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20-jähriges Jubiläum: Stasi-Bunker Machern öffnet zum Denkmalstag

DDR-Geschichte 20-jähriges Jubiläum: Stasi-Bunker Machern öffnet zum Denkmalstag

20 Jahre Führungen im Stasi-Bunker Machern: Zum Jubiläum stehen Führungen durch den unterirdischen Komplex und die Eröffnung der Ausstellung „Kalter Krieg“ der Bundesstiftung Aufarbeitung auf dem Programm.

Das Bürgerkomitee erzwingt im Januar 1990 die Öffnung und Besichtigung des Stasi-Bunkers Machern. Am Sonntag öffnet er wieder zur Führungen.
 

Quelle: LVZ

Machern.  Noch zu DDR-Zeit errichtete die Staatssicherheit von 1968 bis 1974 im 30 Kilometer östlich von Leipzig gelegenen Machern einen unterirdischen rund 1500 Quadratmeter großen Bunker. Im Fall eines Atomschlags oder Bürgerkriegs sollte er dem regionalen Stasi-Chef der damaligen Leipziger Bezirksverwaltung und seinem etwa 100-köpfigen Mitarbeiterstab als Ausweichführungsstelle dienen. Im Ernstfall konnte so die Geheimdienstarbeit ungestört fortgeführt werden. Genutzt wurde der Unterschlupf jedoch nie.

Tobias Hollitzer vom Museum in der runden Ecke zeigt Interessierten den Stasi-Bunker in Machern

Tobias Hollitzer vom Museum in der runden Ecke zeigt Interessierten den Stasi-Bunker in Machern.

Quelle: LVZ

Der Bunker und sein Bau unterlag strengster Geheimhaltung. Erst mit der Friedlichen Revolution 1989 erfuhr die Öffentlichkeit von seiner Existenz. Früh setzten sich die Bürgerkomitees Leipzig, Machern und Wurzen nach der Wende für seinen Erhalt als zentrale Gedenkstätte ein. 1996 zum Tag des offenen Denkmals hatte das Museum im Stasi-Bunker erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit geöffnet. Seither werden regelmäßig am letzten vollen Wochenende im September am Sonnabend und Sonntag von 13 bis 16 Uhr Führungen angeboten. Heute ist der Bunker in Machern die einzige fast vollständig erhaltene Ausweichführungsstelle der Stasi auf Bezirksebene in Deutschland.

Öffentlicher Sektempfang

Zum europaweiten Tag des offenen Denkmals am Sonntag und anlässlich des 20-jährigen Jubiläums laden das Bürgerkomitee Leipzig als Träger der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker am Sonnabend um 14 Uhr Interessierte zu einem öffentlichen Sektempfang ein – die Machener Bürgermeisterin Doreen Lieder, Landrat Henry Graichen und die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Roland Pohle und Marian Wendt (beide CDU) halten Reden. Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer resümiert zu 20 Jahre Entwicklung Stasi-Bunker: „Wir haben viel erreicht – regelmäßige Führungen seit dem Jahr 1996, die Verleihung des Titels Europäisches Kulturerbe 2012 für den Macherner Bunker und das Leipziger Museum in der Runden Ecke. Wir kümmern uns auch darum, dass internationale Jugendcamps hierher kommen.“

Der Messplatz entstand in Eigenbau des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und gibt den Grundriss des Bunkers wieder. Signallämpchen geben den Betriebszustand für die Strom-, Wasser- und Luftversorgung an und zeigen die Position der Türen.

Im Naherholungsgebiet Lübschützer Teiche bei Machern werden die militärische Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit und dessen Aufgaben im sogenannten Spannungs- und Mobilmachungsfall dokumentiert - unsere Schau! des Monats September 2016.

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Anschließend wird Sonntag die Plakatausstellung „Der Kalte Krieg – Ursachen, Geschichte, Folgen“ der Bundesstiftung Aufarbeitung in den Räumen oberhalb des Bunkers eröffnet – ein halbes Jahr lang soll sie laufen. Mit Fotos und Texten wird an die wichtigsten Ereignisse des Kalten Krieges bis 1945 erinnert. Welt-Redakteur Sven-Felix Kellerhoff gibt eine geschichtliche Einführung und leitet eine Podiumsdiskussion zum Begriff des Kalten Kriegs. „Oft wird angenommen, hier sei es um den Kampf und die Vorherrschaft zweier gleicher Systeme und militärischer Blöcke gegangen – diese Sicht finden wir problematisch“, sagte Hollitzer. Vielmehr sei die damalige Konfrontation eine von Diktatur und Demokratie, von Freiheit und Unfreiheit gewesen.

