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Wurzen 24 Gemeinden bei der Nacht der offenen Dorfkirchen
Region Wurzen 24 Gemeinden bei der Nacht der offenen Dorfkirchen
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05:00 05.07.2018
Auch die Kirche in Schönbach öffnet ihre Pforten am Sonnabend: 17 Uhr erklingen Gesang und Orgelmusik. Anschließend gibt es einen Imbiss und die Einladung zu einer Führung im historischen Gotteshaus. Quelle: Foto: LVZ-Archiv/Röse
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„Mir gefällt der Grundgedanke der Nacht der offenen Dorfkirchen“, sagt der Naunhofer Pfarrer Norbert George. Generell könnte in den Stadtkirchen mehr angeboten werden, Gottesdienste wie Konzerte. Aber auch die Dorfkirchen seien es wert, als wunderbare Orte wahrgenommen zu werden, sie sind „große Schätze“.

Es freut ihn, dass die Veranstaltungen so unterschiedlich sind, das zeige die Vielfalt von Kirche. Seine beiden kleinen Gotteshäuser in Erdmannshain und Klinga sind schon seit zwölf Jahren mit Angeboten an jenem Abend dabei. Dies werde meist gut angenommen, auch von eher kirchenfernen Besuchern, die gern mal mit dem Rad kommen.

Foto-Ausstellung: Sozialarbeiter begleitet Obdachlose

Diesmal ist in Klinga die Foto-Ausstellung „un-gewohnt“ zu sehen. Sozialarbeiter Clemens Janosch begleitete anderthalb Jahre Obdachlose und fotografierte sie. Sie leben im Wald, unter Brücken, auf Friedhöfen. Sie sind auf der Durchreise. Jeder hat eine besondere Biografie, die neben den Fotos kurz beschrieben wird. „Es geht hier nicht darum, jemanden zur Schau zu stellen. Es ist berührend, wie viel Menschlichkeit und gelebtes Leben aus diesen Gesichtern spricht“, so George.

In Erdmannshain ist „parfois parfait“ mit a-cappella-Musik zu hören. Auch das Wiesenlabyrinth darf wieder begangen werden. Auf einem Teil des Friedhofs gilt es, auf etwa 300 Metern den Weg zu finden.

Besucher fahren an jenem Abend von Dorf zu Dorf

Wie Beate Schelmat-von Kirchbach, Pfarrerin in Wyhratal, richtig bemerkt: Die Besucher der Kirchennacht werden auf alle Fälle etwas verpassen – denn leider könne man nicht überall sein. Sie freut sich, dass „immer mehr Menschen diesen Abend nutzen, um von Dorf zu Dorf zu fahren, die kleinen Kulturprogramme in ihrer Vielgestaltigkeit zu genießen“.

Viele Ehrenamtliche würden mit Engagement inhaltlich als auch kulinarisch die Veranstaltungen aufwendig vorbereiten. Sie seien stolz, wenn ihre kleine Kirche an einem Abend mal so aufblüht... Die Gotteshäuser seien oft teuer saniert und schon äußerlich einen Besuch wert. „Kirche offen für alle steht an der Nikolaikirche in Leipzig. Zur Dorfkirchennacht steht das auch an unseren Kirchen und darauf sind wir stolz“, so die Pfarrerin.

Glockengeläut in Ton und Wort in Altenhain

In der Tat: Kutschfahrten, Krimis und Kulinarisches – Vielfalt ist angesagt. In der Kirche in Albrechsthain können Besucher „Ein Jahr im Süden Indiens“ verbringen, wie die fotografischen Impressionen des jungen Fotografen Albrecht Günz überschrieben sind. In Altenhain spricht Pfarrer Torsten Merkel „Über die Entstehung von Glocken“, Glockengeläut inclusive.

Gleich zwei Gotteshäuser laden in Beucha ein. In der katholischen Ludwigskapelle gibt es eine Andacht, in der Bergkirche hören die Besucher am späten Abend Orgelmusik für vier Hände und vier Füße. Hungrige Gäste können sich an Landbrot nebst selbst gemachten Aufstrichen laben.

Krimigeschichten aus der Bibel in Borsdorf

In Borsdorf werden Krimigeschichten aus der Bibel vorgelesen, in Ragewitz steht ein Reisebericht unter dem Motto „Mit dem Fahrrad durch Russland“ auf dem Programm. In Gnandstein werden die Besucher über das 500. Jubiläum der Einwölbung des Gotteshauses informiert, während in Nenkersdorf Gitarrenmusik aus vier Jahrhunderten erklingt.

Bernhard Müller, von 1993 bis 2015 Kantor in Borna, erklärt in Grethen, wie die Töne aus der Orgel kommen. In Greifenhain öffnet sich eine Geschichtenkiste, und es gibt Gaumenfreuden und Durstlöscher am Feuerkorb. Der Pegauer Posaunenchor und der Regiser Kirchenchor gastieren in Ramsdorf.

Stummfilm zeigt Wurzen vor 100 Jahren

Etwas Besonderes ist in der Kirche in Deuben geplant. Hier ist ein Stummfilm zu sehen, allerdings nicht mit den bekannten Leinwandhelden dieser Jahre wie etwa Charlie Chaplin. Zu jeder vollen Stunde wird hier ein Stummfilm gezeigt, den der Besitzer zweier Kinos in Wurzen vor 100 Jahren in seiner Stadt drehen ließ. Besucher bekommen einen authentischen Blick in die Stadt einschließlich der damals üblichen Verkehrsmittel.

Die Nacht der offenen Dorfkirchen erlebt mittlerweile ihre zwölfte Auflage. Sie entstand im vormaligen Kirchenbezirk Grimma und wurde nach dessen Zusammenschluss mit dem Kirchenbezirk Borna fortgeführt. Wohl deshalb gibt es bei den Veranstaltungsorten auch heute noch ein deutliches Übergewicht von Teilnehmern aus dem vormaligen Muldentalkreis. Von den 24 teilnehmenden Kirchgemeinden liegen 19 dort.

Von Claudia Carell und Nikos Natsidis

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