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500 Rhododendren tauchen Wurzener Friedhof in ein Meer von Blüten

Botanik 500 Rhododendren tauchen Wurzener Friedhof in ein Meer von Blüten

Oft wird der Tod mit der Farbe schwarz verbunden, mit Verzagtheit und geschlossenen Augen. Doch das ist nur die eine Seite. Wer in diesen Tagen den Wurzener Friedhof betritt, dem gehen die Augen über, der spürt das blühende Leben, der erfreut sich an den vielen Farben.

Mit 500 Rhododendren gehört der Wurzener Friedhof zu einer der malerischsten Parkanlagen der Region.

Quelle: Haig Latchinian

Wurzen. Oft wird der Tod mit der Farbe schwarz verbunden, mit Verzagtheit und geschlossenen Augen. Doch das ist nur die eine Seite. Wer in diesen Tagen den Wurzener Friedhof betritt – dem gehen die Augen über, der spürt das blühende Leben, der erfreut sich an den vielen Farben. Zu keiner Jahreszeit lohnt ein Besuch von „Wurzens grüner Lunge“ so sehr wie jetzt. Von wegen Gottesacker! Mit fast 700 Laubbäumen, einigen Nadelgehölzen und vor allem rund 500 Rhododendren gilt der Friedhof mit seinen sieben Hektar Fläche als eine der malerischsten Parkanlagen der Region.

Kerstin Scharf, die auf dem Friedhof das Grab ihrer Eltern hegt und pflegt, kommt aus dem Schwärmen gar nicht heraus: „Wirklich wunderschön. Die Rhododendren stehen in voller Blüte. Wenn meine Freundin aus Eilenburg kommt, ist sie immer ganz neidisch auf die vielen Skulpturen, geht hier gern spazieren.“ Ilona Merkwitz gießt das Grab ihrer Angehörigen früh und abends, setzt sich gern auf eine der vielen Bänke, genießt die Pracht der weiß, rosa, orange und rot blühenden Rosenbäume – wie die Rhododendren auch genannt werden.

Ortschronist Wolfgang Ebert führt regelmäßig über den Friedhof. Er liebt dieses Fleckchen Erde, das für ihn so viel vereint: Leben und Tod, Natur und Kultur, Park und Wald, Geschichte und Gesellschaft. „Einflussreiche Unternehmer in prunkvollen Gruften sind hier genauso bestattet wie Vertreter des Mittelstandes in den von aufwendig geschmiedeten Gittern begrenzten Grabstellen, oder auch die 210 Kriegstoten, an die hölzerne Kreuze erinnern.“

Geweiht wurde der Friedhof am 18. Juli 1887. Bauleiter war Hermann Blankenburg. Die Kapelle im Stile der Neo-Renaissance stammt aus den Jahren 1886 und 1887. Nach den Plänen des Wurzener Architekten Paul Mannewitz wurde das Hauptgebäude mit dreiseitigen flachen Anbauten des Art déco ergänzt. „Die Rhododendren sind seit 100 Jahren typisch für Parks und Friedhöfe in großen deutschen Metropolen wie Hamburg, aber auch in kleinen Städten wie Wurzen.“

Friedhofsverwalterin Eleonore Roitzsch und ihre Mitarbeiter Paul Schütz, Olga Bernhardt, Mike Jahn, Heiko Lutz sowie Barbara Krause nennen das Kleinod stolz die „grüne Oase der Stadt“. All die Bäume symbolisierten das Werden, Wachsen und Vergehen von uns Menschen. Als Flachwurzler litten die Rhododendren unter der derzeitigen Trockenheit, sagt Eleonore Roitzsch: „Wir können deswegen aber nicht alle gießen.“ Der Rosenbaum mit seinen trichterförmigen, fünfzipfligen Blüten sei für manche Überraschung gut: So anziehend er auf Fotografen wirkt, so enttäuschend muss er für Insekten sein – denn er hat keinen Nektar. Auch Vögel bauen ihre Nester nie in Rhododendren. Auf Frost reagiert die immergrüne Pflanze ziemlich witzig: Je kälter es ist, desto enger rollen sich die Blätter zusammen, nehmen beinahe die Form einer Havanna-Zigarre an.

CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf, die in Berlin unter anderem im Agrarausschuss sitzt, hat sich in Wurzens „grüne Oase“ verliebt. Sie führt am 15. Juni, 16 Uhr, zusammen mit Experten über den Friedhof: „Diesmal begeben wir uns nicht auf die Spuren interessanter Persönlichkeiten, sondern genießen das vielfältige Grün und überhaupt die beruhigende Atmosphäre.“

Übrigens: Hausbesitzer in Friedhofsnähe haben sich längst von der Rhododendren-Pracht inspirieren lassen. So wie Carl Rößler in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße, dessen Garten mit Halbschatten und saurem Boden günstige Bedingungen bietet. „Ich habe vier solcher Büsche. Zwei violett, zwei rot blühende. Einer schoss in diesem Jahr regelrecht ins Kraut, verschoss dabei aber all seine Munition, denn geblüht hat er nicht.“

Von Haig Latchinian

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