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Taucha Wetterbeobachter Wolfram Lenk zieht Bilanz über 2009
Region Taucha Wetterbeobachter Wolfram Lenk zieht Bilanz über 2009
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21:00 05.01.2010
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. Wolfram Lenk erfasst nunmehr seit fast 35 Jahren Messdaten und führt Beobachtungen zu bestimmten Wettererscheinungen durch. Für die LVZ zieht er Bilanz für das zurückliegende Jahr. Hier sein Bericht:

Taucha ist bekannterweise ein markantes Gebiet in Bezug auf die Niederschlagstätigkeit, da hier etwa 20 Prozent mehr Niederschläge fallen als weiter westlich. In Richtung Schkeuditz-Halle bis zum Harz nehmen diese ab, während sie in östlicher Richtung wieder zunehmen.

Das augenscheinlichste der Witterungsabläufe des Vorjahres war der häufige Wechsel von Warmtemperaturperioden mit deutlich kühleren Wetterabschnitten und jahreszeitlich teilweise rekordverdächtigen Messwerten. Nach Jahren hatten wir erstmals wieder im Januar und Februar einen langen und strengen Winter mit einer 28 Tage währenden geschlossenen Schneedecke und Minusgraden im zweistelligen Bereich. Die größte Schneehöhe wurde mit 20 Zentimeter vom 5. bis 7. Januar und die niedrigste Temperatur mit -23°C am 7. Januar gemessen.

Einen ähnlich strengen Winter hatten wir 1987, am 13. Januar wurden damals 37 cm Schneehöhe gemessen. Ungewöhnlich war auch der 51 Tage währende, durchgängige Bodenfrost. Die Natur reagierte auf den strengen Winter mit starker Blütenknospen-Differenzierung. Mit dem Einsetzen frühlingshafter Temperaturen im März beobachteten wir schnelles und massives Pflanzenwachstum. Ab Anfang April erreichten die Monatstemperaturmittelwerte Rekordergebnisse, die die des Jahres 2007 übertrafen. Laut DWD lag das Plus 4,4°C über dem langjährigen Mittel. Ungewohnt hohe Temperaturen von 19 bis 24°C hatten wir im Zeitraum vom 8. bis 27. April. Im Mai war es dann größtenteils kühler. Die Durchschnittstemperatur lag um 1,3° C höher als der langjährige Mittelwert. Die Niederschläge lagen bei 113 Prozent und die Sonnenscheindauer bei 124%. Die „Schafskälte“ vom 1. bis 5. Juni – etwa zehn Tage früher als üblich – bescherte uns eine Woche lang Nachttemperaturen von 4 bis 8°C und am Tage nur 14 bis 16°C.

Vor allem im Juli fuhr das Wetter Achterbahn. Dieser Monat war eher zu nass, jedoch recht warm. Ab Anfang Juli bis Ende August gab es ununterbrochen sommerlich warmes, ja zum Teil heißes Wetter. An 40 Tagen wurden in diesem Zeitraum Temperaturen von 25°C und wesentlich darüber gemessen; den höchsten Wert mit 34°C verzeichneten wir am 20. August. Die Ursache dieser Hitzeperiode war das Zusammenspiel des Hochs „Lina“ mit dem Tief „Eberhard“, das heiße Luftmassen aus dem Mittelmeerraum zu uns beförderte.

Wie schon so oft folgte dieser Warmperiode eine deutliche Abkühlung. Zum Herbstanfang herrschte Sommerwetter, der Altweibersommer machte seinem Namen Ehre. Die ersten Frühfröste von -1° bis -2°C wurden erst am 19. und 20. Oktober gemessen. Laut Angaben des DWD war der Herbst um 1,3°C zu warm und zu feucht. Die Sonnenscheindauer betrug 138%.

Der Monat November war mit Abstand zu mild (+3,1°C) und zu nass. Der Dezember überraschte uns mit dem Wintereinbruch. In der zweiten Dekade begann es zu schneien, mit Schneehöhen bis zu 8 Zentimeter und extremer Kälte von -15 bis -16°C am 19. und 20. Dezember. In anderen Teilen Sachsens, etwa Dippoldiswalde, wurden bis zu

-24°C gemessen. Nach rascher Erwärmung entwickelte sich in unserer Region dann am 22. Dezember für einige Stunden sehr gefährliches Blitzeis.

Dokumentiert man das Wetter des Vorjahres mit einigen Messdaten, so ist Folgendes festzustellen: Das Jahr 2009 war mit 695,6 mm Niederschlägen im Verhältnis zum langjährigen Mittelwert von 618 mm eher zu nass, auch wenn wir an den Extremwert von 919 mm im Jahre 1987 nicht herankamen. Die ergiebigsten Niederschläge im Verhältnis zum 30-jährigen Mittelwert fielen im März mit 169,6% und im Oktober bis Dezember mit 157,9%. Dagegen waren die Monate April mit 31,9% und August 71,5% recht niederschlagsarm. Die höchste monatliche Regenmenge hatten wir mit 76,5 mm im Juli und den höchsten Tageswert in 24 Stunden mit 29 mm am 3. November.

Wie berichtet, fanden Klimaforscher heraus, dass im mitteldeutschen Raum mit sinkenden Sommerniederschlägen bei gleichzeitig höheren Temperaturen zu rechnen sei. Das kann durch die aktuellen Messungen vor Ort für das vergangene Jahr nicht hinreichend bestätigt werden.

Jörg ter Vehn

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