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Taucha Tauchas Tierheimchef in der Kritik
Region Taucha Tauchas Tierheimchef in der Kritik
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21:00 04.12.2009
Im Zentrum der Kritik: Tierheimleiter Steffen Greiser. Quelle: Jörg ter Vehn
Taucha

Sie und Greiser haben allerdings auch noch eine alte Rechnung offen. Die beiden kennen sich aus Tagen, als Greiser in Leipzig Tiere rettete, sie seine Art und Weise kritisierte, anzeigte und er ihr Hausverbot erteilte. Thiemicke macht aus ihrer persönlichen Abscheu gegen Greiser keinen Hehl und auch nicht, dass sie ihn aus dem Verkehr ziehen will. „Herr Greiser sollte sich einen anderen Beruf suchen“, findet sie.Dabei macht der arbeitslose Greiser den Job seit Jahren mehr oder weniger ehrenamtlich, steht rund um die Uhr zur Stelle für 430 Euro im Monat. Wie berichtet, hat der Verein Mobile Tierhilfe Taucha unter anderem Verträge mit Taucha, Borsdorf und Markranstädt, holt Fundtiere ab und versorgt sie im Heim, bis sich der Besitzer meldet oder ein neuer gefunden ist.Dabei soll es nach Zeugenaussagen jedoch wiederholt zu Quälereien gekommen sein. Hunde würden im eigenen Kot stehen, zum Teil aufeinander gehetzt werden, Tiere verschwänden. Ende November zeigte Thiemicke schließlich Greiser an: Er habe eine junge Katze erst gegen eine Wand gedrückt, um ihr ein Medikament zu verabreichen. Als sie ihn darauf biss, soll Greiser ihr mit der Faust auf den Schädel gehauen und sie bewusstlos geschlagen haben.Der Vorfall wird bezeugt unter anderem von einer Frau, die Greiser wenige Tage darauf nach Hause schickte. Sie habe ein dem Heim angebotenes Tier am Verein vorbei privat an einen neuen Besitzer vermittelt, so Greiser. Und das sei kein Einzelfall gewesen. Durch die Vermittlung erziele das Heim Einnahmen, die dringend benötigt würden. Wie berichtet, steht dem Verein finanziell das Wasser bis zum Kragen. Er hat Mietschulden von sechs Monaten in seinem Gebäude.Ein halbes Dutzend eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Heimmitarbeitern, die teilweise auch als straffällige Jugendliche dort ihre sozialen Stunden ableisten mussten, sind nach dem Rauswurf der Pflegerin bei Thiemicke eingetroffen. Schlimmster Vorwurf darin: Greiser habe ein junges krankes Kätzchen erdrosselt. Der bestreitet das nicht, versucht es aber zu erklären. „Das Tier war vier Wochen alt, krank, hatte keine messbare Temperatur mehr, war bereits bewusstlos – und unsere beiden Tierärzte waren nicht verfügbar. Es hätte den nächsten Morgen sowieso nicht erlebt.“ Gemeinsam mit den Mitarbeitern – auch der Zeugin der Anklage – habe er entschieden, das Tier zu erlösen.Diese Woche kam prompt das Veterinäramt Delitzsch zur Visite – und zog wieder ab. Kein Kommentar, teilte der Kreis lapidar mit. Tauchas Tierarzt Heiko Schreiber, ständig mit dem Heim betraut, kann die Vorfälle nicht bestätigen, drängt auf eine neutrale Untersuchung. „Greiser ist bestimmt kein Verbrecher“, sagt er aus seinem Gefühl heraus. Ein Gefühl, dass Leipzigs Tierheimchef Michael Sperlich aus der ständigen Zusammenarbeit bestätigt: „Dass er vorsätzlich Tiere quält, kann ich mir nicht vorstellen. Aber er ist bestimmt überfordert mit der ganzen Arbeit.“ Für ihn liegt denn auch der eigentliche Skandal darin, dass die Kommunen sich ihrer Pflichtaufgabe, der Fundtier-Versorgung, so einfach entledigen.

Jörg ter Vehn

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