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Taucha Wiedersehen in der Schule nach 55 Jahren: "Es riecht wie damals"
Region Taucha Wiedersehen in der Schule nach 55 Jahren: "Es riecht wie damals"
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12:32 10.05.2010
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. Ihre Worte treiben den ehemaligen Schülern der 4c die Tränen in die Augen. Vor 55 Jahren wurden hier 20 Mädchen und zehn Jungen eingeschult. Gemeinsam haben sie hier die ersten vier Jahre ihrer Schulzeit verbracht. Danach verlor man sich irgendwie aus den Augen. Erst ein halbes Jahrhundert später haben sich die Damen und Herren wiedergetroffen, um für einen Tag die vergangene Grundschulzeit wieder aufleben zu lassen.

Der Ausgangspunkt für einen Tag voller Erinnerungen ist der Schulhof. Vor dem Eingang wird wild geschnattert, gegackert und getuschelt. „Du bist doch der ..!“, „Du bist doch die ..!“, schallt es über den Hof. Zum Glück hatten sich dann doch alle nach 55 Jahren wiedererkannt. Plötzlich wird es still, 22 Augenpaare blicken auf einen sich langsam nähernden älteren Herren. „Das ist der Herr Gräfe“, ruft Petra Jung und läuft dem 81-Jährigen entgegen. Der ehemalige Klassenlehrer strahlt seine ehemalige Schülerin an und begrüßt im Anschluss an einen kurzen Plausch nacheinander seine damaligen Rabauken. Den Männern wird auf die Schulter geklopft, die Frauen werden schüchtern umarmt. „Herr Gräfe, Herr Gräfe“, ertönt es aufgeregt, wie in einem wild gewordenen Hühnerhaufen aus jeder Richtung – fast wie früher.

Die Organisatoren des Wiedersehens, Jung und Gerhard Hofmann, bitten die Klassenkameraden in das ehemalige Schulzimmer. Es scheint, als kenne jeder den Weg noch ganz genau. „Schön, dass du da bist“, steht auf Zetteln geschrieben. Sie schmücken gemeinsam mit einem kleinen Stückchen Schokolade jeden Platz.

Aber einem gebührt ein ganz besonderer Dank: dem Lehrer. Der damals 30-Jährige unterrichtete die Mädchen und Jungen lediglich in der vierten Klasse und zwar in Mathe. Trotz der langen Zeit und nur einem gemeinsamen Jahr blieb Gräfe seinen ehemaligen Schülern in Erinnerung. „Er war so ein liebevoller und fairer Lehrer“, erinnert sich Werner Thal. Als Anerkennung überreichen die damaligen Gören ihrem Pauker einen Strauß gelbe Rosen. Dann ist endgültig das letzte Eis gebrochen. Es wirbelt, murmelt und wispert in jeder Ecke des Raumes. Die Luft scheint vor längst verschütt geglaubten Erinnerungen förmlich zu knistern.

Beim darauffolgenden Schulrundgang darf die Turnhalle nicht fehlen. Lächelnd rümpft Renate Walter die Nase als sie die hölzernen Dielen betritt und ruft: „Es riecht wie damals.“ Innerhalb weniger Minuten werden die alten Männer Thal und Hofmann wieder zu kleinen Jungen. Sie vollführen Handstände, Räder, probieren sich an der Sprossenwand und balancieren über die Bank. Die anderen schauen lieber zu. „So wie damals“, murmelt Lehrer Gräfe zufrieden.

Karoline Maria Keybe

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