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Wurzen 700 Tonnen Salz gegen die Eisglätte – der Kreis packt den großen Steuer aus
Region Wurzen 700 Tonnen Salz gegen die Eisglätte – der Kreis packt den großen Steuer aus
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20:34 19.03.2018
Kein Frühling in Sicht. Selbst auf dem Bornaer auf Kunstrasenplatz konnte am Wochenende kein Fußball gespielt werden. Quelle: Andreas Döring
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Landkreis Leipzig

Die Winter-Stippvisite war kurz und heftig. Die extremen Witterungsbedingungen hielten nicht nur die Polizei, die zu mehreren Unfällen ausrücken musste, sondern auch Abschleppdienste und Räumfahrzeuge in Atem. Zahlreiche Straßen waren durch Schneeverwehungen unpassierbar. Punktuell hatte es so heftig geweht, dass nichts mehr ging, Autos einfach steckenblieben, kleine Ortschaften zeitweilig aufgegeben wurden.

Moderate Schneemengen - aber heftiger Wind

„Das Problem war nicht der Schnee, die Verwehungen bereiteten Probleme“, erklärte Landkreissprecherin Brigitte Laux. Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien seien rund um die Uhr im Einsatz gewesen. „Hauptkampftag war der Freitag“, berichtete Laux. „Hier waren die vier Straßenmeistereien Borna, Großbothen, Wurzen und Zwenkau mit 43 eigenen Leuten und 17 Fahrzeugen auf Achse, um dem Wetter zu trotzen.“ Hinzu kamen 13 weitere Fahrzeuge von Fremdfirmen mit noch einmal 18 Fahrern, die ebenfalls auf den Kreis- und Bundesstraßen rollten. Auch am Wochenende gab es für die Straßenwärter kein Verschnaufen. Eine halbe Hundertschaft an Fahrern, davon 35 Mitarbeiter der Straßenmeistereien, rückte Schnee und Eis zu Leibe. „25 Fahrzeuge waren im gesamten Winterdienst des Kreises am Wochenende im Einsatz“, so die Sprecherin. Dabei packte der Kreis den großen Salzstreuer aus: In der Saison wurden bislang rund 2600 Tonnen Salz gestreut, davon 700 Tonnen in den letzten 72 Stunden.“ Allein am Freitag wurden von den Straßenmeistereien rund 340 Tonnen auf den Fahrbahnen zwischen Thallwitz und Narsdorf verteilt. Dennoch sei es nicht möglich gewesen, erklärte der Landkreis, alle Pisten befahrbar zu halten. „So mussten Abschnitte bei Großbothen, die K 8331 nördlich und südlich von Leipnitz und im Bereich Wurzen die S 42 und die S 11 zeitweilig gesperrt werden.“

Linienbus bleibt bei Pegau stecken

Betroffen von den Unbilden war auch der öffentliche Personennahverkehr. „Am heftigsten hat es einen Bus auf der Strecke Werben-Sittel bei Pegau erwischt“, berichtete Thomas Fröhner, Sprecher der Regionalbus Leipzig GmbH. „Das Fahrzeug war im Schnee stecken geblieben. Der Fahrer samt Passagieren musste zwei Stunden auf den Abschleppdienst warten, bis es endlich weiter ging.“ Dadurch sei natürlich eine erhebliche Verspätung entstanden. Zahlreiche Pisten waren für die Busflotte von vornherein nicht mehr passierbar. So gab es Probleme auf der Umleitungsstrecke in Ammelshain, gesperrt war außerdem die Verbindung Oelschütz-Nitzschka. Auch zwischen Kühren, Streuben und Sachsendorf drehte sich kein Rad mehr. „Die Verbindung konnte erst am Montagmorgen wieder freigegeben werden, weil die Räumdienste einfach nicht hinterher kamen.“ Verbindungen ins benachbarte Mittelsachsen waren ebenfalls betroffen. „Richtung Rochlitz war alles zu spät“, meldeten die Fahrer ihrer Leitstelle in Deuben. „Hier gab es für unsere Busse einen Zwangsstopp in Lastau.“ Als schwieriger Parcours erwies sich nicht nur für den Busverkehr die Verbindung Bad Lausick-Colditz, wo eisglatte Straßenverhältnisse allen Kraftfahrern Geduld abverlangten. Wer heil ans Ziel kommen wollte, musste ohnehin vom Gas gehen.

Bauhöfe schieben Wochenenddienst

Fröhner bedankte sich aber auch bei den Kunden, die offenbar Verständnis für die extrem schwierigen Bedingungen zeigten. „Uns haben jedenfalls keine Kritiken erreicht. Und wo wir einigermaßen fahren konnten, sind auch alle Busse gerollt.“ Auch Unfälle oder gar Personenschäden habe es keine gegeben.

Etliche kommunale Bauhöfe wie die in Pegau und Groitzsch arbeiteten ebenfalls durch. Im Pegauer Stadtkern und in den Ortsteilen waren sechs Kollegen am Sonnabend, 5 Uhr, zum „normalen“ Winterdienst ausgerückt. Am Abend sowie am Sonntagmorgen wurden weitere Verwehungen beseitigt. Ein Mitarbeiter half unter anderem mit, den zwischen Sittel und Werben feststeckenden Linienbus zu befreien.

Viele Bewohner haben mehr Verständnis als Kritik

Im Bereich Groitzsch hatten vor allem im Ortsteil Löbnitz-Bennewitz Verwehungen dazu geführt, dass einige Bewohner ihre Grundstücke nicht ohne Weiteres verlassen konnten. Dort waren laut Leiterin Sabine Schirmer Bauhofmitarbeiter mit ihrer Technik ebenso aktiv, wie auf verschiedenen Radwegen über Land, etwa zwischen Groitzsch und Kobschütz. Zwei Fahrzeuge waren in Langenhain von der Straße abgekommen, schafften es aber dann doch weiterzufahren. 14 Kollegen waren am Sonnabend von früh bis Mittag im Einsatz und dann noch mal am Sonntag, so Schirmer. David Zühlke, Gemeindeoberhaupt von Elstertrebnitz, vermeldete ebenfalls, dass der Winterdienst ordentlich funktionierte. „Die Bürger haben sogar bei der Gemeindeverwaltung angerufen und uns ein Lob ausgesprochen, dass Straßen und Wege trotz Wetterkapriolen geräumt waren.“

Von Simone Prenzel und Olaf Krenz

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