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Taucha Vom Kritiker zum Chef des Rathauses
Region Taucha Vom Kritiker zum Chef des Rathauses
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00:46 25.07.2015
Hans-Jürgen Rüstau (l.) und Tauchas neuer BM Tobias Meier bei einem Brettl-Auftritt 2007. Quelle: Reinhard Rädler
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Taucha

"Schuld daran, dass wir aufhören, ist eigentlich unser Bürgermeister", erklärte Rüstau den Gästen im vollbesetzten Café Esprit den Grund der Abschiedsvorstellungen.

 Denn hätte sich das noch amtierende Stadtoberhaupt Holger Schirmbeck erneut zur Wahl gestellt, dann wäre womöglich Kabarett-Partner Tobias auch nicht Bürgermeister-Kandidat geworden und man hätte sich weiter auf Brettl-Art mit den kleinen und großen Dingen im Rathaus oder des Tauchaer Alltages beschäftigen können. Mit "Nun muss er selber Hand anlegen", setzte Rüstau die mit viel Beifall bedachte Pointe. Das Wissen des (Stamm-)Publikums, dass Tobias Meier in zwei Wochen der neue Bürgermeister sein wird, gab den Sketchen und Liedern das gewisse Geschmäckle, zumal ja ein Großteil der Programme regionale Themen zum Inhalt hatte.

 2002 gingen die beiden Tauchaer als "Solo für zwei" auf Tournee zwischen Eilenburg und Radis am Rande der Dübener Heide. Hier entstand auch die "legendäre" Putz- und Klofrau Elfriede, in deren schrägen Erscheinung Rüstau in der Dederon-Schürze seinem Affen Zucker gab. Mittlerweile wurde das Tauchaer Kulturcafé die Stammspielstätte des Duos, das sich bei einigen Programmen hin und wieder auch mit Gästen im Ensemble verstärkte.

 Mit Tobias Meier verstand sich Rüstau bei den Sketchen mittlerweile so blind, dass die Improvisationen bei Texthängern manchmal sogar besser waren, als die ursprüngliche Textvorlage. Meier brillierte dabei auch immer mehr als ausdrucksstarker und stimmgewaltiger Gesangs-Solist, dessen Lieder und Soloeinlagen mittlerweile fast schon zu Ohrwürmern wurden, wie "Kreisverkehr", das "Knallrote Dönerhaus", "Für Taucha tun wir alles" oder "Ich bin der letzte Bulle". Die Aufzählung ließe sich um mindestens 20 Titel fortsetzen.

 Die in manchen Sketchen kritisierten Umstände in Tauchas Umfeld, wie beispielsweise das "Blaue Haus" in der Leipziger Straße, die Unsauberkeiten am Kiosk an der Straßenbahn-Endstelle und am Bahnhofsvorplatz gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Auch über Parthelino redet fast keiner mehr. "Das haben wir bestimmt mit unserem Kabarett erreicht", frohlockte Rüstau. "Doch damit ist es ja nun leider vorbei." Aber "The Show must go on". Auch für Tobias Meier wird sie weitergehen, wenn er dann "In unserem tollen Rathaus" - wie ein früheres Kabarettprogramm mal hieß - sitzen wird. Dort allerdings dann unter einem ganz anderen Vorzeichen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2015
Reinhard Rädler

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