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Wurzen Abschied unter Tränen: Nach 43 Jahren im Schuldienst geht Gunthild Trylus in Rente
Region Wurzen Abschied unter Tränen: Nach 43 Jahren im Schuldienst geht Gunthild Trylus in Rente
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14:58 27.06.2017
Ein letztes Mal: Die scheidende Schulleiterin Gunthild Trylus zeigte sich vom Abschlussprogramm der Viertklässler sichtlich gerührt. Quelle: Frank Schmidt
Wurzen

„Ich spielte schon als Kind gern Schule.“ Mit entwaffnender Ehrlichkeit lässt Gunthild Trylus nicht nur ihr Berufsleben Revue passieren, sondern auch ganz Privates. Sie hat schließlich allen Grund dazu. Denn mit Ende des Schuljahres geht die Leiterin der Diesterweg-Grundschule in den wohl verdienten Ruhestand. Eben deshalb fiel ihr letzter Unterrichtstag zeitgleich mit der Verabschiedung der Viertklässler zusammen. Und die sorgten in der Sporthalle Püttnerstraße für ein buntes Programm, das der 63-Jährigen manche Träne in die Augen trieb.

Mit Tanz- und Gesangseinlagen feierten die Viertklässler der Wurzener Diesterweg-Grundschule ihr Abschlussfest in der Sporthalle Püttnerstraße. Zugleich aber verabschiedeten die Schüler ihre langjährige Schulleiterin Gunthild Trylus.

Dabei zeigten die kleinen Absolventen in den himmelblauen T-Shirts die ganze Bandbreite ihres Könnens. Es wurde getanzt und gesungen – Max Giesingers Quotenhit „80 Millionen“ – und der eine oder andere Witz gerissen: „Was unterscheidet einen Marienkäfer vom Letzten der Fußball-Bundesliga? – Na der Marienkäfer hat mehr Punkte!“ Im Anschluss durften sich die Besten der Klassenstufe, drei Mädchen und zwei Jungen, außerdem ins Goldene Buch der Diesterweg-Grundschule eintragen – unter dem anerkennenden Beifall der Mitschüler, Eltern und Gäste.

Den Abschiedsreigen für Trylus eröffnete kurz darauf ihre Stellvertreterin Heike Kempe mit den Worten: „Glück ist wie eine Seifenblase“. Und Glück empfand Trylus übrigens in ihrer Kindheit. Sie wuchs in Oelschütz auf einem Bauernhof auf und genoss bis zum sechsten Lebensjahr „Freiheiten, wie es sie heute nicht mehr gibt“. Der Wunsch, Lehrerin zu werden, reifte früh. So lud sie zum Beispiel als kleines Mädchen die Dorfkinder nach Hause ein, um mit ihnen Sportunterricht zu machen. Sport begleitet übrigens ihr ganzes Leben. In der fünften Klasse kam sie zum Geräteturnen, trainierte mit Leidenschaft und heimste sogar einige Titel ein. Dass ihre Schule in Burkartshain, die sie von 1960 bis 1970 besuchte, der künftige Arbeitsort sein würde, ahnte Trylus damals wohl nicht. Denn zunächst ging es nach Leipzig zur Ausbildung an das Institut für Lehrerbildung. Der Abschluss erfolgte 1974. Von da an unterrichtete sie in Burkartshain bis zum Wechsel 2002. Ab 1992 leitete sie sogar die Bildungsstätte des heutigen Ortsteils von Wurzen. „Eigentlich habe ich mir seinerzeit die Funktion nicht zugetraut“, erzählt die bekennende Christin. Etwas leichter fiel es ihr dann aber, in die Fußstapfen von Vorgängerin Barbara Herde zu treten. Und zwar in jenem Gebäude der Eduard-Schulze-Straße, das seit der Einweihung am 6. November 1926 die Höhere Handelsschule, von 1959 bis 1991 die „Erweiterte Goethe-Schule“ und schließlich die Diesterweg-Grundschule beherbergte.

Doch nunmehr heißt es Abschied nehmen. „Alles hat seine Zeit“, sagt Trylus. „Meine Zeit, loszulassen, ist gekommen.“Auf die Frage, ob es ihr schwerfällt, antwortet sie unter dem Eindruck der gerade zu Ende gegangenen Abschlussfeier und der vielen Glückwünsche: „Auf alle Fälle nicht leicht!“ Sie will jetzt erst einmal die Ruhe genießen, freut sich auf ihre drei Enkelkinder. „Außerdem kann ich meine Schwiegermutter, sie ist 88, mehr unterstützen.“ Und für die Diesterweg-Grundschule wünscht sich Trylus, „dass sie immer genügend Kinder hat, die Lehrerinnen ein tolles Team bleiben und Freude am Unterrichten haben“.

Wer Nachfolgerin der scheidenden Schulleiterin wird, ist bislang nicht entschieden. Zumindest hat Stellvertreterin Heike Kempe den Hut in den Ring geworfen, wie sie verriet.

Von Kai-Uwe Brandt

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