konzern wird wegen einseitiger Vertragsveränderung von Betreibern kleiner Kinos boykottiert. Quelle: Olaf Barth

Denn die Verleiher der in München sitzenden Walt Disney Studios Motion Pictures hatten kurzfristig die Vertragsbedingungen geändert, so dass sich künftig die Miete für Filme aus dem Disney-Konzert erhöht. Tauchas Kino nimmt nun "bis auf weiteres alle Filme dieses Verleihers aus dem Programm", heißt es auf der Homepage des Kinos. Die Verleihmieten seien mit der Preisgestaltung des Kinos nicht vereinbar. "Wir bedauern die Umstände und bitten um Verständnis für diese Entscheidung. Wir bemühen uns um eine Lösung mit dem Verleih", wird noch mitgeteilt.

"Kurzfristig und unangekündigt informierte der Verleih, dass wir 53 statt 48 Prozent der Ticketpreise als Mindestverleihanteil zu zahlen haben", erklärte gestern Tauchas Kinobetreiber Daniel Grahl. Dabei hätten kleinere Kinos wie seins am Rand von Leipzig vor allem deshalb eine Überlebenschance, weil sie aufgrund der bisherigen Filmmiete die Kinokarten etwas günstiger als in den Großstädten anbieten können. In den Metropolen gelten schon die 53 Prozent. Was die großen Häuser aber nicht weiter kümmere, da deren Kartenpreise sowieso um einiges höher seien.

Für den in seinem Programm bereits angekündigten 3-D-Avangers-Film hätte Grahl pro Ticket plötzlich nun drei Euro mehr verlangen müssen, zwölf statt neun Euro. Außerdem würden die neuen Konditionen bedeuten, dass jetzt pro verkaufter Eintrittskarte, egal wie teuer sie ist, mindestens 3,64 Euro abzuführen sind, statt wie bisher 2,10 Euro. "An den Kino-Tagen kostet die normale Eintrittskarte ohne 3 D bei uns 3,50 Euro, da müsste ich jetzt schon draufzahlen", so Grahl. Gespräche mit dem Verleih noch kurz vor der offiziellen Spielplan-Terminierung am Montag hätten keine Ergebnisse gebracht. Grahl: "Der Verleih blieb hart. So mussten wir handeln, weil wir zu diesen Konditionen den Film nicht zeigen wollen. Das bedauern wir, der Film hätte sicher viele Zuschauer ins Kino gelockt. Aber wir wollen die Kartenpreise für unsere Besucher nicht erhöhen." Im Münchner Disney-Haus war gestern telefonisch für Nachfragen kein Anschluss zu bekommen, alle Leitungen besetzt, auf unbestimmte Zeit, so schien es.

Weil wie er viele andere Betreiber kleinerer Kinos ebenfalls die "Avengers" aus dem Programm genommen haben, hofft Grahl, dass der Verleih angesichts dieses Film-Boykotts doch noch einlenken wird. "Und ich hoffe, dass unser Verband der Deutschen Filmtheater bei dem Konzern etwas bewirken kann. Ansonsten kann ich jetzt nicht abschätzen, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt", sagte der 43-Jährige. Falls auch andere Verleiher Ähnliches wie Disney planen, kämen die Kino-Betreiber um eine Erhöhung der Kartenpreise wohl nicht herum, was ein Ausbleiben der Kundschaft zur Folge haben könnte. Werden die Preise aber nicht erhöht, können die Filme der betroffenen Verleiher nicht mehr gezeigt werden. Insider sprechen bereits von einem möglichen Kinosterben in Vororten, Kleinstädten oder im ländlichen Raum.

Dabei wird in den kleineren Kinos oft mit besonders viel Herzblut, aber auch mit Investitionen versucht, die meist schon älteren Häuser am Leben zu erhalten. Auch Grahl hat in den letzten vier Jahren 300 000 Euro in seine beiden Säle allein für die digitale Aufrüstung gesteckt. Projektoren, 3-D-Anlagen und neue Leinwände gehörten dazu.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2015
Olaf Barth

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