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Taucha Zoochef mit früher Neigung zur Architektur
Region Taucha Zoochef mit früher Neigung zur Architektur
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15:51 17.07.2015
Beredter Gast der Talkrunde Blaue Stunde in Taucha: Zoodirektor Jörg Junhold (links), mit Moderator Tobias Meier. Quelle: Reinhard Rädler
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vet. Jörg Junhold.

 Der 46jährige wohnt unweit von Taucha. Er ist gegenwärtig Vizepräsident der WAZA, des Weltverbandes für Zoologische Gärten und Aquarien, und wird 2011 gar dessen Präsident werden. Sein Weg bis dahin und bis zum Zoodirektor ist aber wohl eher untypisch verlaufen, denn er erlernte in Riesa erst einmal den Beruf eines Baufacharbeiters (mit Abitur), weil er ursprünglich Architekt werden wollte. Die Annahme, dass das Architektendasein in der DDR nicht die erträumte Zukunft verspricht, bewegte ihn 1985 zur Aufnahme eines Veterinärstudiums an der Universität Leipzig. Nicht ohne Hintergrund wohlgemerkt, denn sein Vater war praktizierender Tierarzt, den er oft bei seiner Tätigkeit begleitete. Hinzu kam seine Liebe zu Tieren überhaupt, denn er wuchs in einem Dörfchen in der Nähe von Ortrand (heutiger Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg) auf, was wohl mit maßgebend für seinen Studienwunsch war.

Mit der noch druckfrischen D-Mark in der Tasche, legte er am 2. Tag nach der Währungsunion im Jahre 1990 sein Examen in Staatsveterinärkunde ab. Hin und hergerissen von den Ereignissen in der Wendezeit „es wurde ja alles anders, Werte, Gesetze, wirtschaftliche Strukturen...“, entschied er sich doch, ein dreijähriges Forschungsstudium aufzunehmen, bei dem übrigens auch der fernsehbekannte Zoo-Tierarzt Prof. Eulenberger sein Lehrer war. Von den Flausen, eine große Pferdeklinik aufzubauen, verabschiedete er sich sehr schnell. In der Zeit seines Studiums jobbte er noch in einer Firma für den Vertrieb von Tiernahrungsmitteln und bekam dort das Angebot „nur mal für paar Monate...“ im Management der Firma mitzuarbeiten. Hier erhielt er tiefe Einblicke in Betriebsabläufe, Strukturen und moderne Unternehmensführung, was ihn bewog, dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie im Marketing-Management mitzuarbeiten.

Er pendelte nun 5 Jahre lang zwischen dem Firmensitz in Verden an der Aller und Leipzig, bis ihn im März/April 1997 seine Frau anrief: „In einer Stellenanzeige der LVZ ist deine neue Tätigkeit beschrieben – die Stadt Leipzig suchte einen Zoodirektor, der Erfahrung im Management und möglichst einen beruflichen Bezug zu Tieren hat“. “Ich fand mich in der Funktionsbeschreibung wieder und ich fühlte mich hervorragend ausgebildet“, beschreibt er seine Motivation. Aber erst als er sein Amt antrat, wurde er sich der ganzen Dimension seiner neuen Aufgabe bewusst. „Ich fand einen desolaten Bauzustand vor, es gab keinen Wirtschaftsplan, aber zum Glück einen exzellenten und motivierten Mitarbeiterkreis. Es hat zwei Jahre gedauert, bis die Richtung klar war, Zoodirektor ist schließlich kein Ausbildungsberuf“, beschreibt er heute den chaotischen Anfang.

Mittlerweile hat sich der Zoo Leipzig zu einem der führenden Tiergärten Deutschlands entwickelt, so, wie es sich die Zoomannschaft in ihrem Leitbild auf die Fahnen geschrieben hat. Das Konzept „Zoo der Zukunft“ ist aufgegangen und man hat mit der Menschenaffen-Anlage „Pongoland“ begonnen für Tiere und Besucher große Erlebnisbereiche anzulegen und ist damit in der deutschen Zoolandschaft neue Wege zu mehr Attraktivität gegangen. „Doch bei allem Bemühen zu mehr Wirtschaftlichkeit – die Würde der Tiere darf nicht angetastet werde“, so die Maxime des Zoo-Experten. Nun steht eine neue Dimension vor ihrer Vollendung: Die riesige Tropenhalle „Gondwanaland“ entsteht, deren Eröffnung 2011 geplant ist. Vierzig, zum Teil neue Tierarten, werden in einem tropischen Regenwald zu bewundern sein. „So etwas gibt es nirgendwo!“, schwärmt der Zoodirektor.

Moderator Tobias Meier konnte seinem Gesprächspartner im lockeren Dialog sowohl Privates aber auch vieles über die Tätigkeit eines Zoodirektors des Leipziger Zoos entlocken. Von den aufmerksam lauschenden Gäste im „Café esprit“ gab es dafür des Öfteren Zwischenapplaus.

Gast der nächsten „Blauen Stunde“ wird am 15. Juni der Sänger und Entertainer Lutz Jahoda sein.

Reinhard Rädler

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