Führungen im Bunker und der „Runden Ecke“

Am Sonntag können Besucher von 10 bis 18 Uhr einstündige Führungen durch das Bunkermuseum machen und Details zur Baugeschichte und ausgeklügelter Versorgungs- und Nachrichtentechnik erfahren. Im Rahmen der Ausstellungen läuft in Dauerschleife der Dokumentarfilm „Die Direktive 1/67“ – er gibt Aufschluss über die nach den Ausschreitungen des 17. Juni 1952 von Erich Mielke in Auftrag gegebenen Mobilmachungspläne des MfS. Mit ihrer Hilfe sollte die SED-Diktatur auch im Ernstfall gesichert werden. Teil des großen Plans war neben Isolierungslagern für Oppositionelle auch der Bau von Bunkeranlagen in allen 15 DDR-Bezirksverwaltungen, wie der in Machern. Ebenfalls am Sonntag öffnet die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig zu halbstündigen Führungen sowie die zentrale DDR-Hinrichtungsstätte in der Arndtstraße von 11 bis 16 Uhr. Ab 11 Uhr treffen sich Interessierte an der Nikolaikirche für einen Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“.

„Wäre es am 9. Oktober 1989 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, sogar zu einem Sturm auf die Bezirksverwaltung gekommen, dann hätte man den Bunker wohl genutzt“, sagte Hollitzer. Im Ernstfall wäre der regionale Stasi-Chef mit seinem Operativstab nach Machern gefahren, ein zweiter Stab wäre in den deutlich kleineren Bunker unterhalb der Leipziger Bezirksverwaltung gezogen. „In den 90er Jahren war das Thema Bürgerkrieg eher abwegig, rückblickend betrachtet aber das Wahrscheinlichste“, sagte der Museumsleiter. Die Versorgungssysteme für Luft, Wasser und Strom in der Anlage in Machern waren auf eine Notversorgung und einen autarken Betrieb von sechs Tagen ausgelegt. Der Aufwand für die Mobilmachung war groß – wichtige Unterlagen wurden in Behältern eingelagert, damit diese im Ernstfall schnell auf Lkw mit dem Ziel Machern geladen werden konnten. Für hochgeheime Unterlagen wurde wasserauflösliches Papier verwendet, Auskunftsberichte – detaillierte Personalbögen der inoffiziellen Stasi-Mitarbeiter – auf Mikrofilm gespeichert.

Beklemmend enge Gänge

„Im Bunker selbst beeindruckt viele Besucher immer wieder der Messplatz – der im Vergleich zu anderen Bunkeranlagen deutlich größer ist und den Grundriss der Anlage mit seiner Technik abbildet. Anhand von kleinen Lämpchen konnte der Bunker-Kommandanten sehen, wo etwa eine Tür offen stand“, erklärte Hollitzer. Die engen Gänge in fünf Metern Tiefe wirken auf viele beklemmend. Mit zwei Sesseln, einer Sitzgruppe und Liege hatte sich der regionale Stasi-Chef jedoch als einziger seines Stabs gemütlich unter Tage eingerichtet. Besonderheiten in Machern waren die speziell angefertigten Hakenleisten für die Garderobe und die Grünen Vorhänge zum Abtrennen der Gänge und Räume, ebenso das Notlüfterfahrrad. Hollitzer: „Bei Ausfall der Lüftung hätte sich ein Stasi-Offizier auf das Fahrrad geschwungen, um für Umluft zu sorgen. Der Bunkerkommandant hätte vom Messplatz kontrolliert, ob der Kollege schnell genug in die Pedale tritt.“

Der Tag des offenen Denkmals findet zum 24. Mal statt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz will unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ auf gemeinschaftliches Handeln in der Denkmalpflege aufmerksam machen. Deutschlandweit öffnen über 8000 historische, oft sonst verschlossene oder nur teils zugängliche Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten – 800 allein in Sachsen.

Von Oliver Tim Becker

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