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Töne aus dem Kleiderschrank

Töne aus dem Kleiderschrank

Dass man mit Holzscheiten Feuer im Ofen macht, weiß hierzulande sicher fast jeder. Dass man auf einem Holzscheit auch Musik spielen kann, dürfte weit weniger bekannt sein.

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Idyllische Arbeitsatmosphäre in der "Kleinen Kunstakademie" in Sehlis: Kursleiter Uwe Gorzelka erklärt Rani Chaudhuri, Karin Hoßfeld und Klaudia Lindner (von links), wo die Säge für den Steg angesetzt werden muss.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Im Tauchaer Ortsteil Sehlis fand am Wochenende in der "Kleinen Kunstakademie" ein Workshop statt, bei dem man lernen konnte, dieses Instrument selbst zu bauen.

Zehn Teilnehmer waren aus Taucha, Leipzig und mit Bärbel Gallschütz und Ulrich Laue auch aus Sehlis in die "Kleine Kunstakademie" von Andrea Schilling und Karin Hoßfeld gekommen, die sie 2012 mit dem Anliegen, die Kunst allen Interessierten nahe zu bringen, ins Leben gerufen hatten. Jüngstes Beispiel für das Spektrum der Sehliser Kunstoase war die Zusammenarbeit mit dem Klangkünstler Helmut Lemke im Rahmen des Projektes "Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst 2013".

"Das einer Zither ähnliche Instrument gibt es schon seit etwa 2000 Jahren, es stammt aus Indien, war aber auch in ganz Deutschland verbreitet, hier allerdings auch in regional unterschiedlichen Bauweisen", erklärte der aus dem Westallgäu stammende Kursleiter Uwe Gorzalka. Höchstwahrscheinlich sei es durch Kreuzfahrer nach Europa gebracht worden.

Das Instrument besteht in der Regel aus einem ausgehöhlten Kantholz oder es wird aus entsprechend großen Leisten zu einem Kasten zusammengeleimt. Darauf befindet sich dann der Steg, über den meist handelsübliche Gitarrensaiten gespannt werden, von denen man eine oder mehrere, ähnlich wie auf einer Gitarre, auf den Steg drückt, um so unterschiedliche Töne zu erzeugen. Dazu schlägt man noch die so genannten Bourdun-Saiten mit an, die mit einem festen Ton gestimmt sind.

"Beim Scheitholz hat man freie Hand über die Gestaltung, Größe und Länge. Bei der Gitarre gibt es dagegen feste Regeln", erläuterte Gorzelka, dessen Instrument natürlich ein kunstvoll geschnitzter Kopf zierte. Kein Wunder, der 56-Jährige ist freischaffender Bildhauer und Zeichner. "Edle Hölzer braucht man dazu nicht, das Holz sollte aber trocken und auch schon etwas abgelagert sein", so der Experte. Echtholz von einem alten Kleiderschrank würde sich daher sehr gut eignen.

Mit viel Eifer waren die Teilnehmer am Wochenende dabei, obwohl sie allesamt keine Instrumentenbauer sind, die ganze Palette der Holzbearbeitung an ihrem Scheitholz abzuarbeiten, denn am Ende des Kurses wollte natürlich jeder ein, genauer gesagt, sein Instrument, spielbereit mit nach Hause nehmen.

"Wir werden das erste Scheitholzorchester Deutschlands gründen", kündigte Andrea Schilling an. "Einmal im Quartal wollen wir dann miteinander musizieren". Den ersten Auftritt soll es sogar schon am 24. Dezember in der Sehliser Kirche zur Christvesper mit Krippenspiel geben. Musikstücke, wie "Maria durch ein Dornwald ging" oder "Es kommt ein Schiff geladen" wollen sie bis dahin schon auf ihren selbstgebauten Instrumenten spielen können.

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.11.2013
Reinhard Rädler

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