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Von Schnapspanschern und Marzipanbäckern

Von Schnapspanschern und Marzipanbäckern

Nunmehr schon zum fünften Mal hatte der Kunst- und Kulturverein Taucha am Samstagabend zu einem nachweihnachtlichen Nachtwächterrundgang eingeladen. Etwa 20 Tauchaer und auch Leipziger gingen mit Nachtwächter Johann Christoph Meißner, alias Schlossvereinsvorsitzender Jürgen Ullrich gemeinsam auf Tour.

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Nachtwächter Johann Christoph Meißner begeistert die Teilnehmer der nachweihnachtlichen Tour durch Taucha.

Quelle: Reinhard Rädler

Taucha. Zuvor erfuhren die Teilnehmer einiges über den Nachtwächter Meißner, der im 18. Jahrhundert 49 Jahre im Dienst der Stadt stand. Zum Beispiel, dass er gar nicht "Hört ihr Leute, lasst euch sagen-" gesungen hat. Ullrich versprach einen geruhsamen Bummel, gespickt mit historischen Informationen in die er - wenn es die Örtlichkeit zuließ - weihnachtliche Episoden einflocht. "Das ist in unserer kleinen Stadt, die keine besonderen weihnachtlichen Traditionen hat, natürlich schwierig", bekannte der 61-Jährige. Er schien aber dennoch fündig geworden zu sein, denn mit Bezug auf das Weihnachtsdatum, konnte er doch das eine oder andere Histörchen zum Besten geben.

So beschloss am 24. Dezember 1635 die Kirchgemeinde Taucha einen Schnapsbrenner von der Predigt auszuschließen, weil dieser angeblich beim Schnaps gepanscht haben soll. Als der sich wegen dieser Schmach von der Parthe-Brücke in der Leipziger Straße stürzen wollte, blieb er am Geländer hängen und erfror.

Da Weihnachten die Zeit der Naschereien ist, passte auch die Geschichte um den 1796 von Lübeck nach Taucha zugewanderten Marzipanbäcker Matthes Berthold gut zum Rundgang. Verbotene Verkaufspraktiken, weil sein Marzipan-Absatz in Taucha floppte, brachten ihm 400 Goldtaler Strafe ein und dazu das Verbot jemals wieder Marzipan herzustellen.

Die Gassen der Tauchaer Neustadt boten das passende Ambiente für die Geschichte um einen echten Nikolaus, der 1796 bei 20 armen Familien Säcke mit weihnachtlichen Gaben vor ihre Türen gestellt haben soll. Keiner wusste, wer es war. Als ihn nach zwei Jahren ein allzu neugieriger Schneidermeister folgte, ward der Nikolaus nie wieder gesehen.

Beate Schneider wohnt seit 13 Jahren in Taucha und hat schon mehrfach an Nachtwächtertouren teilgenommen. "Es ist immer wieder etwas Neues zu erfahren oder schon Gehörtes wird wieder aufgefrischt. Ich bin bestimmt mal wieder dabei" sagte die Seniorin. Das erste Mal waren Gudrun und Fritz Lämmer beim Rundgang. "Erstaunlich, was man hier alles erfährt. Die kleinen Weihnachtsgeschichten passen gut zu den Informationen über das alte Taucha", so die Dewitzerin.

Bevor es zu Glühwein und Bratapfel ins Café Esprit ging, machte Nachtwächter Meißner mit ein paar Details, wie der kopfstehenden Bibel oder den falschen Farben eines Uniformteils in den bemalten Kirchenfenster, auf die nächste Nachtwächtertour neugierig. Dann geht es unter anderem in die St.Moritz-Kirche.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.12.2013
Reinhard Rädler

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