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500 Kilometer: Hohburgerin auf Pilgerpfaden

500 Kilometer: Hohburgerin auf Pilgerpfaden

Hohburg/Watzschwitz. „Ohne die Schmerzen wäre das nicht so intensiv gewesen", blickt Sarah Hennig zurück. Die Zwanzigjährige legte im März auf dem Jakobsweg 500 Kilometer bis Santiago de Compostela zurück.

. Dabei hat das Mädchen aus Watzschwitz vor allem eines gelernt: auf sich selbst und das Leben zu vertrauen.

Ihre Reiselust hat Sarah nach ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin schon nach Griechenland, Spanien, Tunesien und Tansania geführt. In Afrika war die junge Frau, die jetzt in Berlin ihr Abitur nachholen will, 2009 über eine Hilfsorganisation in einem katholischen Kloster gelandet. Hier sollte sie Kindern in der Vorschule Englisch beibringen. Ein Crashkurs in Suaheli war dafür nur bedingt hilfreich. Abgebrochen hat die junge Frau dieses Abenteuer, weil sie die Erziehungsmethoden in Tansania nicht ertragen konnte. Die Jungen und Mädchen wurden von den Nonnen regelrecht gedrillt. Stockschläge gehörten zum Lernen wie Stift und Papier. „Kleine Kinder ab zwei Jahre, sie haben das so verinnerlicht, dass sie nur auf körperliche Strafen reagierten. Das fand ich erschütternd", erzählt die Watzschwitzerin, die bis 2007 die Mittelschule Falkenhain besuchte. Mit ihrer Abreise freilich kam Sarah nur schlecht zurecht, hatte das Gefühl, diese Kinder im Stich gelassen zu haben.

Um mit sich ins Reine zu kommen, machte sich das konfessionslos aufgewachsene Mädchen im März diesen Jahres in Richtung Spanien auf, um auf dem Jakobsweg zu pilgern. Ihr Klosteraufenthalt in Afrika, ihre Offenheit für Fragen der Religion mögen bei diesem Entschluss eine Rolle gespielt haben. Unglücklicherweise begann die Tour in Pamplona mit neuen Wanderschuhen, weil die alten kurz vorher den Geist aufgegeben hatten. „Kein Schritt ohne Schmerzen, ich hatte Blasen, die Sehnen entzündeten sich. Und dann hat es auch fast nur geregnet", erinnert sich Sarah daran, dass auf der vierwöchigen Tour manchmal auch Tränen geflossen sind. Abends in der Herberge waren ihre bandagierten Füße oft Motive für ihr Fototagebuch. Manchmal ging gar nichts mehr, dann zog sie mit Anorak, Schal und Mütze weiter, an den Füßen die Flipflops, die eigentlich nur wegen Fußpilzgefahr in Pilgerduschen im Rucksack gelandet waren. Schlafsack, Essen und Trinken, Wäsche zum Wechseln, warme Pullover, Hautcreme, Zahnpasta, Duschgel – viel mehr trug sie in ihrem Zehn-Kilo-Gepäck nicht mit sich.

Die 19jährige zog durch bergige Landschaften, die im Regen noch viel von ihrer sommerlichen Schönheit verbargen. Nie wird sie den tollen Moment vergessen, als sie auf einem hohen Berg, mitten im Schneesturm, endlich vor einer Herberge stand. So trostlos sich die Märzlandschaft manchmal auch darbot, ein Bett war immer frei. Eine überschaubare Schar von Pilgern, die sich alle zwei, drei Tage trafen, war unterwegs. Zumeist allein. Manches Paar, das zusammen loszog, trennte sich unterwegs mit der Verabredung am Zielort. Bei dieser Tour werden immer auch die eigenen Grenzen ausgelotet. Da ist manchmal selbst ein Vertrauter zu viel.

Nach den ersten zwei Wochen, fast immer im Alleingang, war für Sarah das Schlimmste an täglicher Selbstüberwindung überstanden. An Aufgeben dachte sie nie. Geholfen hat ihr die Begegnung mit einem Pilger vom Bodensee, der ihr ein bisschen Nachhilfeunterricht in der Kunst des Abschaltens gab. Durch andere hat sie später erfahren, dass der Mittvierziger Selbsthilfetrainer war.

Das Ankommen in Santiago de Compostela hatte sich Sarah grandioser vorgestellt. Je näher sie kam, desto langsamer

wurde sie. „Ich dachte, ich müsste überglücklich sein. Doch ich wollte nicht ankommen, das Ziel hatte ich schon lange erreicht", reflektiert sie über ihre Pilgerreise, die mit dem obligatorischen Abstecher nach Kap Finisterre endete.Dabei hielt sie sich genau an die Empfehlungen der Pilgerführer, hier den Sonnenuntergang zu erleben und ein auf der Reise verschlissenes Kleidungsstück zu verbrennen. Ihre Leggins mussten dran glauben...

Ingrid Leps

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