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Abriss der Traversen im Wurzener Stadion der Jugend sorgt für Erstaunen

Anlage war desolat Abriss der Traversen im Wurzener Stadion der Jugend sorgt für Erstaunen

Die Sitztraversen im Stadion der Jugend wurden dieser Tage abgerissen. Das Stadthaus begründete die Maßnahme mit hohe Pflegekosten, im Übrigen sei die Anlage, die nur wenig genutzt wurde, in einem desolaten Zustand gewesen.

Die Sitztraversen im Stadion der Freundschaft wurden jetzt entfernt.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Der desolate Zustand und die hohen Pflegekosten haben das Stadthaus dazu veranlasst, die Sitztraversen im Stadion der Jugend zu entfernen. Bereits Ende März ebneten Bagger der Unternehmensgruppe Kafril aus Großzschepa die 1957 errichtete Anhöhe mit den Betonplatten in der Lüptitzer Straße 24.

Eben jene Aktion sorgte zwischenzeitlich für Erstaunen, da die Verwaltung das Vorhaben weder ankündigte noch im Anschluss darüber informierte. Lediglich die beiden CDU-Stadträte Kay Ritter und Roland Mühlner bohrten zu Rats- und Ausschusssitzungen immer wieder nach, erhielten aber erst kürzlich Antwort auf ihre Fragen. So wollten die Volksvertreter zunächst wissen, weshalb das Abrissprojekt auf keiner parlamentarischen Tagesordnung stand und wie viel der Rückbau gekostet habe. Im Schreiben von Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) an die Abgeordneten heißt es: „Die Maßnahme war und muss vor keinen Ausschuss, da es sich hierbei um grundsätzliche Erhaltungs-/Unterhaltungsarbeiten handelt. Die Kosten sind im Ertragshaushalt geplant.“ Der Abriss sei schon deswegen notwendig gewesen, weil die Traverse „bereits seit längerer Zeit eine Gefährdung für die Nutzer darstellte“. Und „diese Gefahr musste beseitigt werden“. Ferner begründete die Stadt den Eingriff ins Stadionrund mit der „geringen Nutzung“ der Wettkampfstätte (zehn Veranstaltungen im Jahr) und dem „enormen Zeitaufwand für die Pflege des Grünbereiches“.

In Wurzen gebe es laut Verwaltung keine Vereine, die Leichtathletiksportarten betreiben und somit keine größeren Veranstaltungen, die die Anzahl der Sitztraversen beanspruche. Insbesondere die Hügellandschaft erschwere den Einsatz großer Mähtechnik. Daher sei die Pflege der Traversenflächen sehr aufwendig und das Jäten von Unkraut nur „mechanisch“ möglich. All diese Tatsachen veranlassten den Fachbereich Grünflächen, Gewässer und Hausmeisterdienste letztlich zum Handeln. Im letzten Anstrich des Stadthausbriefes an Ritter und Mühlner ging Röglin konkret auf die Kosten ein. Zitat: „Die Kosten für den Abbau – Abtransport der Erdmassen (circa 1400 Kubikmeter) und der gleichzeitige Weiterverkauf von Erde bei der Verrohrung des Mühlgrabens an die bauausführende Firma und die kostengünstige Entsorgung der Betonplatten (580 laufende Meter) durch effektive Entsorgungstechnik der Firma Kafril belaufen sich auf 5000 Euro.“ Zum Schluss strengte der Fachbereich noch eine argumentative Kosten-Nutzen-Rechnung an: „Zum Vergleich beansprucht die Pflege der bisherigen Traverse circa 250 Personenstunden, die einen Wert von circa 8300 Euro darstellen“.

Bei alledem zeigte sich Stadtrat Kay Ritter trotz der späten Antwort überrascht. Zur vergangenen Versammlung des Verwaltungs- und Finanzausschusses machte er das Stadtoberhaupt nämlich auf einen Zufallsfund aufmerksam. Denn vis-à-vis des Garagenkomplexes in der Lüptitzer Straße und damit am Rand des Stadtwaldes, also nur wenige hundert Meter vom Stadion entfernt, wurden zig Lkw-Fuhren der Traversen-Erde einfach so in die Landschaft gekippt.

Im Übrigen erfolgte der Startschuss für den Bau des Stadions der Jugend bei der Siegerehrung des Sachsenmeisters 1952, der ersten Fußballmannschaft des BSG Empor Wurzen-West, durch den damaligen Bürgermeister Max Rebber (1895 – 1973). Zum ersten Arbeitseinsatz am 29. März 1952 beteiligten sich alle Funktionäre und Mitglieder der Betriebssportgemeinschaften Wurzens. Der Ausbau zog sich bis in die 70er-Jahre hin.

Von Kai-Uwe Brandt

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